Kolbermoor/Großkarolinenfeld – Bis zu 500 Besucher werden am Wochenende, 14. bis 16. August, beim ersten Honigtopf-Festival in Kolbermoor erwartet. Mit über 20 musikalischen Acts soll bei der Veranstaltung des Vereins „Bienenhof – MoorCulture“ friedlich gefeiert werden. Wettertechnisch werden für das Festival-Wochenende derzeit Sonne satt und hochsommerliche Temperaturen von bis zu 34 Grad erwartet. Und dennoch ziehen derzeit ein paar dunkle Wolken über dem Festival-Gelände auf – zumindest im übertragenen Sinn. Denn die Jagdpacht Großkarolinenfeld, ein Zusammenschluss von Jägern, die dort ihr Revier haben, sieht durch die Veranstaltung eine große Gefahr für Tier und Mensch und hat sich mit einer Beschwerde an Behörden gewandt.
Jäger reagieren mit
„großem Unverständnis“
„Mit großem Unverständnis nehmen wir die Genehmigung des Honigtopf-Festivals im Wald- und Wiesengebiet in Kolbermoor zur Kenntnis“, teilen die Jagdpächter in dem Schreiben, adressiert an die Stadt Kolbermoor sowie an weitere Behörden, mit. „Der Aufbau der Veranstaltung, der hohe Besucherandrang, laute Musik, Beleuchtung sowie das zusätzliche Verkehrsaufkommen bedeuten erhebliche Störungen für die Tierwelt“, sind die Unterzeichner überzeugt, die durch die dreitägige Musikveranstaltung erhebliche „Risiken für Mensch und Natur“ kommen sehen.
Parkplatzwahl verursacht
„Stress bei Wildtieren“
Besonders monieren die Beschwerdeführer die Parkplätze auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen bei Großkarolinenfeld. Denn von dort müssten die Besucher rund 1,5 Kilometer „durch eine angrenzende Wildtierruhezone sowie entlang eines Versuchsguts zur Erforschung einer klimaverträglichen und moorschonenden Landwirtschaft“ laufen, um zum Festivalgelände zu kommen. Was wiederum „erheblichen Stress für die dort lebenden Wildtiere“ bedeute. „Es besteht die akute Gefahr, dass Tiere aufgeschreckt werden und ihren Lebensraum fluchtartig verlassen“, so die Jagdpächter weiter.
Wodurch aus Sicht der Jäger gar eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer, die im Bereich der Kolbermoorer Straße unterwegs sind, entstehe. Denn durch das Aufschrecken der Tiere drohe „ein unkontrolliertes Fluchtverhalten“, was „das Risiko von schweren Wildunfällen drastisch erhöhe“. Gegenüber dem OVB brachte Jagdpächter-Vertreter Ralf Lindl zudem eine Brandgefahr ins Spiel, die durch das Campen und Fahrzeuge auf dem „trockenen Wiesengrund“ entstehen könnte. „Wir fragen uns, wie diese Genehmigung mit den selbst gesetzten Zielen zum Natur-, Arten- und Klimaschutz vereinbar ist“, so die Jagdpacht Großkarolinenfeld weiter, die eine „detaillierte Darstellung“ zu diversen Prüfungen und Schutzmaßnahmen fordert.
Der Veranstalter, der Verein „Bienenhof – MoorCulture“, hat nach eigenen Angaben über die Bedenken der Jagdpächter nicht direkt, sondern von Dritten erfahren. So habe ein Anlieger, der seine Wiese zum Parken und Campen zugesagt hatte, die Zusage mit dem Verweis auf die Bedenken der Jäger zurückgezogen, wie Vereinsvorsitzende Julia Fischbacher gegenüber dem OVB berichtet. Daraufhin hätte der Verein versucht, mit der Jagdpacht Großkarolinenfeld Kontakt aufzunehmen, ist aber laut Fischbacher von Ansprechpartner zu Ansprechpartner weitergereicht worden.
„Wir haben hierfür Verständnis und waren dankbar, diese konkreten Bedenken zu erfahren“, teilt Fischbacher auf OVB-Anfrage mit. „Gleichzeitig hätten wir uns gewünscht, dass solche Themen frühzeitig direkt an uns herangetragen werden.“ Schließlich habe der Verein „ausdrücklich angeboten, jederzeit auf entsprechende Hinweise zu reagieren und beispielsweise Arbeiten einzustellen, wenn diese die Jagd oder Wildtiere beeinträchtigen“. Fischbacher: „Wir möchten daraus ausdrücklich keinen Konflikt zwischen Jagd und Kultur machen. Wir respektieren die Arbeit der Jäger und wünschen uns umgekehrt die Möglichkeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“
Verein ist gerne bereit,
Lösungen zu suchen
Daher hat der Verein in Hinblick auf die Bedenken hinsichtlich des Wildschutzes mittlerweile „verschiedene Maßnahmen geprüft beziehungsweise umgesetzt“: So sucht der Veranstalter derzeit noch nach näher am Festivalgelände gelegenen Alternativen zum Campen und Parken. „Aktuell warten wir auf eine Antwort bezüglich einer neuen Campingfläche. Hier sind wir zuversichtlich und der Stadt Kolbermoor und den unterstützenden Anliegern sehr dankbar für die Hilfe bei der Lösungssuche.“
Gemeinde fand Tempolimit
„nicht notwendig“
Auch auf die Gemeinde Großkarolinenfeld ist der Verein nach eigenen Angaben zugegangen und hat dort angefragt, ob es für den Festivalzeitraum sinnvoll sei, eine Geschwindigkeitsbegrenzung an der Kolbermoorer Straße zu erlassen. Was die Kommune aber als „nicht notwendig“ erachtete. Eine Einschätzung, die Alexander Strickner, Mitarbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Bad Aibling, teilt. So sei es zwar zutreffend, „dass Wildtiere durch ungewohnte Geräusche, größere Menschenansammlungen oder Lichtquellen aufgeschreckt werden können“. „Ob dies jedoch zu einer erhöhten Gefahr von Wildunfällen auf der über 300 Meter entfernten Kolbermoorer Straße führen wird, lässt sich im Vorfeld nicht belastbar beurteilen“, teilt Strickner dazu auf OVB-Anfrage mit.
Bei größeren Festivals
nicht mehr Wildunfälle
Der Polizeibeamte verweist auf vergleichbare und deutlich größere Veranstaltungen wie beispielsweise das Zauberwaldfestival in Tuntenhausen oder das Echelon-Festival bei Bad Aibling, bei denen „keine erhöhten Wildunfallzahlen in der Umgebung festgestellt werden konnten“. Aus polizeilicher Sicht bestehe auch keine Veranlassung, „den Bereich zu meiden“. Strickner: „Unabhängig von Veranstaltungen wird jedoch generell empfohlen, auf ländlichen Straßen entlang von Waldgebieten, insbesondere während der Dämmerung und in den Nachtstunden, aufmerksam und mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren und sich auf Wildwechsel einzustellen.“
Naturschutzbehörde schon
bei Genehmigung an Bord
Auch für die Stadt Kolbermoor, die die Veranstaltung in Hinblick auf veranstaltungsrechtliche und gaststättenrechtliche Erlaubnisse genehmigt hat, sind die Bedenken der Jagdpächter nach Angaben von Christian Poitsch, Leiter des Stadtmarketings und Sprecher der Stadt, „nachvollziehbar“. Daher sei bereits im Genehmigungsverfahren „die untere Naturschutzbehörde angehört und deren Stellungnahme in der Genehmigung berücksichtigt“ worden. Weitere Einwände beziehungsweise Rückmeldungen zum geplanten Festival aus der Bevölkerung habe es bislang nicht gegeben.
Das Landratsamt Rosenheim nimmt die vorgebrachten Bedenken ebenfalls „ernst“, wie Sprecherin Simone Beigel gegenüber dem OVB betont. Daher habe die zuständige Naturschutzbehörde „die möglichen Auswirkungen der Veranstaltung auf Natur und Umwelt geprüft“, insbesondere „die betroffenen Flächen sowie mögliche Beeinträchtigungen geschützter Arten und Lebensräume berücksichtigt“. Beigel: „Nach der erfolgten Prüfung besteht aus naturschutzfachlicher und insbesondere naturschutzrechtlicher Sicht kein Anlass, die Genehmigung des Festivals infrage zu stellen.“ Gleichzeitig seien „Maßnahmen und Vorgaben festgelegt“ worden, um „mögliche Beeinträchtigungen von Natur und insbesondere von geschützten Arten so weit wie möglich zu vermeiden“.
Jagdpächter erfuhren erst
kurzfristig von Festival
Bleibt letztlich noch die Frage, wieso die Jagdpächter mit ihren Bedenken nicht direkt an die Veranstalter herangetreten sind und das Gespräch gesucht haben. „Wir haben erst letzte Woche von diesem Festival Kenntnis erhalten“, teilt Lindl dazu mit. „Sehr gerne hätten wir im Vorfeld der geplanten Veranstaltung mit dem Verein Bienenhof über die Auswirkungen eines solchen Festivals in dieser Umgebung gesprochen. Im Falle bereits vorliegender Genehmigungen sind jedoch die zuständigen Behörden unsere Ansprechpartner.“