Kolbermoor – Am 3. Juni ließ er die Bombe platzen: Trotz eines aus Sicht der Siedlungsbefürworter positiven Ausgangs des Bürgerentscheids am 19. April und der Beteuerungen der Stadt Kolbermoor, die Planungen für das Quartierszentrum Nordost weiter vorantreiben zu wollen, steigt Max von Bredow aus dem Projekt aus. Im Interview mit dem OVB konkretisiert der Bauprojektentwickler die Gründe des Ausstiegs der Max von Bredow Baukultur GmbH und verrät, ob es für ihn eine Hintertür geben könnte.
Rund zwei Jahre haben Sie gemeinsam mit der Stadt am Projekt „Quartierszentrum Nord-Ost“ gearbeitet, jetzt ziehen Sie sich zurück. Was war ausschlaggebend für die Entscheidung?
Der Widerstand der Projektgegner ist sehr persönlich geworden, sei es beispielsweise durch eine Beschwerde gegen mich wegen angeblicher Datenschutzverstöße oder auch anhand von Posts in den sozialen Medien. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich mich da verhalten soll. Und bin letztlich zum Entschluss gekommen, dass es das Beste ist, dass ich mich da zurückziehe. Auch im Team haben wir diese Entscheidung natürlich besprochen, uns dafür viel Zeit genommen. Und uns selbstverständlich gut mit der Stadt abgestimmt. Schließlich wollen wir keine verbrannte Erde hinterlassen.
Hat Sie der Widerstand auch persönlich getroffen?
Natürlich trifft mich das – und es verletzt mich auch. Denn es ist für mich wirklich ein Projekt, mit dem ich Kolbermoor für die Menschen auch ein bisschen besser machen wollte. Der Slogan unseres Unternehmens ist nicht umsonst „Besser bauen, besser leben“. Daher tut mir das schon weh. Es ist für mich das Projekt mit dem größten Potenzial für die Zukunft.
Haben Sie eine besondere Strategie, wie Sie mit derartigen Anfeindungen umgehen?
Meine Frau (Dressur-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl/Anm. d. Red.) und ich bilden da ein sehr gutes Team. Auch sie bekommt von einzelnen Personen richtige Hassbotschaften in den sozialen Medien ab. Wir sprechen da gemeinsam drüber und helfen uns gegenseitig.
Gab es Ihrerseits Überlegungen, mit rechtlichen Mitteln gegen mögliche unwahre Behauptungen und so weiter vorzugehen?
Nein. Ich halte es da mit dem bekannten Gelassenheitsgebot: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Und die Versuche, mit den Siedlungsgegnern ins Gespräch zu kommen, waren aus Ihrer Sicht ausgeschöpft?
Ich setze mich mit jedem an den Tisch, um darüber zu diskutieren. Es konnte auch jeder zu mir ins Büro kommen. Mit der N.O.T. Kolbermoor und mit einigen Nachbarn gab es persönliche Treffen. Aber bei der N.O.T. Kolbermoor musste ich feststellen: Das bringt nichts, die wollen ja, dass auf dieser Wiese gar nichts gebaut wird. Die verschanzen sich – und lassen nicht mit sich reden. Insofern kann ich sie auch nicht überzeugen.
Hatten Sie denn das Gefühl, dass – abseits der BI – der Rückhalt durch die Bevölkerung für das Projekt da ist?
Da hätte ich mir seitens der Bürger schon ein bisschen mehr gewünscht.
Sie geben als Grund für Ihren Rückzug unter anderem Angriffe auf persönlicher Ebene an. Ist Ihr Rückzug aber dadurch nicht ein fatales Signal für die Gesellschaft?
Nein, das sehe ich nicht so. Ich finde, dass Nachgeben eine Weisheit ist, die in unserer Zeit leider verloren gegangen ist. Es gibt so viele Konflikte auf dieser Welt – und keiner gibt nach. Das habe ich jetzt getan. Wer nachgibt, beendet Konflikte. Und ich hoffe und wünsche mir, dass dadurch eine neue Chance entsteht. Denn auch Peter Kloo, der ebenso im Fokus stand, ist nicht mehr im Amt. Wenn die Siedlungsgegner sich jetzt nicht an den Tisch setzen und mit den neuen Protagonisten reden, wäre das schon ein sehr krasses Zeichen.
Für Sie bedeutet der Ausstieg vermutlich auch einen finanziellen Verlust. Von welchem Betrag sprechen wir da?
Das geht schon in den sechsstelligen Bereich. Aber das ist eben auch das Risiko, das wir bei derartigen Projekten tragen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die „Max von Bredow Baukultur GmbH“ so ein Vorhaben nicht zu Ende bringt. Auch das gehört dazu. Und wir haben ja einige aktuelle Projekte und viele Anfragen, um die ich mich nun noch intensiver kümmern kann.
Können Sie sich dennoch vorstellen, andere Projekte in Kolbermoor anzugehen?
Wir sind ja aktuell in Kolbermoor auf dem Spinnerei-Gelände noch mit laufenden Projekten am Start. Ob sich dazu irgendwann und irgendwo in Kolbermoor noch etwas ergibt, wird man sehen. Ich wünsche der Stadt Kolbermoor jedenfalls, dass sie das Siedlungsprojekt mit vollem Elan durchzieht. Denn ich bin überzeugt davon, dass es für die Stadt eine riesige Chance ist.
Die Stadt wird im Falle einer erfolgreichen Planung der Siedlung ja dennoch einen Investor benötigen, der Anteile an frei verkäuflichen Wohneinheiten sowie die mit der Stadt vereinbarten 60 Prozent der Erschließungskosten finanziert. Könnte es da eine Rückkehr Ihres Unternehmens geben?
Das schließe ich aus. Wir konzentrieren uns jetzt auf andere Chancen, mit denen wir uns beschäftigen wollen.
Mathias Weinzierl