Vaters Werk lebt weiter

von Redaktion

Damit das „Lebenswerk“ ihres Vaters bestehen bleibt, führt Verena Hofmann seit dem Tod Harry Heilmeiers vor gut einem Jahr das Kolbermoorer Unternehmen „Tippus24“ weiter. Wieso sie diesen Schritt „keine Sekunde bereut“ – und warum sie sich zwischen Tinte, Tesa und Toilettenpapier so wohlfühlt.

Kolbermoor – Auch wenn es der große Wunsch ihres Vaters war, den er ihr und ihrem Mann gegenüber immer wieder geäußert hatte: Verena Hofmann (30) aus Kolbermoor konnte sich nicht vorstellen, in die Fußstapfen ihres Vaters Harry Heilmeier zu treten. Doch dessen plötzlicher Tod nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von gerade einmal 59 Jahren veränderte alles.

„Ich konnte sein Lebenswerk, mit dem er uns als alleinerziehender Vater ernährt hatte, nicht einfach so zu Ende gehen lassen“, sagt die heute 30-Jährige. Daher entschied sie sich dafür, das Kolbermoorer Bürobedarf-Unternehmen „Tippus24“ fortzuführen. Heute, gut ein Jahr später, ist die junge Mutter überzeugt: „Ich bereue diesen Schritt keine Sekunde.“

Übernahme war eine
„emotionale Entscheidung“

Als Harry Heilmeier Anfang der 90er-Jahre den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und in seinem Unternehmen „Tippus“ zunächst Druckerreparaturen sowie Tintenpatronen für Drucker anbot, war Verena Hofmann noch gar nicht auf der Welt. Nach und nach erweiterte der gebürtige Bruckmühler, der in den 1980er-Jahren nach Kolbermoor gezogen war, sein Sortiment um Büroartikel aller Art, sodass er Unternehmen in der ganzen Region mit Kopierpapier, Druckerpatronen oder Tackern ausstatten konnte. Die Auslieferung übernahm er persönlich.

„Was für ein spezielles Verhältnis er zu den Kunden hatte, ist mir auch erst bewusst geworden, als ich das Geschäft übernommen hatte“, erinnert sich Hofmann an ihre Anfänge vor gut einem Jahr zurück. „Die Kunden haben von Papa so geschwärmt. Da wurde mir erst klar, wie sie ihn vermissen.“

So wie sie und ihre beiden Geschwister natürlich auch. Und dennoch musste sie lange mit sich kämpfen, das Geschäft weiterzuführen. Sie habe zwar ab und an in der Buchhaltung des kleinen Unternehmens ausgeholfen, vom operativen Geschäft aber keine Ahnung gehabt. Und zudem hatte sie einen Vollzeitjob – als Lohnbuchhalterin einer Online-Marketing-Agentur in Mitterhart. Und dennoch war der jungen Frau, als absehbar war, dass ihr Vater nicht mehr lange zu leben hatte, klar: „So konnte ich sein ,Lebenswerk‘ nicht enden lassen.“ Letztlich sei es „eine emotionale Entscheidung“ gewesen, das Unternehmen für Bürobedarf fortzuführen.

Und zwar neben ihrem Vollzeitjob. „So zwei, drei Stunden am Tag bin ich da schon beschäftigt“, sagt die heute 30-Jährige, die zeitweise von ihrem Mann unterstützt wird, der, wenn er Zeit dafür hat, Lieferungen ausfährt.

Doch die übrige Arbeit bleibt an Verena Hofmann hängen – von der Warenbestellung über die Auslieferung bis zur Buchhaltung. „Bis auf die Steuererklärung mache ich alles selbst“, sagt die 30-Jährige und lacht. „Auch wenn es viel Arbeit ist, es macht mir einfach Spaß.“

Alles, was für den
Büroalltag vonnöten ist

Eine ihrer ersten Amtshandlungen als neue „Tippus24“-Chefin: Sie kündigte den Mietvertrag für das große Lager auf, von dem aus ihr Vater die Geschäfte geführt hatte. „Das Geld, das da als Miete fällig geworden ist, muss ja erst einmal reingewirtschaftet werden“, sagt die Unternehmerin, die den deutlich verkleinerten Warenbestand sowie ein kleines Büro zunächst im Keller ihres Wohnhauses untergebracht hatte. Keine besonders praktikable Lösung, weshalb sich Hofmann auf die Suche nach neuen Räumlichkeiten machte.

Dabei landete sie einen Volltreffer: Denn im Bürogebäude, in dem auch ihr Arbeitgeber sitzt, wurde ein kleines Büro mit einer Größe von rund 30 Quadratmetern frei, das nun seit fast einem Jahr „Tippus24“ als Firmensitz dient. An der Fensterfront des Büros/Lagers hat sie einen kleinen Arbeitsplatz eingerichtet, den Rest des Platzes nimmt die Ware ein. So sind an einer Wand kistenweise Druckerpapier und Papierhandtücher gestapelt. Die andere Wand ist mit einem Regal voll, in dem sich alles findet, was für den Büroalltag vonnöten ist – vom Radiergummi über Textmarker, Tesa und Notizblöcke bis hin zum Toilettenpapier.

Ein Schritt
mit Risiko

Wobei die neuen Räumlichkeiten eigentlich das Einzige sind, was Verena Hofmann seit dem Tod ihres Papas verändert hat. So hält sie an der Firmenphilosophie, die Kunden so schnell wie möglich, bestenfalls sogar noch am selben Tag, zu beliefern, eisern fest. Das honoriert die Kundschaft nach Angaben der jungen Unternehmensinhaberin auch. „Ein Großteil der Kunden, die bereits mein Papa hatte, sind dem Unternehmen treu geblieben“, verrät die 30-Jährige, die von einem harten Kern von „rund 50 Kunden“ ausgeht, die regelmäßig bei „Tippus24“ ihre Bürobedarfsartikel bestellen. Pro Tag gehen nach Schätzungen Hofmanns rund zehn, 15 Bestellungen ein.

„Wie es letztlich nach dem Tod meines Papas laufen würde, konnte ich ja damals selbst nicht sagen“, ist Hofmann bewusst, dass die Übernahme von „Tippus24“ natürlich ein Risiko war. „Nachdem ich aber denke, dass ich eine schnelle Auffassungsgabe habe und ich mich schnell in etwas reinarbeiten kann, hatte ich natürlich schon die Hoffnung, dass es gut laufen wird.“

Eine Hoffnung, die sich erfüllen sollte: Denn das Geschäft läuft gut, der Alltag zwischen Vollzeitjob, „Tippus24“ und der dreiköpfigen Familie hat sich gut eingependelt. Ausnahme: Ein längerer Urlaub ist mangels Vertretung für die 30-Jährige derzeit nicht drin, weshalb die kleine Familie auf verlängerte Wochenenden in der Ferne setzt, wie jetzt an Ostern in Tirol.

„Er war sehr froh,
dass es weitergeht“

Was ihr rund um die Übernahme des Unternehmens besonders viel bedeutet? Dass ihr Papa noch mitbekommen hat, dass sie „Tippus24“ weiterführen wird. „Wir haben das alles noch mit ihm besprochen. Er war sehr froh, dass es weitergeht. Vier, fünf Tage später ist er dann gestorben“, erinnert sich Verena Hofmann an den schlimmen Verlust. „Vielleicht hat ihm das aber noch eine gewisse innere Ruhe gegeben.“

Zumal in der Familie Hofmann ja vielleicht schon ein Nachfolger für die 30-jährige Unternehmerin heranwächst. Schließlich ist Verena Hofmanns dreijähriger Sohn bei den Auslieferfahrten immer wieder mit an Bord.

„Das gefällt ihm richtig gut“, verrät die 30-Jährige, die ihren Sohn später aber keinesfalls zur Übernahme der Geschäfte drängen will. Auch wenn sie sich darüber freut, dass er „letzthin gesagt hat, dass er das Ausliefern auch machen will, wenn er groß ist“.

Eins ist jetzt schon klar: Verena Hofmanns viel zu früh verstorbener Papa Harry Heilmeier hätte sicherlich nichts dagegen.

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