„Wir sind nicht die Bronx“

von Redaktion

Interview Bürgermeister Thomas Rothmayer zieht nach 100 Tagen im Amt eine erste Bilanz

Kolbermoor – Bei der Stichwahl um den Posten des Kolbermoorer Bürgermeisters hatte sich Thomas Rothmayer (Parteifreie) Ende März mit deutlicher Mehrheit von 78,1 Prozent der Stimmen gegen seinen CSU-Kontrahenten Leonhard Sedlbauer (21,9 Prozent) durchgesetzt. Mittlerweile ist der 41-Jährige, der am 1. Mai Peter Kloo (SPD) beerbt hatte, seit rund 100 Tagen im Amt. Im Interview mit dem OVB zieht der ehemalige Ordnungsamtsleiter der Stadt eine erste Bilanz zu seiner neuen Aufgabe und verrät, wie es um eines seiner großen Ziele – sich für mehr bezahlbaren Wohnraum in Kolbermoor einzusetzen – steht.

Bereits am Tag Ihres Amtsantritts, dem 1. Mai, hatten Sie den ersten offiziellen Termin. In den vergangenen 100 Tagen sind vermutlich unzählige weitere hinzugekommen. Wissen Sie denn überhaupt noch, wie Ihre Frau und Ihr Sohn aussehen?

Auf jeden Fall. Aber es ist schon was dran, dass es eine der größten Herausforderungen ist, das Zeitmanagement in den Griff zu bekommen. Seit ein paar Wochen läuft es aber wirklich gut, dass ich Arbeit und Familie unter einen Hut bekomme. Gerade zu Beginn ist es ja so, dass jeder etwas von einem will. Zudem reiht sich ein Antrittsbesuch an den anderen. Es hat mir allerdings auch sehr viel Spaß gemacht, viele Menschen kennenzulernen und diese neue Verantwortung zu spüren, auch wenn es sehr zeitintensiv ist. Ich denke, dass sich auch in der Verwaltung mittlerweile jeder darauf eingestellt hat, dass der Bürgermeister mittlerweile oftmals der Erste ist, der in der Früh im Büro ist (lacht).

Ihr Vorgänger Peter Kloo hatte kurz vor seinem Abschied im OVB-Interview verraten, dass er als erste Anschaffung einen Computer im Bürgermeisterbüro installieren ließ. Was war Ihre erste Anschaffung?

Ich habe mir einen höhenverstellbaren Schreibtisch geleistet. Mittlerweile sind wir da hausintern sehr gut aufgestellt. Ich nutze ihn auch ausgiebig, wechsle beim Arbeiten gerne nach dem langen Sitzen ins Stehen. Das bringt für mich viel Qualität im Arbeitsalltag.

Wenn Sie die ersten 100 Tage Revue passieren lassen: Was waren für Sie die Höhepunkte?

Einer der Höhepunkte war auf jeden Fall die konstituierende Sitzung. Es ist schon etwas Besonderes, die erste Sitzung eines neu gewählten Stadtrats zu leiten. Zumal sehr viele Zuschauer da waren und ich gleich einige Ehrungen und Würdigungen vornehmen durfte. Bei dieser Sitzung habe ich sofort gemerkt, dass unser Stadtrat richtig gut zusammengesetzt ist. Da ist ein großer Zusammenhalt zum Wohle Kolbermoors spürbar. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass ich bereits im Vorfeld das Gespräch mit den Fraktionen gesucht und mit den Stadträten viel kommuniziert habe.

Gibt es auch negative Erlebnisse, die Sie gerne aus dem Gedächtnis streichen würden?

Aus dem Gedächtnis streichen nicht. Der Umgang mit der Bürgerinitiative N.O.T. Kolbermoor war aber schon ein Lernprozess für mich. Da hätte ich mir erhofft und gewünscht, dass die Kommunikation mit den BI-Verantwortlichen in eine andere Richtung läuft.

Mittlerweile haben Sie auch einige Sitzungen des Stadtrats sowie der Ausschüsse geleitet. Sind Sie mit Ihrer Sitzungsleitung zufrieden? Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Verbesserungspotenzial gibt es immer. Dennoch finde ich, dass die ersten drei Monate, in denen wir uns auch schon um große Projekte wie beispielsweise das Parkhaus am Bahnhof, die Planungen zum Mareissaal sowie die Erweiterung der Mangfallschule gekümmert haben, sehr gut gelaufen sind. Für diese großen Themen war meiner Meinung nach auch die Länge der jeweiligen Sitzungen angemessen. Dass es so gut läuft, hat aber auch viel damit zu tun, dass ich in der Verwaltung lauter Spezialisten habe, auf die ich mich jederzeit verlassen kann.

Im Wahlkampf hatten Sie unter anderem bezahlbaren Wohnraum als eines Ihrer wichtigsten politischen Ziele genannt. Eines der größten Projekte in diesem Bereich, die Entwicklung des Quartierzentrums Nordost, hat durch den Rückzug des Bauprojektentwicklers Max von Bredow jüngst einen Dämpfer erlitten. Gibt es denn innerhalb der Stadt weiteres Potenzial für bezahlbaren Wohnraum?

Natürlich, beispielsweise steht die Umsetzung des Wohnhauses an der Unteren Mangfallstraße an. Außerdem gibt es zwei, drei weitere Optionen, bei denen wir uns aktuell in Gesprächen befinden. Über die möglichen Örtlichkeiten und den Umfang kann ich aber noch nichts sagen. Ich denke aber, dass der soziale Wohnungsbau, wenn auch nicht zwangsläufig von der Stadt betrieben, ein großes Thema in Kolbermoor sein wird. Denn der Bestand reicht meiner Meinung nach keinesfalls aus.

Ein Thema, das wiederum viele Kolbermoorer umtreibt, ist die Sicherheit. Werden die Sicherheitsprobleme durch den neu eingeführten Kommunalen Außendienst (KAD) gelöst?

Zunächst muss ich ganz klar sagen, dass Kolbermoor keineswegs unsicher ist. Das bestätigt auch der Sicherheitsbericht der Polizei. Wir sind nicht die Bronx, es gibt bei uns keine No-go-Areas. Und mit dem KAD werden wir die Sicherheit sogar nochmals erhöhen.

Auch der Leerstand von Gewerbeimmobilien ist immer wieder ein Thema in der Stadt. So haben sich innerhalb weniger Monate unter anderem das Schuhgeschäft „Happy Schuh & Du?“, das Unterwäschegeschäft Comazo sowie der Alnatura-Supermarkt verabschiedet. Welche Neuansiedlung würden Sie sich denn wünschen?

Für eine Stadt wie Kolbermoor ist eine Mischung aus lebendigem Einzelhandel, hochklassiger Industrie und ausgewogenen Freizeitmöglichkeiten immens wichtig. Ich finde, dass wir da schon eine recht gute Mischung haben. Hinzu kommt ein unfassbares Vereinsangebot mit mehr als 60 Vereinen. Aus Sicht der Stadt müssen bei einer Neuansiedlung viele Facetten betrachtet werden. Aus finanzieller Sicht wäre ein Unternehmen, das viel Gewerbesteuer in die Stadtkasse spült, wünschenswert. Was aber wiederum nicht zwangsläufig heißen würde, dass dieses Geschäft dann auch zur Belebung der Stadt beiträgt. Wobei ich aber auch hier der Meinung bin, dass wir aktuell bereits eine sehr lebendige Innenstadt haben.

Nach dem Rückblick nun eine kleine Vorschau: Welche wichtigen Projekte wollen Sie noch heuer zumindest in puncto Planung zum Abschluss bringen?

Zum Abschließen gibt es da aktuell nicht so viel. Nachdem der vorherige Stadtrat noch viele Projekte angestoßen und die Weichen für diverse Vorhaben gestellt hat, sind wir derzeit eher in einer Planungsphase. Was wir allerdings priorisiert angehen müssen, ist die Erweiterung der Mangfallschule aufgrund des Anspruchs auf Ganztagsbetreuung. Ein weiteres Thema, das uns in den kommenden Monaten extrem beschäftigen und uns viel Arbeit machen wird, ist die Neuregelung bei der Kita-Finanzierung im Rahmen des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (BayKiBig).

Mathias Weinzierl

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