Kolbermoor – „Alles neu macht der Mai“ – der Titel dieses Volkslieds scheint für die aktuellen Entwicklungen im Kolbermoorer Rathaus formuliert worden zu sein. So hat nach 24 Jahren der bisherige Rathauschef Peter Kloo (SPD) das Bürgermeisterbüro zum 30. April geräumt und sich in den Ruhestand verabschiedet. Seit 1. Mai residiert dort Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor), nachdem er am 22. März bei der Stichwahl ums Bürgermeisteramt zum neuen Stadtoberhaupt gewählt worden war. Und auch der Stadtrat, der am Mittwoch, 13. Mai, zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, wird sich deutlich verändern. So stehen 16 bekannte Gesichter acht neuen Stadtratsmitgliedern gegenüber. Was sich hingegen nur minimal verändert: der Frauenanteil im Gremium, der sich künftig von derzeit knapp 21 Prozent auf dann 25 Prozent erhöhen wird.
Bei den Grünen sind die Frauen in der Mehrheit
So hat die Fraktion der Parteifreien, die mit sechs Vertretern neben der CSU die stärkste Fraktion stellen wird, mit der erstmals gewählten Gabi Elsperger nur eine Stadträtin in den eigenen Reihen. Komplettiert wird die Fraktion der Parteifreien von den wiedergewählten Stadträten Dieter Kannengießer, Stefan Reischl, Max Schlarb, Kerim Bacak und Fritz Hartinger.
Wobei Kannengießer, aktuell Zweiter Bürgermeister, mit 4.454 Stimmen die meisten Stimmen aller Kandidaten verbuchen konnte. Ein Vertrauensbeweis, der nach Einschätzung des 68-Jährigen aber auch mit einer hohen Verantwortung einhergeht. „Ich sehe meine Aufgabe nun darin, genau das zu machen, was ich auch im Vorfeld der Wahl gesagt habe“, so Kannengießer, der für die kommenden Jahre zudem als Ansprechpartner für die Neuen im Gremium zur Verfügung stehen will. „Ich sehe mich auch als Wegbereiter für die jungen Leute und hoffe, dass das in Anspruch genommen wird.“ Gegenüber dem OVB kündigte der 68-Jährige außerdem an: „Das wird meine letzte Wahlperiode.“
Auch die CSU-Fraktion, die ebenfalls mit sechs Vertretern einzieht, hat nur eine einzige Frau in ihren Reihen. Sabine Balletshofer-Wimmer, aktuell Dritte Bürgermeisterin, hat den Wiedereinzug in den Stadtrat geschafft, und zugleich mit 3.968 Stimmen die meisten Stimmen aller weiblichen Bewerber geholt. „Das ist für mich schon eine schöne Bestätigung meiner Leistung und der Arbeit, die ich in den vergangenen zwölf Jahren als Stadträtin gemacht habe“, sagt Balletshofer-Wimmer.
Dennoch sieht sie das Gesamtergebnis mit gemischten Gefühlen. „Ich hätte mir schon ein paar mehr Frauen im Gremium gewünscht“, sagt die 61-Jährige, die für den Männerüberschuss in erster Linie die Wähler verantwortlich macht. „Es scheint einfach so zu sein, dass auch viele Frauen eher Männer wählen“, glaubt die CSU-Vertreterin, die hofft, dass künftig in der Gesellschaft ein Umdenken stattfindet. Denn so seien es in erster Linie Frauen, die sich im Vorfeld überlegen, wie sie das politische Engagement mit ihrem Alltag in Einklang bringen können. Hier würde sie sich mehr Gleichberechtigung wünschen.
Für die kommenden sechs Jahre wird sie aber als weibliche Einzelkämpferin innerhalb ihrer Fraktion Politik machen. Denn mit den bisherigen Stadträten Leonhard Sedlbauer, Gerhard Duschl, Markus Schiffmann und Sebastian Daxeder sowie dem frisch ins Gremium gewählten CSU-Ortsvorsitzenden Fabian Artmann komplettiert eine Männerriege die Fraktion der Christsozialen.
Auch bei der SPD und der AfD findet sich jeweils nur eine Frau in den Reihen der Stadträte, wobei beide Fraktionen aber jeweils nur vier Sitze haben und damit unter dem Strich ein etwas ausgeglicheneres Männer-Frauen-Verhältnis erzielen. Die Sozialdemokraten büßten im Vergleich zur vergangenen Amtsperiode zwei Sitze ein und kommen mit den wiedergewählten Stadtratsmitgliedern Dr. Berthold Suldinger, Dagmar Levin-Felztz und Florian Spannagl sowie dem Neuling Christian Morgenroth nur noch auf vier Sitze. Die AfD hingegen konnte ihre Anzahl an Sitzen verdoppeln. Neben den bisherigen Stadträten Christian Demmel und Herbert Schmid ziehen als zusätzliche AfD-Vertreter Peter Egner und Sandra Hocheder ins Gremium ein.
Bei der Fraktion der Grünen, die einen Sitz verloren hat, sind die Frauen dagegen in der Überzahl: So zieht neben der bisherigen Stadträtin Caroline Schwägerl auch Anna-Lena Rosner ins Gremium ein. Für Rosner, die bereits 2014 erstmals in den Stadtrat gewählt worden war, in der letzten Periode dem Gremium aber nicht angehörte, ein Comeback. Neu im Rat ist Korbinian Schwägerl. Ebenso wie Johanna Bössl, die für eine Premiere in Kolbermoor sorgt: Denn Bössl ist die erste Vertreterin der Partei „Die Linke“, die im Kolbermoorer Stadtrat vertreten sein wird. Im Vergleich zum Männer-Frauen-Verhältnis in Deutschland, wo die Frauen sogar etwas in der Überzahl sind, ist das weibliche Geschlecht im Kolbermoorer Stadtrat aber klar unterrepräsentiert.
Und wie sieht es beim Altersdurchschnitt aus, der in Deutschland bei knapp 45 Jahren liegt? Auch da setzen die Kolbermoorer Wähler scheinbar weniger auf eine repräsentative Mischung, sondern eher auf Lebenserfahrung: Denn im künftigen Kolbermoorer Stadtrat liegt der Altersdurchschnitt mit knapp 55 Jahren deutlich drüber. Wobei allerdings zu beachten ist, dass im Altersdurchschnitt der Bundesrepublik auch Minderjährige berücksichtigt sind, die aber weder wahlberechtigt noch selbst wählbar sind.
Fakt ist, dass die SPD mit einem Altersdurchschnitt von 63 Jahren die älteste Fraktion im Stadtrat stellen wird. Was nicht zuletzt an Dr. Berthold Suldinger liegt, der mit seinen 80 Jahren ältestes Mitglied des Gremiums sein wird. „Das Alter sagt zunächst nichts aus“, findet der 80-Jährige. „Wenn man leistungsfähig ist, dann ist es egal, ob man 50 oder 80 Jahre alt ist.“ Zumal ja auch die Gesellschaft immer älter werde. Und dennoch würde sich Suldinger „noch mehr frischen Wind“ durch mehr jüngere Stadtratsmitglieder wünschen.
Zu diesen zählt beispielsweise Fabian Artmann von der CSU, der mit seinen 27 Jahren jüngstes Mitglied des Stadtrats sein wird und den Altersdurchschnitt seiner CSU-Fraktion zumindest auf 53,5 Jahre drückt. „Ich glaube, dass der frische Wind durch neue und jüngere Stadtratsmitglieder gut tut“, sagt Artmann, der es wünschenswert findet, dass ein derartiges Gremium „so heterogen wie möglich“ besetzt ist. Wobei er zugibt, dass die CSU zumindest in puncto Weiblichkeit noch Nachholbedarf hat: „Da wollen wir in den kommenden Jahren auch unbedingt ein Auge darauf werfen.“
Seit 48 Jahren Mitglied des Kolbermoorer Stadtrats
In puncto hohem Altersdurchschnitt folgt indes die AfD-Fraktion mit 58,5 Jahren der SPD-Fraktion nach, dicht gefolgt von den Parteifreien Kolbermoor, die es auf einen Durchschnitt von gut 57 Jahren bringen. Im Vergleich dazu kommen die Grünen-Vertreter mit einem Altersdurchschnitt von rund 42,6 Jahren schon fast jugendlich daher. Ebenso natürlich Linken-Vertreterin Johanna Bössl, die mit ihren 34 Jahren durchaus als Enkelin mehrerer Stadtratsmitglieder durchgehen würde.
So war die Linken-Vertreterin noch lange nicht geboren, als Gerhard Duschl erstmals in den Kolbermoorer Stadtrat gewählt worden ist. 1978 zog der heute 79-Jährige erstmals ins Gremium ein, geht damit nun ins 49. Jahr. Vier Bürgermeister hat Duschl in dieser Zeit erlebt, Rothmayer wird nun der Fünfte sein. „Ich habe mich natürlich gefreut, dass ich erneut gewählt worden bin“, sagt der dienstälteste Stadtrat, der in seine achte Wahlperiode geht. Berührungsängste mit jüngeren Gremiumskollegen hat er nicht: „Gerade das macht es doch auch aus, dass verschiedene Dinge von verschiedenen Generationen und dadurch aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und bewertet werden.“