Christkindlmarkt unter neuer Regie

von Redaktion

In Kolbermoor hat sich ein neuer Christkindlmarktverein gegründet. Die elf Mitglieder haben die Organisation des traditionellen Marktes im Advent übernommen. Zuvor zeichnete der Gewerbeverband für die Veranstaltung verantwortlich. Die neue Vereinsvorsitzende Claudia Beutl kündigte bereits erste Änderungen an, darunter neue Öffnungszeiten für die Besucher.

Kolbermoor – Es weihnachtet in Kolbermoor – und das im Hochsommer! Denn der Christkindlmarkt soll heuer auf völlig neue Beine gestellt werden. Dazu hat sich bereits vor einigen Wochen ein eigener Christkindlmarktverein gegründet, der schon mehrere Treffen hatte, um die Organisation voranzutreiben. „Wir haben ein sehr gutes Team“, sagt Claudia Beutl (47), die Vorsitzende des Vereins mit aktuell elf Mitgliedern. „Ich habe ein richtig gutes Gefühl, dass wir da etwas Tolles auf die Beine stellen.“

Eine Besinnung auf „Tradition und alpenländische Bräuche“ hatte Giacomo Anzenberger (43), Vorsitzender des Kolbermoorer Gewerbeverbandes, der für den Kolbermoorer Christkindlmarkt in den vergangenen Jahren verantwortlich zeichnete, angekündigt, zudem die Erarbeitung eines neuen Marktkonzepts für die kommenden Jahre. Doch diese Ankündigung aus dem Jahr 2025 ist mittlerweile überholt, nachdem der Gewerbeverband nun vom neuen Christkindlmarktverein als Veranstalter abgelöst wird.

Weitere Einrichtungen
sollen sich beteiligen

Die Zufriedenheit rund um den Kolbermoorer Christkindlmarkt – sie war scheinbar sowohl bei den Standbetreibern, als auch bei Besuchern in den vergangenen Jahren überschaubar. „Jeder hat geschimpft, aber keiner hat den Mumm gehabt, die Zügel in die Hand zu nehmen und etwas zu machen“, sagte sich daher Claudia Beutl, die kurzerhand die Gründung eines eigenen Vereins angestoßen hatte. „Ich habe natürlich im Vorfeld mit Giacomo Anzenberger darüber gesprochen, ob er sich das vorstellen kann“, verrät die 47-Jährige, die sich seit Jahren auch im Trachtenverein D‘Mangfalltaler engagiert. „Und ich freue mich, dass Giacomo Anzenberger und auch Alexander Heinold vom Gewerbeverband selbst im Verein mitmachen.“

Klares Ziel des neuen Vereins: den Christkindlmarkt in Kolbermoor zu einem Ort zu machen, an dem sich Familien wohlfühlen und der traditionelle Christkindlmarkt-Atmosphäre bietet. So wird es auch weiterhin Nikolausbesuche oder Seniorennachmittage geben, Kramperl und Perchten wird man dagegen dort nicht mehr finden. „Die wird es nur noch auf der Raunacht geben“, verrät Beutl. „Und die wird – ebenso wie die Vorsilvesterparty – weiterhin vom Gewerbeverband veranstaltet.“

Was ebenfalls bleiben wird? Dass sich sowohl bisherige Gewerbetreibende als auch die Vereine am neuen Christkindlmarkt beteiligen und einbringen. Außerdem sollen weitere Einrichtungen in der Stadt wie beispielsweise die Kitas oder die Schulen mit ins Boot geholt werden, denn: „Es soll ein Angebot aus Kolbermoor für Kolbermoorer sein.“ Rütteln will die Vorsitzende an den „grundsätzlichen Strukturen“, wobei sich Beutel hier – wie auch bei einzelnen Programmpunkten – noch nicht zu sehr in die Karten schauen lassen will.

Eine der wichtigsten Veränderungen, die die 47-Jährige anstrebt, ist der Ausbau der Kommunikation: „Ich glaube, dass zwischen den Beteiligten einfach viel zu wenig gesprochen worden ist“, sagt die Kolbermoorerin, die aber klarstellt: „Das lag meiner Meinung nach nicht am Gewerbeverband.“ Insgesamt sei es traurig zu sehen, dass sie scheinbar in einer Generation lebe, „in der die Leute nicht mehr miteinander sprechen können“. Stattdessen werde von vielen Menschen „nur noch im Internet gemotzt“. Beutel: „Das muss wieder anders werden.“

Auch wenn viele Details zum neuen Konzept noch nach und nach erarbeitet werden müssen, kann Beutel aber eine Änderung schon verraten: Und zwar die neuen Öffnungszeiten des Marktes. So wird er an den Adventswochenenden freitags von 18 bis 22 Uhr, samstags von 15 bis 22 Uhr geöffnet haben. An den Sonntagen können die Besucher von 13 bis 20 Uhr über das Gelände vor dem Alten Rathaus schlendern. Denn dort wird der Christkindlmarkt auch heuer aufgebaut. Wobei der Verein durchaus über einen alternativen Standort für die Zukunft nachdenkt, wie Beutl verrät: „In der Kürze der Zeit war das aber für heuer nicht mehr umsetzbar.“

Überlegungen zu einem neuen Standort finden auch bei Giacomo Anzenberger Unterstützung. Dass der Gewerbeverband die Zügel nicht mehr in der Hand hält, sieht der 43-Jährige, der als Zweiter Vorsitzender des Christkindlmarktvereins gewählt worden ist, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So sei ihm der Christkindlmarkt in den vergangenen Jahren sehr ans Herz gewachsen. Andererseits sei die Organisation, die nur zwei Personen gestemmt hätten, mit extrem viel Arbeit verbunden gewesen. „Wir haben da schon 500 bis 600 Stunden im Jahr an Planung reingesteckt.“ Der neu gegründete Verein biete da nun „viel mehr Manpower“, um ein derartiges Angebot auf die Beine stellen zu können. Anzenberger: „Ich denke, das ist eine große Chance für einen Neustart, den die Kolbermoorer dann hoffentlich auch annehmen.“

Er selbst wird sich ebenfalls in die Organisation einbringen, zudem die Planungen für die Raunacht und die Vorsilvesterparty des Gewerbeverbands vorantreiben. „Das müssen wir die Kalkulation jetzt natürlich etwas anders aufstellen, weil wir in Kombination mit dem Christkindlmarkt mit einigen Standlbetreibern eine Mischkalkulation vorgenommen haben“, verrät der Unternehmer.

Worauf sich die Vorsilvesterparty-Besucher aber, wie bereits 2025 angedeutet, einstellen müssen: Dass sie künftig einen „Obolus“ in Form eines Eintrittsgeldes entrichten müssen. „Wir wollen daran nichts verdienen, am Ende aber auch nicht draufzahlen“, sagt Anzenberger, der nach derzeitigem Stand an einen Eintrittspreis von zwei oder drei Euro denkt: „Das dürfte für jeden zu verkraften sein.“

Doch was hält eigentlich die Stadt von den neuen Planungen rund um den Kolbermoorer Christkindlmarkt? „Wir finden es sehr toll, dass sich aus dem Kreis der Standbetreiber des Kolbermoorer Christkindlmarktes eine Gruppe gefunden hat, die die Organisation des Marktes in Zukunft in die Hand nehmen will“, kommentiert Christian Poitsch, Leiter des Stadtmarketings und Sprecher der Stadt, die Entwicklung. Die Stadt werde den Verein „in der gleichen Art und Weise unterstützen, wie dies beim Gewerbeverband der Fall war“, so Poitsch, der als Beispiele Leistungen des Bauhofs, einen finanziellen Zuschuss sowie Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit aufführt.

Innenstadt wird in
der Adventszeit belebt

Schließlich erfüllt der Christkindlmarkt laut Poitsch mehrere „wichtige Funktionen“ für die Stadt: „Die Belebung der Innenstadt in der Adventszeit, als Treffpunkt für die Kolbermoorer Bürgerinnen und Bürger sowie der Kolbermoorer Vereine und anderer sozialer Einrichtungen sowie als Einnahmenquelle für die Vereine“. Poitsch: „Die Bewohner einer Stadt in der Größe von Kolbermoor erwarten heutzutage einfach, dass es in ,ihrer‘ Stadt in der Adventszeit einen weihnachtlichen Markt oder ähnlichen Treffpunkt gibt.“

Bis der Markt Ende November eröffnet wird, stehen nun noch zahlreiche Organisationstreffen des Christkindlmarktvereins auf der Agenda. Was vermutlich bedeutet, dass bei hochsommerlichen Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke über Glühwein, Lebkuchen und Weihnachtsbeleuchtung diskutiert wird. Für die Vereinsvorsitzende Beutl kein Problem: „Nach den Treffen kann man sich ja bei einem Aperol oder einem Eis etwas abkühlen.“

Artikel 3 von 3