Kolbermoor – Was vor Urzeiten der Rosenheimer See als reizvolles Relikt hinterlassen hat, ist alles andere als nur ein langweiliger Sumpf. Es ist das faszinierende Naturwunder „Moor“, das Lebensraum für Artenvielfalt bietet und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Dem besonderen Stoff und Material von Mutter Natur widmete sich das Moorversuchsgut Karolinenfeld und gewährte im Rahmen eines „Tags des offenen Hofes“ Einblicke in die spannende und faszinierende Versuchsstation der Bayerischen Staatsgüter.
Leiter zieht
positives Fazit
Als rundum gelungen und erfolgreich werteten der Leiter des Staatsguts Freising, Dr. Ewald Sticksel, und der Projektverantwortliche der Versuchsstation Karolinenfeld, Sebastian Lechler, die initiierte Aktion in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband. Begünstigt durch sommerliche Bedingungen zog es zahlreiche Besucher, darunter Landwirte, Fachleute und kommunale Verantwortungsträger, an das Anwesen. Ziel war es, die Arbeit, die Versuchsflächen und die Ausstellung „Faszination Moor“ näher kennenzulernen und sich mittels fachlicher Gespräche Wissen zum Thema anzueignen.
Im Fokus des Moorversuchsguts Karolinenfeld steht gelebter Umweltschutz. „Wer aktiv Klimaschutz betreiben will, komme auch nicht am Moorschutz vorbei“, betonte Dr. Ewald Sticksel in einer schlüssigen und auch für Laien gut nachvollziehbaren Führung. Zur Entstehung des Moores drehte er das Rad der Geschichte 12.000 Jahre zurück, als der Rosenheimer See als Überbleibsel der letzten Eiszeit das heute schönste Fleckchen Erde des Inntals bedeckte, sich allmählich Sümpfe bildeten und sich an seichten Ufern feuchtigkeitsliebende Pflanzen ansiedelten.
Durch ständige Ablagerungen von nicht vollständig abgebauten Pflanzenresten bildeten sich Torfschichten in einer Größenordnung von „einem Millimeter“ pro Jahr und formten so Moorlandschaften mit mächtigen Torfkörpern, etwa in Karolinenfeld oder Nicklheim und Raubling. Zum Vergleich beträgt der Abbau etwa „ein Zentimeter“ pro Jahr.
Moore galten als unwirtschaftliche und schwer zugängliche Landschaften, und die Menschen begannen, sie für die landwirtschaftliche Nutzung oder den Siedlungsbau zu entwässern. Im 19. Jahrhundert diente Torf als Brennmaterial, etwa zur Befeuerung von Sudkesseln in Brauereien oder zur Verkochung von Sole in Rosenheim zur Gewinnung von Salz. Genutzt wurde er in der Landwirtschaft und im Garten. Nach derzeitigem Forschungsstand sind in Deutschland 95 Prozent der Moore mit Entwässerungsdrainagen durchzogen, und die durchlüfteten Moorböden setzen große Mengen Treibhausgase frei.
Moore sind wahre Klimaschützer und ein Refugium der Biodiversität, wie Dr. Sticksel erläuterte. Wichtig ist allerdings die Vernässung des Moores, die vor allem die Landwirtschaft vor Herausforderungen an Maschinen, spezielle Pflanzen und angepasste Bewirtschaftungsformen stellt.
Fläche von
160 Hektar
Die Versuchsstation Karolinenfeld entwickelt sich zu einem Modellstandort. Auf einer zur Verfügung stehenden Fläche von 160 Hektar forscht sie als Modellstandort nach Möglichkeiten zur moorschonenden Landwirtschaft und zur wirtschaftlichen Nutzung intakter Moore mit Blick auf den Klima- und Ressourcenschutz. Ihr Ziel ist es, das Moor zu schützen und etwa die Grundwasserstände einzustellen. Wertvolle Unterstützung bezüglich der Treibhausgasemissionen leisten ein „Eddy-Kovarianz-Turm“ sowie Haubenmessungen. Untersucht werden, bezogen auf geeignete Anpflanzungen, neue und besondere Grünlandmischungen, darunter Paludikulturen und deren Beerntung. Der Anbau von Seggengräsern und anderen Pflanzen kann der Energiegewinnung zugeführt werden.
Das Kernstück der Ausstellung bildet ein Pavillon mit interaktiven und anschaulich gehaltenen Stationen in einem umgebauten Kälberstall. Dieser ist bestens geeignet, der jüngeren Generation die Bedeutung und Notwendigkeit des Moores als kostbaren Schatz für die Region, ihre Landschaft und die Natur näherzubringen.