Ein schlichtes „Pfiats eich“ zum Schluss

von Redaktion

Nach 24 Jahren im Amt wurde Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo in seiner letzten Stadtratssitzung mit lang anhaltendem Applaus verabschiedet. Die Fraktionsvorsitzenden würdigten seine Verdienste um die Entwicklung der Stadt.

Kolbermoor – Bei offiziellen Verabschiedungen sind schöne Worte wohlfeil, weshalb man wohl nicht alle auf die Goldwaage legen sollte. Als jetzt aber Peter Kloo seine letzte Stadtratssitzung leitete und damit das Amt des Bürgermeisters offiziell aufgab, war es anders: Man hatte das sichere Gefühl, dass die Worte, die die einzelnen Fraktionsvorsitzenden für ihren scheidenden Bürgermeister fanden, ehrlich gemeint waren und von Herzen kamen.

Vom Glasscherbenviertel zum Anziehungsmagneten

Das, was alle ohne Ausnahme hervorhoben, ist in der Tat auch nicht zu übersehen: Dass sich Kolbermoor in den 24 Jahren, in denen Peter Kloo der Stadt vorstand, grundlegend verändert hat. Von einer eher verrufenen Gemeinde, die manchen in der Umgegend sogar als großflächiges Glasscherbenviertel erschien, hin zu einem Anziehungsmagneten in der Region – so beschrieb die Entwicklung etwa Dieter Kannengießer (Parteifreie).

Und immer wieder wurden auch von den anderen Stadtratsmitgliedern auf Einzelpunkte des Erreichten abgehoben, das Spinnereigelände etwa, die Sanierung des Bahnhofsgebäudes mit der Neugestaltung seines Vorplatzes, der Bau der Pauline-Thoma-Mittelschule, der Bau der Tonwerksunterführung, die Gestaltung des gesamten Rathausareales und jüngst der Anbau an die Musikschule, der jetzt auch den Platz vor dem Alten Rathaus zu einem beeindruckenden Architekturensemble macht.

Dagmar Levin (SPD) betonte, dass an dieser Kolbermoorer Erfolgsgeschichte natürlich auch die wechselnden Stadträte wie auch die Verwaltung wesentlichen Anteil hatten. Dass aber deren Engagement deshalb richtig fruchtbar werden konnte, weil an ihrer Spitze in Peter Kloo einer stand, der nicht nur Visionen hatte, sondern auch den Mut, diese tatsächlich anzupacken, und die Hartnäckigkeit, Begonnenes auch zu vollenden. Die Entwicklung des Spinnereigeländes von der Industriebrache zu einem durch und durch lebendigen Quartier sei hierfür nur ein Beispiel unter vielen.

Und auch Dagmar Levin hatte einschlägige Erinnerungen an das alte, das verrufene Kolbermoor: Ihr, die in Rosenheim aufgewachsen war, sei es von ihren Eltern streng verboten worden, mit dem Rad ins „unsichere“ Kolbermoor zu fahren, um dort Freundinnen zu besuchen.

Andrea Rosner (Grüne) setzte dieser Erinnerung an früher das heutige Lebensgefühl in Kolbermoor entgegen, das von einer durch und durch offenen Stadtgesellschaft geprägt werde. Und sah diese Offenheit in idealer Weise im Rathausbau widergespiegelt. Dieser sei mit der Volkshochschule und der Stadtbücherei, dem vielen Grün im kleinen Park, seinem Vorplatz mit dem Gegenüber des Restaurants geradezu ein Sinnbild für eine gelungene, weil belebte Stadtmitte, ein Treffpunkt für Jung wie Alt.

Christian Demmel (AfD) betonte, dass das heutige Kolbermoor eigentlich als das gelungene Lebenswerk von Peter Kloo zu sehen sei, nicht zuletzt, weil der heutige Zustand bei aller geleisteten Entwicklungsarbeit einhergehe mit einem soliden Haushalt.

Und Leonhard Sedlbauer (CSU) schließlich machte durch seinen Redebeitrag deutlich, wie lang die Amtszeit von Peter Kloo mit ihren 24 Jahren eigentlich war: Er erinnerte sich an seine Kinderzeit, als er mit dem Kindergarten einen Ausflug ins Rathaus machen und den Bürgermeister besuchen durfte – und der hieß schon damals Peter Kloo.

Peter Kloo selbst betonte in seiner Abschlussansprache eines, was ihm offenbar besonders wichtig war: Dass Dank vor allem der Verwaltung und dem Stadtrat gebühre, der ja der eigentliche Souverän der Stadt sei. Im Stadtrat habe man auch bei harten Diskussionen am Ende immer zu einer Entscheidung auf Sachebene gefunden, habe damit also wirklich das Wohl der Bürger im Auge gehabt. Und genau diese Zusammenarbeit mit den Frauen und Männern in Verwaltung und Stadtrat, die Möglichkeit, zusammen mit ihrer Kompetenz und ihrem Engagement gestaltend tätig zu werden – das sei das, was er wohl am meisten vermissen werde.

Die letzten Bürgermeisterworte von Peter Kloo waren dann schlicht: „Pfiats eich, und Dankschön“. Der Stadtrat erwiderte sie mit lang anhaltendem, stehendem Applaus.

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