Kein Ersatz für das menschliche Denken und Entscheiden

von Redaktion

Veranstaltung der Grünen Kolbermoor über künstliche Intelligenz mit Sepp Willkommer

Kolbermoor – Unter dem Titel „Keine Angst! Wie du mit künstlicher Intelligenz schneller und besser ans Ziel kommst“ haben die Grünen Kolbermoor kürzlich unter der Leitung des Stadtrats Korbinian Schwägerl zu einem Vortragsabend eingeladen. Referent war Sepp Willkommer, Co-Founder des Kolbermoorer IT-Dienstleisters TechDivision GmbH, in deren Räume auch die Veranstaltung stattfand.

Ziel der Veranstaltung war es, Berührungsängste mit künstlicher Intelligenz abzubauen und einen realistischen, alltagstauglichen Blick auf die Technologie zu vermitteln.

Nach der ausführlichen Vorstellung des Unternehmens TechDivision und einer Führung ging Willkommer auf das Thema KI ein und machte zu Beginn die Geschwindigkeit deutlich, mit der sich KI-Anwendungen verbreiten: Während etwa Netflix rund 3,5 Jahre brauchte, um eine Million Nutzer zu erreichen, und Instagram 2,5 Monate, schaffte es ChatGPT Ende 2022 in nur fünf Tagen.

Auch die Zahl verfügbarer KI- und Datentools ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen – von rund 150 im Jahr 2012 auf heute eine kaum mehr zu überblickende Anzahl, die täglich weiter zunimmt.

Als Wettbewerbsvorteil für kleinere Unternehmen und Selbstständige nannte er vor allem drei Aspekte: KI arbeite bei Recherchen deutlich schneller, sei im Vergleich zu klassischen Dienstleistern in der Regel günstiger und stehe rund um die Uhr zur Verfügung. Ein zentrales Element des Vortrags war die sogenannte „Goldene Regel“ im Umgang mit KI: Vage Anfragen ohne Kontext führten zu generischen, wenig hilfreichen Ergebnissen, während klare Ziele, Beispiele und Rahmenbedingungen im Prompt die Qualität der Antworten deutlich verbesserten.

Datenschutz
‚als klare Grenze

Wiederkehrendes Thema war das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“: KI liefere Entwürfe und Berechnungen, die Entscheidung und Verantwortung blieben aber beim Menschen. Ergebnisse müssten immer kritisch geprüft werden, da KI-Systeme überzeugend klingende, aber falsche Informationen produzieren können – sogenannte Halluzinationen. Als weitere häufige Fehler im Umgang mit KI nannte Willkommer zu kurze Prompts, einmaliges statt iteratives Nachfragen, fehlerhafte oder zu wenige Daten sowie die Vorstellung, KI könne eigenes Denken vollständig ersetzen.

Besonderes Gewicht legte der Referent auf den Datenschutz: Nutzer sollten KI-Tools im Web nur mit Informationen „füttern“, die sie auch einer fremden Person auf der Straße mitteilen würden – keine Passwörter, keine vertraulichen Geschäftsdaten und keine Kundendaten.

Auch die Kehrseite der Entwicklung kam zur Sprache: Laut den im Vortrag präsentierten Zahlen könnte der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden steigen – vergleichbar mit dem heutigen Verbrauch Japans. Der KI-bedingte Stromverbrauch soll sich demnach bis 2030 verelffachen, der Wasserverbrauch von KI-Rechenzentren könnte sich vervierfachen. Eine einzelne ChatGPT-Anfrage verbrauche im Vergleich zu einer klassischen Google-Suche das bis zu Zehnfache an Ressourcen.

Sein Fazit: KI sei ein Verstärker, kein Ersatz für eigenes Denken. Wer kritisch prüfe, ausreichend Kontext liefere und Ergebnisse iterativ verbessere, könne von der Technologie deutlich profitieren – Verantwortung und Urteilsvermögen müsse dabei aber immer beim Menschen bleiben.

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