Kolbermoor – Während sich die Schulfamilie der Mangfallschule Kolbermoor in die Sommerferien verabschiedet hat, wird in der Stadtverwaltung an einer Erweiterung der Schule gebastelt. Denn ab 1. August besteht für Schüler ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – beginnend mit der ersten Klasse –, der in den Folgejahren auf alle Klassenstufen ausgeweitet wird. Was wiederum Kommunen in puncto Platzangebot, Personal und pädagogischem Konzept vor große Herausforderungen stellt. Weshalb die Stadt bereits im Frühjahr 2025 über eine Erweiterung der Schule diskutiert hatte.
Doch der Entwurf von damals hielt weiteren Planungsschritten nicht stand. Daher präsentierte die Stadtverwaltung dem Stadtrat bei seiner jüngsten Sitzung eine neue Idee.
Anbau soll sich
schonend einfügen
Anfang März 2025 hatte die Bauverwaltung dem Gremium die Erweiterung der Schule durch einen möglichen Anbau präsentiert, der sich „schonend in den Gebäudebestand“ integriert hätte. Mit der Zeit hatten sich aber Probleme mit dem Entwurf offenbart, die letztlich dazu führten, dass die Stadt Abstand davon nahm. „Nach vielen unterschiedlichen Planungsansätzen wurde immer deutlicher: Das Ursprungskonzept mit einem Erweiterungsbau im Westen benötigt zu viele Kompromisse, die nicht im Sinne einer zukunftsorientierten Planung sein können“, beschrieb der neue Bauamtsleiter Benjamin Nabel, der jüngst Andreas Meixner abgelöst hatte, die Gründe, wieso die bisherige Planung ad acta gelegt worden ist.
Nicht nur, dass das bisherige Konzept „teure und sicher auch unbefriedigende Interimslösungen für die Schulen in der Zeit des Umbaus“ heraufbeschworen hätte. Das Ergebnis wäre auch ein Platzangebot gewesen, das bei höheren Schülerzahlen und daraus steigenden Klassenzahlen bereits wieder an seine Grenzen gestoßen wäre, wie Nabel gegenüber dem OVB deutlich machte. Daher hat die Stadt nun einen Entwurf ausarbeiten lassen, der „schon für mehr Klassen ausgelegt ist“.
Der Plan: Hinter dem Bestandsgebäude an der Westseite der Rainerstraße, in dem Klassenzimmer, Lehrerzimmer und die Verwaltung ihre Heimat finden sollen, könnte ein Anbau entstehen, in dem neben weiteren Klassenzimmern eine Aula, Lernlandschaften und die Küche Platz finden. Angebunden wird zudem das sogenannte Dr.-Flach-Haus, das den Speisesaal, der auf zwei Räume aufgeteilt wird, beherbergen könnte.
Im Bestandsgebäude östlich der Rainerstraße wären ebenfalls Klassenzimmer sowie Fachklassenzimmer vorgesehen, in einem Anbau an der Haßlerstraße hätte die Mittagsbetreuung ihren Platz. Der Wermutstropfen: Das sogenannte Pfallerhaus müsste dafür weichen. „Wir haben hier viele Planungssituationen mit der Schule durchgespielt, aber sind mit dem Pfallerhaus zu keiner sinnvollen Lösung gekommen“, stellt Nabel klar, der findet: „Letztlich muss man dann halt abwägen.“ Zumal auch das Kreisbauamt sowie der Denkmalschutz das Konzept „positiv bewertet“ haben.
Was allerdings nicht durchweg für die Mitglieder des Stadtrats gilt: „Dieses Gebäude befindet sich grundsätzlich in einem guten Zustand. Es ist voll unterkellert und wird aktuell auch für die Mittagsbetreuung genutzt“, sagt Stefan Reischl (Parteifreie). „Bei einer geschickten Planung kann man diesen Bau sicher erhalten und ähnlich wie das mit sehr viel Aufwand sanierte Harrerhaus gut in die Nutzung integrieren.“ Schließlich habe die Stadt in der Vergangenheit entlang der Bahnhofstraße und der Haßlerstraße mehrere „schöne alte Gebäude“ saniert – ein laut Reischl „schönes historisches Ensemble, das sich mit dem Pfallerhaus und dem Dr.-Flach-Haus fortsetzt“.
Nachgefragt bei den im Stadtrat vertretenen Parteien fällt die Bewertung der Planung aber durchaus positiv aus. So begrüßen es die Parteifreien Kolbermoor, „dass der Schulbetrieb auch während der Baumaßnahme aufrechterhalten werden kann“. Dass mehrere Anregungen zur Entwurfsplanung gegeben wurden, sei „gängige Praxis im Planungswesen“, wie Fraktionssprecher Dieter Kannengießer auf OVB-Anfrage mitteilt. „Bis zur Vorentwurfsplanung werden die Anregungen sicher eingehend geprüft und nochmals mit dem Denkmalschutz und dem Kreisbauamt abgestimmt.“
Positive Reaktionen
auf die Planungen
CSU-Fraktionsvorsitzender Leonhard Sedlbauer lobte die Stadtverwaltung für ihre vorausschauende Arbeit „hinsichtlich der kommenden Herausforderungen im Grundschulbereich“. „Die Planungen eines Schulcampus gefallen uns gut, wenn auch der Bereich im Nordosten aufgrund der starken Versiegelung bei gleichzeitig niedrigen Baukörpern eine Überarbeitung vertragen könnte“, so Sedlbauer weiter, dessen Fraktion außerdem „die geringe Deckenhöhe der Aula kritisch“ sieht. „Die Erhaltung des Dr.-Flach-Hauses mit gleichzeitiger Vermeidung einer Straßensperrung in der Haßlerstraße begrüßen wir im Sinne einer Entlastung der Innenstadt sehr.“
Caroline Schwägerl von den Grünen bewertete die Planungen stellvertretend für ihre Partei als „durchwegs positiv“. Zudem hätten beim Planungsbüro die Hinweise der Grünen rund um Hitzeschutz, nachhaltiges Energiekonzept und Bestandsbäume Gehör gefunden. Allerdings sei parteiübergreifend der Wunsch da gewesen, zu überprüfen, ob in puncto Pfallerhaus der Bestandsbau nicht in den Neubau integriert werden könne. Schwägerl: „Wir freuen uns auf einen zukunftsfähigen Schulcampus der modernen Pädagogik mit aktivem Klimaschutz.“
Christian Demmel von der AfD forderte die Planer ebenfalls dazu auf, angesichts „möglicher Klimaänderungen“ den Neubau „pragmatisch“ anzupassen, „um Kinder und Umwelt durch unversiegelte Innenhöfe, Beschattung und aktive Kühlung zu schützen“. Zudem sei ihm „eine konsequente, rollstuhlgerechte Barrierefreiheit“ ein wichtiges Anliegen. Und auch das Pfallerhaus würde er gerne erhalten: „Das geschichtsträchtige Pfallerhaus prägt unser Stadtbild und sollte als identitätsstiftendes Gebäude unbedingt kreativ in die Planungen einbezogen werden.“
Die SPD sieht in den Planungen ebenfalls „ein großartiges Projekt für den Ausbau des Stadtkerns und die langfristige und moderne Absicherung der zukünftigen Bedarfe der Schulträgerschaft der Stadt“, wie SPD-Stadtrat Christian Morgenroth mitteilt. Allerdings blute den Sozialdemokraten „das Herz, wenn historische Gebäude weichen müssen“. „Im Falle des Umbaus überwiegen aber die klar vorgestellten finanziellen und bautechnischen Nachteile, die eine Einbindung des Pfallerhauses mit sich bringen würde.“
Grobkonzept bekommt
nur eine Gegenstimme
Auch Johanna Bössl von den Linken sieht die Erweiterung aufgrund des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung als „notwendig“ an. „Der vorgestellte Grobplan wirft aus meiner Sicht aber noch wichtige Fragen auf, insbesondere hinsichtlich des geplanten Abrisses des Pfallerhauses, dessen Erhalt aus denkmalpflegerischer und wirtschaftlicher Sicht noch nicht abschließend geprüft ist“, findet Bössl. Ebenso habe die Diskussion gezeigt, dass insbesondere „die Anordnung der Sanitäranlagen und die Gestaltung der Aula noch Optimierungspotenzial bieten“.
Der Stadtrat billigte dennoch das Grobkonzept bei nur einer Gegenstimme. „Wir werden uns konkret das Pfallerhaus natürlich nochmal anschauen“, teilt Baumatsleiter Nabel gegenüber dem OVB mit. Bereits im September soll das Thema dann erneut im Stadtrat diskutiert werden. Auch eine erste Kostenschätzung konnte den Räten übrigens präsentiert werden: So könnte das Vorhaben rund 17,3 Millionen Euro kosten. Nabel: „Wir erwarten dabei aber rund 50 Prozent an Förderung.“