Kolbermoor – Die Sanierung der Werkssiedlung, der Bau der Pauline-Thoma-Schule oder die Gestaltung des Bahnhofareals: Bauamtsleiter Andreas Meixner (64) hat das Erscheinungsbild der Stadt Kolbermoor in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt. Doch nach 36 Jahren ist für den 64-Jährigen Schluss: Nachdem er bereits am Mittwoch, 24. Juni, im Rahmen der Stadtratssitzung verabschiedet worden war, wird Meixner in wenigen Tagen auch offiziell seinen Ruhestand antreten. „Ich habe immer gesagt: Wenn der Kloo Peter geht, dann gehe ich auch“, sagt Meixner im Hinblick auf den Abschied des langjährigen Bürgermeisters zum 30. April.
Kindergarten als erste
Baustelle in Kolbermoor
Begonnen hatte Meixners Karriere im städtischen Bauamt auch unter Peter Kloo – allerdings dem Senior, der von 1984 bis 1996 das Amt des Bürgermeisters innehatte. „Bauen hat mich schon immer sehr interessiert und angesprochen“, erinnert sich Meixner, der in Feldkirchen-Westerham lebt, an seine frühen Jahre zurück. Nach dem Besuch der Hauptschule, die er mit dem Quali beendet hatte, schloss Meixner zunächst 1980 eine Maurerlehre ab – und zwar als Innungsbester der Bauinnung Rosenheim. Eine Auszeichnung, die besonders seinen Vater – selbst als Maurerpolier beschäftigt – mit Stolz erfüllt hatte.
Doch mit dem Abschluss der Lehre wollte sich Meixner nicht zufriedengeben, auf der anderen Seite aber auch nicht warten, bis sich ihm die Türe zum Meisterbrief geöffnet hätte. Über diverse Schulen und das Studium in München, das er 1988 mit Diplom abgeschlossen hatte, war der heute 64-Jährige dann „den steinigen Weg zum Bauingenieur gegangen“.
Nach einer zweijährigen Anstellung als Produktionsleiter in einer Münchner Baufirma führte Meixners Weg schließlich in die kommunale Bauverwaltung, wobei zwei Kommunen zur Wahl standen: zum einen Ottobrunn im Landkreis München, zum anderen die Stadt Kolbermoor im Mangfalltal, für die sich Meixner schließlich entschieden hatte.
An seine Anfänge in der Kolbermoorer Bauverwaltung unter Peter Kloo senior kann sich der Feldkirchen-Westerhamer noch gut erinnern. „Das war damals eine andere Welt“, sagt der 64-Jährige. So habe es damals nur zwei Kindergärten in der Stadt gegeben. Heute hingegen werden die Kolbermoorer Kinder in rund einem Dutzend Einrichtungen betreut. Da verwundert es auch nicht, dass es sich bei der ersten Baustelle, die er als Mitarbeiter des Bauamtes zu betreuen hatte, um eine Kindertagesstätte handelte – und zwar um den Kindergarten an der Bodenseestraße.
Doch welche der zahlreichen Projekte sind Andreas Meixner, der später die Leitung des Bauamtes übernommen hatte, besonders im Gedächtnis geblieben? „Sehr stolz bin ich auf die Sanierung der Werkssiedlung“, sagt Mexiner. „Die Häuser waren in einem Zustand, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen.“ Mit dem Projekt, das der ehemalige Bürgermeister Ludwig Reimeier angestoßen hatte, habe die Stadt auch eine „soziale Verantwortung“ übernommen: „Da haben viele Menschen gewohnt, die früher selbst in der Spinnerei gearbeitet haben.“ Heute sei die Siedlung „ein echtes Aushängeschild“ der Stadt und werde „liebevoll gepflegt“.
Auch das Areal um das 2012 eröffnete Rathaus hält Meixner für ein „wirklich gelungenes“ Projekt. „Wenn ich abends in der Dämmerung aus dem Rathaus gehe und drüben beim Milano sitzen die Menschen auf der schön beleuchteten Terrasse, dann geht mir das Herz auf“, sagt Meixner, dem es allerdings „ein bisschen weh tut, dass es zwischen Rathaus und historischer Altstadt noch Leerstände gibt“. Dort hoffe er für die Zukunft auf eine „lebhafte und zukunftsweisende“ Nutzung der Gebäude.
Lebhaft – ein passendes Stichwort für ein weiteres Bauprojekt, das Meixner maßgeblich betreut hatte und das für die Stadt seiner Einschätzung nach ein großer Gewinn ist: die Pauline-Thoma-Schule. Auch wenn er die Bauzeit heute als „größte Stresszeit, die ich hatte“, bezeichnet. So hatte Meixner nach eigenen Angaben während der Bauphase komplett auf Urlaub verzichtet, damit die 2003 begonnene Baumaßnahme auch pünktlich zum Schulstart im Herbst 2004 abgeschlossen werden konnte.
„Schreckliches“
zum Krematorium
Nicht von Erfolg gekrönt waren hingegen im Jahr 2019 Bestrebungen, die Ansiedlung eines Krematoriums in der Stadt zu ermöglichen. Wobei der scheidende Bauamtsleiter diese Niederlage aber ohne große Nachwehen überwunden hat. Letztlich sei das aus Sicht der Stadt „eine wirtschaftliche Geschichte“ gewesen: „Wenn das von den Bürgern dann aber nicht gewünscht ist, muss man das herunterschlucken.“ Und dennoch hat sich die Auseinandersetzung rund um die Einrichtung ins Gedächtnis des 64-Jährigen eingebrannt, denn: „Die Infoveranstaltung zum Krematorium war eine meiner schrecklichsten Erfahrungen. Was da teilweise von der damaligen Bürgerinitiative kam, war schon schlimm.“
Für die künftige bauliche Entwicklung der Stadt Kolbermoor hat der 64-Jährige einige Wunschvorstellungen, auch wenn die Planungen dann in den Händen seines designierten Nachfolgers Benjamin Nabel liegen. „Es würde mich schon sehr freuen, wenn der Mareissaal eine gute Entwicklung nimmt und dort ein schöner Konzertsaal entsteht, der gut angenommen wird“, sagt Meixner, der selbst in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit dem Mareis-Areal befasst war. Auch auf das geplante Parkhaus als Schlussstein des umgestalteten Bahnhofsareals freut sich Meixner, zumal es „wirklich einen steinigen Weg hinter sich hat“.
Ebenfalls im Blick haben wird Meixner, der auf Initiative von Altbürgermeister Reimeier zum Stadtbaumeister ernannt worden war, die Tätigkeiten rund um das Areal zwischen dem Alten Rathaus, das heute die Stadtsing- und Musikschule beherbergt, sowie der Mangfallschule, die erweitert werden soll. „Wenn das so kommt, wie wir uns das heute vorstellen, dann wird das ganz, ganz toll – und genau das, was die Schule braucht“, findet Meixner. „Damit wäre der Schulstandort dort, im Herzen der Stadt, auf viele Jahre gesichert.“
Wie sich die Stadt Kolbermoor baulich in den kommenden Jahren verändern wird, wird der 64-Jährige aber aus der Zuschauerrolle verfolgen. Eine für ihn neue Situation, die ihm wahrscheinlich nicht leichtfallen wird, wie er gegenüber dem OVB zugibt. „Meine Befürchtungen, dass ich dann in ein Loch fallen könnte, sind schon groß“, sagt der scheidende Bauamtsleiter, der aber „alles dafür tun“ will, dass es nicht so kommt: „Rumsandeln werde ich sicherlich nicht.“
Viel Zeit für
seine Enkel
Was auf jeden Fall auf der To-do-Liste des dreifachen Familienvaters steht, ist, Zeit mit seinen sechs Enkelkindern zu verbringen. „Die werden natürlich eine wichtige Rolle spielen“, sagt Meixner, der sich gut vorstellen kann, neben Chauffeurdiensten für seine Enkel auch mit ihnen zelten zu gehen. Und auch die Musik wird bei Meixner, der 2000 mit anderen Musikern in Vagen die Musikgruppe „Die CubaBoarischen“, später dann „Cubaboarische Tradicional“ gegründet hatte, einen wichtigen Stellenwert einnehmen.
Auch das Thema Bauen, das ihn sein Leben lang begleitet hat, wird ihn nicht ganz loslassen. Wenngleich er sich zukünftig mit etwas kleineren Projekten begnügen muss, als er es als Bauamtsleiter gewohnt ist. „Bei unserem Einfamilienhaus muss einiges gemacht werden“, verrät Meixner und lacht. „Es ist zwar jetzt nicht gschlampert, aber da haben sich schon ein paar Dinge angesammelt.“ An Bauprojekten wird es dem Stadtbaumeister also auch in Zukunft nicht fehlen.