Kolbermoor – Wer durch die Stadt spaziert, dem könnten sie schon aufgefallen sein: kunstvoll geschmiedete Abfallkörbe. Mal zieren Frösche den Korb in einem Teich, mal ranken sich Blumen und Insekten über das Metall im Park. Die besonderen Mülleimer der beiden Schmiede Michael Ertlmeier und Johann Reif sind mittlerweile Teil des Stadtbilds geworden. Auch einige Jugendliche haben bei Projektwochen bereits mitangepackt und ihre kreativen Ideen in Metall umgesetzt. Für den 17-jährigen Ognjen Osecanski aus Rosenheim sind sie eine Inspiration für seine kreative Bastelarbeit.
Denn Ognjen Osecanski baut die geschmiedeten Kunstwerke nach. Nicht aus Metall, sondern aus Papier. Mit Schere, Tesafilm, schwarzem Stift und einem einzigen Blatt Papier entstehen an seinem Schreibtisch detailgetreue Miniaturen der Kolbermoorer Abfallkörbe. „Ich fand sie sehr schön, mit der Deko, der Machart. Da bin ich auf die Idee gekommen, sie nachzumachen“, erzählt der Jugendliche.
Leidenschaft für
alles rund um Müll
Dass ihn ausgerechnet Mülleimer faszinieren, ist für Ognjen ganz selbstverständlich. Schon als Kleinkind begeisterte er sich für Mülltonnen, Mülltrennung und die dazugehörigen Fahrzeuge. Seine Mutter Gordana verfolgt diese besondere Leidenschaft seit Jahren. „Ognjen beschäftigt sich schon seit 15 Jahren mit Mülltonnen und Müllfahrzeugen“, erzählt sie. „Er hat früher auch die Altpapier- und Kunststoffcontainer nachgebaut“, erinnert sie sich. Auch die Fahrzeuge der Müllabfuhr habe er als Kind aus buntem Papier gebastelt – mit leeren Tesafilmrollen als Räder, erzählt die Mutter.
Ein Blick in Ognjens Zimmer bestätigt seine Leidenschaft. Dort stehen auf zwei Regalen Dutzende kleine Mülltonnen aus Plastik. Blaue, grüne, schwarze und rote Behälter reihen sich neben gelbe Tonnen. Alle haben ihren festen Platz.
Die geschmiedeten Abfalleimer aus Kolbermoor kannte Ognjen schon lange. 2022 bekam er sogar die Gelegenheit, ihre Schöpfer persönlich kennenzulernen. Die Idee, die kunstvollen Körbe selbst nachzubauen, hatte er allerdings bereits zuvor. Seit 2021 fotografiert er die Originale vor Ort und setzt sie zu Hause Stück für Stück aus Papier um. Ob an der Musikschule, bei der Volkshochschule, einer Apotheke oder am Bahnhof – viele der markanten Kolbermoorer Mülleimer haben inzwischen ihr Pendant im Miniaturformat. Mit seinen Nachbauten hat er es vor drei Jahren auch schon in die Fachzeitschrift für Metallgestaltung Hephaistos geschafft.
Bemerkenswert ist dabei Ognjens Arbeitsweise. Ein Lineal oder andere Hilfsmittel benötigt der 17-Jährige nicht. Statt Maße zu nehmen oder Vorlagen anzufertigen, verlässt er sich fast ausschließlich auf sein Augenmaß. Die Proportionen der Originale überträgt er aus dem Gedächtnis und anhand seiner Fotos auf das Papier. Die Mülleimer sind so exakt nachgebaut, dass man sogar die Körbe im Inneren herausnehmen kann. Manche Modelle verfügen sogar über winzige schwarze Müllsäcke. Rund zehn bis 15 Minuten benötigt Ognjen für einen Nachbau.
Ein zweites Leben
im Miniaturformat
Etwa 40 Modelle hat er inzwischen gefertigt – und noch immer sind nicht alle Abfalleimer der Stadt nachgebaut. Warum er sich diese Mühe macht? Die Antwort ist für den Jugendlichen, der in die Berufsschule Traunreut geht, nicht schwierig: „Ich hatte einfach Lust, das zu machen“, sagt Ognjen und ergänzt: „Ich finde die Abfalleimer sehr interessant.“
Während wahrscheinlich viele Menschen achtlos an den geschmiedeten Abfallkörben vorbeigehen, sieht der Jugendliche in ihnen kleine Kunstwerke. Mit Papier, etwas Geduld und viel Leidenschaft verleiht er ihnen ein zweites Leben im Miniaturformat.