Kolbermoor – Es war ein Coup, der bei Franz Stettner junior und seinem Team fast schon eine kindliche Freude ausgelöst hatte: Ende November 2025 hatte der Juniorchef der Franz Stettner Beverage Group mit Sitz in Kolbermoor das Wikingerschiff Freya, bekannt aus dem Film „Wickie auf großer Fahrt“, als neues Wahrzeichen vom Chiemsee aufs Firmengelände in Kolbermoor geholt.
Wirtschaftlicher
Totalschaden
Doch jetzt die große Ernüchterung: „Freya ist in einem verheerenden Zustand“, sagt der neue Wikingerschiff-Besitzer, nachdem sein Team erstmals Hand an das Schiff gelegt hat. Laut Stettner gibt es nun drei Optionen für die Zukunft des Filmrequisits, die derzeit diskutiert werden. Eines kann der 34-Jährige aber versprechen: „Brennholz werden wir aus Freya nicht machen.“
Bereits vor einigen Jahren hatte Stettner ein Auge auf das Holzschiff geworfen, das nach seinem Einsatz am Filmset schließlich als Ausflugsboot auf dem Chiemsee gelandet war. Doch erst ein Unglück brachte den Freya-Deal für den Kolbermoorer Unternehmer so richtig in Fahrt. Denn im Herbst 2024 war die Freya auf dem Chiemsee gesunken. Die Schäden waren so massiv, dass der damalige Besitzer, Manfred Eckerl, Geschäftsführer der Schraml GmbH, über ein Ausschlachten des Wracks nachdachte. Weshalb Stettner schließlich Kontakt zu Eckerl aufnahm, der ihm den hölzernen Koloss schließlich kostenlos überließ.
„Etwas blauäugig an
die Sache rangegangen“
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde die 14 Tonnen schwere Freya Ende November per Schwertransport von Prien nach Kolbermoor transportiert. Ein Transport, für den Stettner nach eigenen Angaben einen mittleren fünfstelligen Betrag locker gemacht hatte. Seine weiteren Planungen sahen vor, dass die Freya ab Frühjahr 2026 von hauseigenen Mitarbeitern restauriert wird, sodass sie nicht nur als Blickfang, sondern auch als Räumlichkeit für Tastings oder kleinere Feiern genutzt werden kann. Die Einweihung hatte der Juniorchef der Brennerei für Pfingsten anvisiert.
Doch daraus wird nichts. Als sich das Stettner-Team Ende März erstmals an das Schiffswrack wagte und das Holz von Schlamm und Muscheln befreite, zeigte sich, in welchem Zustand sich das Filmrequisit tatsächlich befindet. „Im Grunde haben die Muscheln das Unterschiff zusammengehalten“, sagt Stettner, der nun eine Freya auf dem Gelände hat, die eher wie ein Schweizer Käse, als wie ein norwegisches Wikingerschiff anmutet. „Sie sieht wirklich verheerend aus“, beschreibt der 34-Jährige den Ist-Zustand. „Eigentlich ein wirtschaftlicher Totalschaden.“
Ein Totalschaden, vor dem ihn der frühere Freya-Besitzer allerdings mehrmals gewarnt hatte, wie Stettner sagt. „Er hat immer wieder betont, was mich da erwarten könnte“, stellt Stettner klar, der zugibt: „Ich bin da etwas blauäugig an die Sache rangegangen.“ Und dennoch zeigt sich der Unternehmer nach dem ersten Schadensschock schon wieder kämpferisch. „Unsere bisherigen Pläne mit der Bar haben sich leider erledigt, weil das zu gefährlich ist“, weiß Stettner, der aber klarstellt: „Verschrottet wird Freya auf keinen Fall.“
Fest steht aber auch, dass sich das Erscheinungsbild des Filmrequisits deutlich verändern wird. Derzeit stünden für Freyas Zukunft drei Optionen im Raum, wie Stettner gegenüber dem OVB verrät: „Option eins ist, dass wir sie einfach so stehen lassen und herzeigen, wie sie jetzt aktuell ist“, sagt der Kolbermoorer, der diese Option aber nahezu ausschließt: „Damit ist vermutlich keinem geholfen, stattdessen geht sie uns dann auf dem Firmengelände im Weg um.“
So scheint es auf Option zwei oder drei hinauszulaufen: „Eine weitere Option ist, den Bug und das Heck abzutrennen und die Teile dann schön zu beleuchten und ansprechend zu präsentieren“, erklärt Stettner, der der Freya auch bei Option drei brachial zu Leibe rücken würde: „Die dritte Option ist, das Schiff horizontal zu halbieren, sodass zumindest die Silhouette der Freya erhalten bleibt“, so Stettner. „Dahinter könnte man dann vielleicht eine Bar bauen.“
Eine endgültige Entscheidung über Freyas Zukunft will der Kolbermoorer Unternehmer in den kommenden zwei, drei Wochen treffen. Bis dann an der Freya weitergearbeitet wird, könnte es durchaus sein, dass das Schiffswrack mit großen Planen abgedeckt wird. Nicht, weil Stettner Angst hat, dass noch mehr kaputtgehen könnte, sondern: „Das Schiff sieht aktuell so schlimm aus, dass ich das den Besuchern und Wicki-Fans eigentlich nicht zumuten möchte.“