Kolbermoor – Jedes Mal, wenn Arezo Krishan das Kolbermoorer Freibad betritt, ist es für sie wie ein Ausflug in ihre Kindheit. Im Alter von zwei Jahren ist die heute 41-Jährige nach Kolbermoor gekommen, hat seitdem unzählige Tage im Schwimmbad verbracht. „Ich bin quasi hier im Freibad aufgewachsen“, sagt die gelernte Friseurin und lacht. Künftig wird sie sogar noch häufiger in der städtischen Einrichtung anzutreffen sein. Denn gemeinsam mit ihrem Mann Paramjit Krishan, der seit fast 30 Jahren in der Gastronomie tätig ist, wird sie den Kiosk des Freibads betreiben: „Unser Ziel ist es, dass sich die Schwimmbadbesucher bei uns wohlfühlen und etwas Gutes zu essen bekommen“, lautet das Credo des Ehepaars. Arezo Krishan ergänzt: „Für uns ist dieser Kiosk eine echte Herzensangelegenheit.“
Künftiger Bürgermeister
gibt wertvollen Tipp
Während Arezo Krishan bereits als Kleinkind nach Kolbermoor gekommen war, kam Paramjit Krishan, 45 Jahre alt, erst als junger Mann in Berührung mit der Region Rosenheim. Im Alter von 13 Jahren war er zunächst aus Indien nach Österreich ausgewandert, hatte dort nach der Schulzeit eine Kochlehre in einem Vier-Sterne-Hotel absolviert. Und ist der Gastronomie seither treu geblieben.
Im Jahr 2009 hatte er sich dann eine Wohnung in Bad Aibling genommen. Im Mangfalltal lief er dann eines Tages im Fitnessstudio seiner späteren Frau Arezo über den Weg. Auch wenn es einige Zeit dauerte, bis aus einer immer tiefer werdenden Freundschaft schließlich die große Liebe wurde. Eine Liebe, die 2024 im Bund der Ehe gipfelte. Auf dem Kolbermoorer Standesamt geschlossen von Thomas Rothmayer, der am 1. Mai den amtierenden Bürgermeister Peter Kloo ablösen wird.
Rothmayer war es schließlich auch, der sozusagen den Kiosk-Deal in die Wege leitete. „Wir hatten ihn vor rund einem Monat zufällig am Rathaus getroffen“, erzählt Arezo Krishan. „Da hat er dann auch den Kiosk erwähnt, für den damals noch ein Pächter gesucht wurde.“ Nachdem Paramjit Krishan schon länger mit dem Gedanken gespielt hatte, sich im Bereich der Gastronomie selbstständig zu machen und seine Frau Arezo immer wieder von den unvergesslichen Stunden im Freibad geschwärmt hatte, musste das Ehepaar nicht lange überlegen: „Wir haben schnell die Entscheidung getroffen und zugesagt“, erinnert sich der 45-Jährige, dessen Frau sicher ist: „Das war auch irgendwie Schicksal.“
Currywurst mit Pommes
unter zehn Euro
So werden die Krishans – die Stadt hatte den Vertrag mit der bisherigen Kiosk-Pächterin nicht verlängert – erstmals zur Saisoneröffnung des Freibads am Freitag, 1. Mai, ihren Kiosk aufsperren, um die Schwimmbadbesucher zu bewirten. Doch bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun. So soll die kleine Räumlichkeit sowie der Terrassenbereich deutlich einladender gestaltet werden, als es die Badegäste in den vergangenen Jahren gewohnt waren.
Das Hauptaugenmerk der Krishans liegt nach eigenen Angaben aber auf einem freundlichen, kommunikativen Umgang mit den Kunden und auf einem hochwertigen Angebot an Speisen und Getränken. „Wir wollen unbedingt Qualität anbieten“, sagt Paramjit Krishan, dessen Frau es noch deutlicher ausdrückt: „Nur weil es ein Kiosk ist, heißt das ja nicht, dass man den Gästen irgendeinen Fraß vorsetzen kann.“ Daher setzt der 45-jährige Gastronom im kleinen Kiosk auf die gleiche Strategie, wie es viele Wirte in der großen Gastronomie tun: „Ich biete lieber weniger Gerichte und Produkte an, die sind dafür aber von guter Qualität und frisch zubereitet“, sagt der Kolbermoorer. „Wenn ich unzählige Gerichte anbiete, dann ist doch klar, dass das überhaupt nicht frisch zubereitet worden sein kann.“ Dennoch wollen die Krishans bei ihrem Angebot aber auch auf eine faire Preisgestaltung achten, damit sich „Familien und Kinder das dann auch leisten können“.
So wird die Currywurst mit Pommes – derzeit ist Paramjit Krishan bei den Metzgereien in der Region noch auf der Suche nach der zu seiner Soße passenden Wurst – für unter zehn Euro erhältlich sein. „Wir haben viele Preise verglichen“, sagt Arezo Krishan. „Da brauchen wir uns preislich wirklich nicht vor der Konkurrenz zu verstecken.“
Und was wird das Ehepaar noch so an Schmankerl anbieten? Von Nuggets bis zur Pizza ist für jeden Geschmack etwas dabei. „Auch Leberkässemmeln wird‘s bei uns geben“, verspricht Arezo Krishan. „Die gehört zu Bayern einfach unbedingt dazu.“ Zudem will das Kolbermoorer Ehepaar mit Kombi-Angeboten punkten, für Kinder außerdem eine bezahlbare Überraschungstüte mit süßen Leckereien im Sortiment aufnehmen. Arezo Krishan: „Es soll ein bisschen so sein, wie ich es aus meiner Kindheit noch in Erinnerung habe.“
Für jede Anregung und
Rückmeldung dankbar
Für die fernere Zukunft hat das Paar bereits jetzt weitere Ideen, will aber zunächst nur eins: „Die Kunden zufriedenstellen und ausloten, was wirklich gewünscht wird und gut ankommt.“ Daher sei es für sie auch wichtig, „dass uns die Gäste sagen, wenn etwas nicht passt“. „Wir sind für jede Anregung, jede Rückmeldung dankbar“, sagt die 41-Jährige. Denn dann könne man nach der ersten Saison Bilanz ziehen, um in der zweiten Saison noch besser zu werden. Das Team, das die Gäste bedienen wird, haben die Krishans trotz der Kürze der Zeit bereits beisammen. „Insgesamt sind wir fünf, sechs Personen“, erzählt Paramjit Krishan, der von einem „tollen Team“ spricht. Geöffnet haben soll der Kiosk synchron zu den Öffnungszeiten des Freibads.
Wobei die Freibadbesucher Arezo Krishan wohl schon bald zunächst etwas weniger zu Gesicht bekommen werden. Denn das Kolbermoorer Ehepaar erwartet demnächst Nachwuchs. „Als Geburtstermin wurde der 11. Mai berechnet“, sagt die werdende Mutter und strahlt. Dass es bereits am Eröffnungstag des Kiosks so weit ist, hoffe sie aber nicht. Eins ist für die 41-Jährige aber jetzt schon klar: Die unvergesslichen Kindheitserinnerungen rund ums Kolbermoorer Freibad, die will sie auch ihrer Tochter weitergeben.