Kolbermoor – Die geplante Bebauung des Quartierszentrums Nord-Ost hat bei einer Veranstaltung des Ortsverbands der Grünen Kolbermoor für intensive Diskussionen gesorgt. Im Mittelpunkt standen dabei Zweifel, ob das Vorhaben unter den gegebenen Bedingungen überhaupt sinnvoll und realisierbar ist.
Ausgangspunkt der Debatte war der Hinweis, dass der Druck zur Bebauung nach Angaben der Grünen vor allem aus der Wohnungsnot und dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum resultiert. Bei genauer Betrachtung sei die von der Stadt angedachte Lösung jedoch eine Illusion, wurde unter Verweis auf die Ausführungen von Silke Rath-Reißmann von der Bürgerinitiative und Stadtratskandidatin der Grünen betont. Das rund 85.000 Quadratmeter große Planungsgebiet liegt auf einer mächtigen Tonschicht, weshalb der Geoplan-Bericht eine Bebauung ohne Keller nahelegt. Nach Einschätzung der Kritiker dürfte dieser Untergrund bei den geplanten Tiefgaragen noch für Überraschungen sorgen. Zur Begründung wurde auf den Bau der Westumgehung verwiesen, bei dem wegen des Bodens umfangreiche Nachbesserungen und Kostensteigerungen notwendig gewesen seien.
Die vorgesehene Aufteilung des Quartierszentrums Nord-Ost sieht laut Angaben der Grünen 52 Prozent frei finanzierte Wohnungen und 27 Prozent kommunalen Wohnungsbau vor. Daraus würden mittelfristig etwa 67 bis 75 Wohnungen mit nach Ansicht der Befürworter verträglichen Mieten entstehen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Nebenkosten durch geplante Gemeinschaftskonzepte sehr hoch ausfallen dürften.
Neben der langen Bauphase, die für die Bürger ein erhöhtes Aufkommen an Schwerlastverkehr und zusätzliche Immissionen bedeute, erwarten die Kritiker gravierende Veränderungen der Wasserströme. Wo bislang landwirtschaftliche Flächen liegen, würden 24 Wohnblöcke die Stadt aufheizen. Für die Tiefgaragen müssten tausende Kubikmeter Seeton ausgehoben und abtransportiert werden.
Zweifel wurden auch an der praktischen Umsetzbarkeit der Großbaustelle geäußert. Nach Darstellung der Grünen lassen die örtlichen Straßenverhältnisse den Baustellenverkehr kaum zu. Die Bahnunterführung sei einspurig und für Lkw nur schwer passierbar. Die innerörtlichen Zufahrtsstraßen, insbesondere Kolber- und Filzenstraße, seien ohne den sehr schmalen provisorischen westlichen Schutzstreifen lediglich 5,70 Meter breit. Die Bergstraße verfüge, obwohl Schulweg, über keinerlei Fußgänger- oder Radstreifen. Weder die Fürstätter Straße noch die Karolinenstraße gelten wegen fehlender Breite beziehungsweise instabilen Untergrunds als Lkw-taugliche Zufahrten. Im Gespräch mit den Stadträten Anton Eisenkolb und Carolin Schwägerl wurde als Alternative eine teilweise Wohnbebauung „in der Schwaig“ hinter dem Bauhof ins Spiel gebracht. Das Gelände gehört der Stadt, dort könnten unter anderem Wohnungsvarianten für Kolbermoorer Bürger nach Einschätzung der Gesprächspartner gegebenenfalls schneller verwirklicht werden. Da zudem eine Erweiterung des Bauhofs ansteht, würden weitere Planungen für dieses Areal zeitnah gut passen. Der Abend endete nach Angaben des Ortsverbands mit viel Zustimmung für diese als realistischer bezeichnete Idee und dem Wunsch nach einer baldigen Umsetzung.
Der Ortsverband der Grünen Kolbermoor verwies zudem auf die aktuelle Stellungnahme der Grünen-Fraktion zum Bürgerentscheid auf seiner Internetseite.