Zum zehnten Mal hat Kolbermoor an der Aktion Stadtradeln teilgenommen, und die drei Wochen sind für nicht wenige schon zu einem festen sommerlichen Programmpunkt geworden: als ein Event für die ganze Familie. Fotos Winkler Mobilitätsmanagement
Kolbermoor – Zum zehnten Mal hat Kolbermoor jetzt bei der Aktion Stadtradeln mitgemacht, und dabei zeigt sich: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. War das Stadtradeln am Anfang von manchen vielleicht noch belächelt worden, nach dem Motto „Und wozu soll das jetzt gut sein?“, ist es mittlerweile ein fester Punkt im Veranstaltungskalender der Stadt geworden.
Die Zahlen sprechen da für sich und zeigen, dass das Stadtradeln Jahr für Jahr mehr Zuspruch findet: 9.132 Fahrten wurden heuer gezählt, ein neuer Rekord. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es noch deutlich weniger, nämlich 6.949 Fahrten. Auch die Kilometeranzahl stieg entsprechend, von gut 77.000 im vergangenen Jahr auf jetzt 103.000 Kilometer.
Gewohnheiten
spielerisch ändern
Wichtig ist Veronika Winkler, der Mobilitätsmanagerin der Stadt, bei diesen Zahlen eines: dass es beim Stadtradeln nicht vorrangig darum geht, möglichst viele Kilometer zu sammeln, sondern das Fahrrad so oft wie möglich als Fortbewegungsalternative auszuprobieren.
Womit man wieder beim Gewohnheitstier ist: Dass das Fahrrad im Alltag eine durchaus taugliche Alternative zum Auto sein kann – ohne Parkplatzprobleme, im Berufsverkehr nicht selten sogar schneller als das Auto –, das entdeckt man nicht, wenn man sich einmal ausnahmsweise aufs Radl schwingt. Man muss das mehrmals probieren, und genau deshalb zieht sich die Aktion Stadtradeln immer über drei Wochen hinweg: weil es mindestens diesen Zeitraum braucht, so sagt die Psychologie, bis neues Verhalten anfängt, sich langsam zu verfestigen.
Nun ist es aber so, dass man allein mit dem Aufruf „Jetzt sind Stadtradel-Wochen, also rauf auf den Drahtesel“ wahrscheinlich nur ganz wenige aus dem Auto herauslocken könnte. Deshalb ist in Kolbermoor das Stadtradeln mit zahlreichen Events und gemeinsamen Radltouren verbunden, sozusagen als „Anlockungskaskade“: Erst mal da mitmachen, weil das Ausflugsziel nett klingt, dann vielleicht auf den Geschmack kommen und mehrmals mitradeln und zum Schluss möglicherweise sogar tatsächlich öfter mal im gewöhnlichen Alltag.
Und da schlägt sich auch der Bogen zu der Tatsache, dass die Stadtradel-Aktionen sich langsam, aber sicher zu einer festen Kolbermoorer Attraktion entwickeln. Zum Beispiel das kulinarische Höferadeln: Dabei werden einzelne Bauernhöfe in der Umgebung Kolbermoors besucht, die sich durch naturnahe Produktion und meist auch durch den Eigenverkauf ihrer Produkte in ihren Hofläden auszeichnen. Natürlich steht – bei einem Ausflug, der als kulinarisch bezeichnet wird, darf es nicht anders sein – das Verkosten ganz oben an. Der Gewinn ist ein doppelter: Man sieht, wie viel naturnahe Landwirtschaft es rund um Kolbermoor eigentlich gibt, und stellt auch fest, wohin man ohne große Mühe mit dem Radl eigentlich kommt.
Gerade auch für die ganz jungen Mitradler war das diesjährige kulinarische Höferadeln sicher ein besonderes Erlebnis: Auf einem Bauernhof konnte ein gerade mal vier Stunden altes Kälbchen bewundert werden und andere, etwas ältere, auch ausgiebig gestreichelt. Dass man hier gerade die jungen und ganz jungen Radler im Blick hat, kommt nicht von ungefähr. Denn gerade Kinder sind für Neues schnell zu begeistern, da gibt es noch kein „Muss ich jetzt wirklich?“, das alle Älteren so oft von kleinen Abenteuern fernhält. Wenn Kinder aber erst mal das Fahrrad als Spaßvehikel entdeckt haben, müssen die Eltern oft einfach mit – ob sie jetzt wollen oder nicht.
Doch in Kolbermoor lässt man es nicht nur beim Bewährten, es kommt immer Neues hinzu. Das können neue Teams sein – wie etwa der noch junge Verein Kulturwerk, der zum ersten Mal mitmachte und auch eine eigene Tour anbot. Oder auch neue Ideen, wie die Fahrradwaschanlage, die am Tag des Neubürgerempfangs zu testen war. Mit großem Erfolg übrigens: Das Fahrrad einfach durchzuschieben, anstatt es mühevoll Speiche für Speiche zu putzen, fanden viele Kolbermoorer äußerst attraktiv. Und wer weiß, vielleicht gibt es so eine Anlage irgendwann einmal tatsächlich auch als feste Installation in Kolbermoor.
Fest steht auf jeden Fall: Das Kolbermoorer Stadtradeln ist weiter auf der Erfolgsstraße und ein Erlebnis, egal ob man jung, alt oder Stadtrat ist. Denn selbst aus diesem Gremium fanden sich in diesem Jahr sechs Mitradler, allen voran Thomas Rothmaier und Leonhard Sedlbauer.