Schechen/Kolbermoor – Noch riecht alles nach frischer Farbe und neu zusammengeschraubten Möbeln. Die Werkstatt ist in Pastellgrün gestrichen, passend zu dem Maskottchen, dem Frosch Kero. Nur der Brennofen fehlt noch. Die ersten Kurse zum Keramikbemalen und Töpfern finden hier trotzdem schon statt: Die Keramikwerkstatt „KeramiiKero“, geführt von Anna-Maria Speckbacher (25) und ihrem Freund Patrick Heigl (25), ist umgezogen – aus der ehemaligen Fischzucht in Kolbermoor nach Schechen in den „Kogel“.
Ein eng geplanter Umzug,
der sich gelohnt hat
Dabei gibt es „KeramiiKero“ erst seit knapp sieben Monaten. So lange hat es gedauert, bis die alten Räume zu klein wurden. „In der alten Werkstatt hatten wir nur einen großen Raum“, erklärt Patrick Heigl. Die Nachfrage sei so groß gewesen, dass schnell der Wunsch nach mehr Platz aufkam.
Der Umzug war eng getaktet. Drei Wochen hat sich Speckbacher Urlaub von ihrer Arbeit beim Landratsamt genommen, um sich voll auf den Umzug konzentrieren zu können. Zum Glück gab es aber fleißig Hilfe von Freunden und Familie. Was jetzt aus der alten Fischzucht wird, ist noch unklar.
Die neuen Räumlichkeiten bieten viel mehr Platz: Neben dem großen Hauptraum mit Tischen zum Keramikbemalen gibt es noch einen Raum mit zwei Drehscheiben zum Töpfern und einen Eventraum. Da die Räume mit Türen voneinander getrennt sind, können in Zukunft auch mehrere Kurse gleichzeitig stattfinden. Der kleine Künstlershop, in dem lokale Künstler ihre Stücke ausstellen und verkaufen können, hat ebenfalls ein neues Zuhause gefunden. Zwar liegt die Werkstatt nun etwas abgelegen in der Nähe des Waldsees, doch das nehmen die beiden Betreiber gern in Kauf: Immerhin sollen die Menschen abschalten und entspannen können.
Am häufigsten wird die Werkstatt von jungen Frauen besucht, aber auch für Dates wird das Keramikbemalen gern genutzt. „Meistens werden die Männer von ihren Freundinnen mitgebracht“, sagt Speckbacher und lacht, „aber ein Mann hat mir einmal versprochen, einen Jungsabend mit seinen Freunden bei uns zu veranstalten.“
Auch Familien kommen oft mit ihren Kindern. Ein Mindestalter gäbe es vonseiten der Werkstatt nicht. Die Eltern könnten selbst entscheiden, wie viel sie ihren Kindern zutrauen. „Wir hatten auch schon Dreijährige, die meistens die kleinen Tonfiguren bemalen, denn eigentlich kann man nichts ruinieren“, erklärt Speckbacher. Oft seien es die Eltern, die die Kunstwerke ihrer Kinder zu „retten“ versuchen. Speckbacher sieht das als Übung gegen den Druck, immer alles perfekt zu machen – eine Art „Anti-Perfektionismus-Training“ für die Eltern.
Das Abschalten und in Ruhe kreativ werden mache das Keramikbemalen zurzeit auch so beliebt: „Die Menschen sind übersättigt von billiger Plastikware“, sagt Patrick Heigl, „einen solchen Gegenstand selbst herzustellen, ist einfach ein ganz anderes Gefühl.“ Bei drei Stunden, die für das Bemalen angedacht sind, bleibt auf jeden Fall genug Zeit dafür. Wer aber in der Zeit nicht fertig wird, darf – solange genügend Platz ist – auch länger malen. „Eine Frau war einmal sieben Stunden bei uns“, erzählt Speckbacher.
Das ganze Studio hat Anna-Maria Speckbacher selbst von ihrem Ersparten finanziert. Der Gewinn aus der Werkstatt wird immer sofort reinvestiert. Das gehe nun einmal damit einher, wenn man noch so jung ist und die Familie keine finanzielle Unterstützung bieten kann, wie Speckbacher weiter erklärt. Auch wenn sie sich eher bescheiden gibt, gesteht sie ein: „Früher habe ich davon geträumt, so etwas zu machen“, so die 25-Jährige, „mein Kind-Ich wäre stolz auf mich.“
Die Arbeit in der Werkstatt teilt sie sich mit ihrem Freund Patrick Heigl: Während sie Kurse gibt, und sich um neue Bestellungen und den Instagram-Account kümmert, ist Patrick Heigl für das Brennen der fertigen Kunstwerke und die Website der Werkstatt zuständig. Dazu kommen ein paar Mitarbeiter – oft ehemalige Stammkunden –, die beim Kursbetrieb aushelfen.
Ob sie gerade selbst noch zum Töpfern und Bemalen komme? Zurzeit leider kaum. „Ich habe keine Freizeit mehr“, erzählt sie, da sie unter der Woche entweder beim Landratsamt arbeite oder in ihre Werkstatt fahre. Hinzu kommt noch, dass die 25-Jährige Diabetikerin ist und ihre Krankheit immer in ihrem Alltag mitbedenken muss. Ein Abend in der Woche bliebe ihr noch, um sich mit Freunden zu verabreden. „Oder sie kommen zum Töpfern zu mir in die Werkstatt“, fügt sie dann noch lachend hinzu. Für Speckbacher fühle sich die Werkstatt aber kaum nach Arbeit an.
„Mein Kind-Ich
wäre stolz auf mich“
Auch wenn es bisher kaum Probleme gab, hat Speckbacher schon die ein oder andere Anekdote parat: Bei einem der gern gebuchten Junggesellinnenabschiede kurz vor Weihnachten kamen die acht Frauen wohl bereits recht angetrunken an. Beim Bemalen stolperte dann eine der Frauen über den Weihnachtsbaum, der zur Dekoration aufgestellt war – und fiel mitten in ein Regal mit Rohlingen. Zwar sei nicht viel kaputtgegangen, dennoch sei Speckbacher etwas überfordert gewesen. „Am Ende bin ich dann schon auf den Kosten sitzen geblieben – ich hatte in dem Moment nur daran gedacht, dass es der Frau gut geht.“
Am Sonntag, 7. Juni, stand nun die offizielle Eröffnungsfeier der neuen Räume an. An dem Tag verwandelte sich der Kogel bei Schechen in einen Künstlermarkt mit Workshops und der Möglichkeit, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen.