Der Rückzug von Bauprojektentwickler Max von Bredow aus dem Siedlungsprojekt in Kolbermoor – er dürfte viele Menschen überrascht haben. Während von Bredow selbst vor allem persönliche Attacken der Siedlungsgegner als Grund anführt, fällt die Schlussfolgerung seitens der Bürgerinitiative N.O.T. Kolbermoor, die die Bebauung mit aller Macht verhindern will, erwartungsgemäß anders aus: Von Bredow habe erkannt, dass das Siedlungsprojekt nicht wirtschaftlich sei.
Eine Meinung, die die BI-Vertreter exklusiv haben dürften. Schließlich klingt es doch recht unwahrscheinlich, dass ein Bauprojektentwickler, der durchaus große Erfolge vorweisen kann, erst nach rund zwei Jahren Planungszeit und einem für ihn positiv ausgegangenen Bürgerentscheid seinen Taschenrechner zückt. Und dann feststellt, dass sich das Projekt, in das er bereits einen sechsstelligen Betrag investiert hat, finanziell nicht lohnt.
Auch wenn es die BI nicht hören will: Wahrscheinlicher ist, dass es durchaus Attacken, immer wieder auch unter der Gürtellinie, waren, die bei von Bredow irgendwann zur Frage geführt haben, ob er sich dieser Anfeindungen wirklich aussetzen muss. Fakt ist: Weder der Ausgang des Bürgerentscheids, noch das Ausscheiden von Bürgermeister Peter Kloo, der statt zu deeskalieren selbst immer wieder Öl ins Feuer gegossen hatte, konnte das Verhalten der N.O.T.-Verantwortlichen in erträgliche Bahnen zurückführen.
Im Gegenteil: Man konnte das Gefühl bekommen, dass Teile der BI sich in den vergangenen Monaten noch weiter von den Grenzen des Erträglichen entfernt haben. Angefangen bei einem Instagram-Video zu den möglichen Erschließungskosten, in dem seitens der BI noch völlig offene Details als Tatsachen hingestellt worden sind, bis zu unterschwelligen Manipulationsvorwürfen nach dem Bürgerentscheid. Oder wie ist es anders zu verstehen, wenn die BI die Stadt dazu auffordert, die Namen der Stadtmitarbeiter zu nennen, die Zugang zu Wahlurnen oder dem Briefkasten der Stadt haben?
Umso fataler ist das Signal, das der Rückzug von Bauprojektentwickler Max von Bredow jetzt sendet. Denn was dieser Schritt letztlich vermittelt: Auch wer die sachliche und seriöse Diskussion nahezu völlig verlässt, kann, wenn er hartnäckig bleibt, als Gegner eines Projekts zumindest Teilerfolge erzielen. Wie eben jetzt den Rückzug eines Bauprojektentwicklers.
Umso wichtiger ist es, dass gegen derartige Strömungen mit legalen, aber harten Mitteln vorgegangen wird. Wie es nun Kolbermoors neuer Bürgermeister Thomas Rothmayer in Form einer Unterlassungserklärung macht. Ein Weg, der keineswegs, wie behauptet, der BI einen „Maulkorb“ aufzwingen soll. Denn Fragen nach möglichen Schäden für die Natur oder einer sinnvollen Verkehrserschließung des Areals sind nicht nur erlaubt, sondern unbedingt notwendig. Was hingegen verhindert werden muss? Dass die Verbreitung von Unwahrheiten und Unterstellungen unter dem Deckmantel der „Meinungsfreiheit“ salonfähig wird.