Kolbermoor – Kleines Missgeschick, große Wirkung: Weil vermutlich beim Austausch eines Zählers ein Fehler passiert war, hat ein Kolbermoorer, der seit Jahren Strom ins Netz der Bayernwerk AG einspeist, mehrere Monate keine Zahlungen mehr bekommen. Dabei ärgerte sich der 70-Jährige nicht so sehr über das ausbleibende Geld, sondern vielmehr über die fehlende Kommunikation seitens des Unternehmens. Mittlerweile fließen die Gelder wieder – doch dafür war anscheinend eine Presseanfrage seitens des OVB vonnöten.
Kolbermoorer wird
am Telefon vertröstet
Seit 15 Jahren hat Carsten Magnus aus Kolbermoor eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, mit der er Strom ins Stromnetz einspeist. Als Vertragspartner zahlt ihm die Bayernwerk AG dafür monatliche Abschläge, die sich an der Einspeisemenge des vergangenen Jahres orientieren. Ähnlich wie die Strompreise, die Kunden für die Abnahme von Strom bezahlen müssen.
Im Januar 2026 ging letztmals ein Abschlag in Höhe von 219 Euro auf dem Konto des 70-Jährigen ein, danach blieben die Abschlagszahlungen seitens der Bayernwerk AG aber aus. Auch die für spätestens März angekündigte Jahresabrechnung, in der zudem die neue Höhe der Abschläge festgelegt werden, hatte Magnus zunächst nicht erhalten. „Das ist für mich jetzt kein Drama“, sagt der Kolbermoorer. „Allerdings bessere ich damit meine Rente auf und rechne ja mit diesen Summen.“
Nachdem Magnus seitens der Bayernwerk auch überhaupt keine Informationen erhalten hatte, wieso die Zahlungen an ihn eingestellt worden sind, griff der Rentner zum Telefonhörer und rief Anfang April unter der Servicehotline der Bayernwerk AG an.
Verdrahtung
vermutlich vertauscht
„Ich hatte einen wirklich sehr freundlichen Bayernwerk-Mitarbeiter am Telefon, der mir versprach, mein Anliegen an die zuständige Fachabteilung weiterzugeben“, erinnert sich Magnus an das Telefonat zurück. Doch passiert ist letztlich nichts.
Auf weitere Anrufe bei der Servicehotline wurde ihm erneut versichert, dass sich eine Fachabteilung um sein Anliegen kümmere. E-Mails und ein Brief, den er per Einschreiben verschickt hatte, blieben unbeantwortet. „Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass nicht alles glatt läuft, und hätte auch mit zunächst reduzierten Abschlägen leben können“, sagt der 70-Jährige. „Was mich aber so stört, ist, dass man einfach keine Antwort bekommt.“ Auch über den Chatbot auf der Bayernwerk-Homepage hatte er nach eigenen Angaben versucht, Antworten zu bekommen: „Nach einer Wartezeit von 45 Minuten bekam ich den Hinweis, dass ich nun der Nächste in der Warteschlange sei. Dann ist überhaupt nichts mehr passiert.“
Eine OVB-Anfrage an die Pressestelle der Bayernwerk AG bringt schließlich Aufklärung. „Bei Herrn Magnus gab es am 13. Januar 2025 einen Wechsel des Erzeugungs- sowie des Einspeisezählers. So wie es aussieht, wurde beim Erzeugungszähler die Verdrahtung vertauscht“, teilt Bayernwerk-Sprecher Christian Martens gegenüber dem OVB mit. „Da der Kunde im Jahr 2025 monatlich Abschläge erhalten und keine Zählerstände im laufenden Jahr benötigt wurden, ist der Fehler längere Zeit unbemerkt geblieben.“
Bei der Abfrage des Zählerstandes zum Jahreswechsel sei dem Unternehmen dann aufgefallen, dass der Zählerstand „nicht plausibel“ sei, weshalb die Bayernwerk AG Magnus um ein Foto des Zählers gebeten hatte, was dieser auch umgehend per E-Mail an das Unternehmen schickte. „Leider wurde die Anfrage mit dem Zählerfoto versehentlich durch einen Massenlauf geschlossen, wodurch zu unserem Bedauern eine Bearbeitung Anfang des Jahres verhindert wurde.“ Daher liege auch noch keine Jahresabrechnung für 2025 vor.
Mit dem Kolbermoorer Kunden sei zwischenzeitlich ein Termin für den 11. Mai vereinbart worden. „Wir werden die Kundenanlage prüfen, um das technische Problem zu beheben“, so Christian Martens weiter, der von einem „Einzelfall“ spricht. Martens: „Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung.“
Nachzahlung als Spende
an Kirchengemeinde
Vom Termin am 11. Mai weiß der Kolbermoorer nach eigenen Angaben zwar noch nichts. Dafür sei ihm aber kurz nach der OVB-Anfrage an die Bayernwerk AG eine Zahlung in Höhe von drei Abschlägen überwiesen worden. Mittlerweile hat er auch die Abrechnung für das Jahr 2025 erhalten. „Daraus ergibt sich zwar, dass ich circa 270 Euro zurückzahlen muss“, verrät der 70-Jährige. „Aber das ist natürlich in Ordnung. Bei Abschlägen muss man immer damit rechnen.“ Und ein Gutes hat das ganze Bayernwerk-Theater um die Stromeinspeisung und die ausständigen Abschlagszahlungen dann doch: „Die erhaltene Nachzahlung werde ich meiner Kirchengemeinde, der freien Christengemeinde Brothaus im Aicherpark, spenden.“