Kolbermoor – Woran merkt man, dass ein Siedlerfest bevorsteht? Wenn einer ruft und alle zum Helfen kommen. Und woran erkennt man, dass es nicht nur irgendein Siedlerfest ist, sondern das der Kolbermoorer Siedlung? Wenn keiner rufen muss und trotzdem alle da sind.
Den Eindruck konnte man jedenfalls auch in diesem Jahr wieder gewinnen. Denn als es am Mittwoch darum ging, das Zelt auf dem Siedlerplatz aufzustellen und auch sonst alles für heute, Freitag, und morgen, Samstag herzurichten, strömten gefühlt von allen Seiten Frauen und Männer, Jung wie Alt, herbei, um mit Hand anzulegen. Die beiden Bürgermeister – Peter Kloo, der ehemalige, sowie Thomas Rothmayer, der amtierende – eingeschlossen.
Die Hauptfrage, die sich einem als Zaungast bei den Vorbereitungen jedoch stellte, ist die, ob es wohl auch dieses Jahr eine besondere Innovation geben würde. In den vergangenen zwei Jahren war das so. 2024 konnte der Toilettenwagen vorgestellt werden, dessen Besonderheit es ist, dass es sich um gar keinen Wagen handelt, sondern um einen Container. Seine Einrichtung ist deshalb nicht in luftiger Höhe und unerreichbar für Rollstuhlfahrer und alle anderen, die sich mit dem Gehen schwertun, sondern sozusagen ebenerdig und barrierefrei zu betreten.
Im vergangenen Jahr wiederum konnte der spezielle Anbau an eine bestehende Garage eröffnet werden, der außerhalb des Siedlerfestes jede Menge Gerätschaften aufnehmen kann, zu Siedlerfestzeiten aber eine Essensausgabe beherbergt, die auch dem größten Ansturm an Festbesuchern Herr werden kann.
Und in diesem Jahr? Pause nach den Höhepunkten der vergangenen Jahre? Nicht bei den Siedlern. Denn jetzt, so Vorstand Christian Wagner, gehe es darum, die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr mit dem damals noch ganz neuen Anbau auszuwerten, um das Potenzial, das darin steckt, voll und ganz auszuschöpfen. Und das heiße, dass jetzt nicht nur der Bau an sich ein echtes Schmuckstück sei, sondern auch die Einrichtung.
Dabei ist die Besonderheit noch gar nicht mal diese Tatsache an sich, denn wenn Geld keine Rolle spielen würde, wäre es leicht, sich eine Topausstattung hineinzustellen. Die Kunst liegt darin, den „Wow!-Effekt“ auch „für schmales Geld“ zu erzielen, wie es Christian Wagner formuliert. Und hier ist man bei dem, was man geradezu als die „Kernkompetenz“ der Kolbermoorer Siedler nennen könnte. Die Einrichtung konnte nämlich günstig aus einer Versuchsküche bei München erworben werden, dank Eigenleistung so angepasst, dass sie zur perfekten Ausrüstung der „Siedlerfestgastronomie“ wird.
Womit klar ist: Die begehrten kulinarischen Höhepunkte sind dieselben wie immer, Kesselfleisch am Freitag, Grillgerichte am Samstag, jeweils ab 18 Uhr. Aber dank des (immer noch) neuen Hauses und der perfekten Einrichtung mit noch mehr guter Laune und Freude serviert – insofern das denn überhaupt möglich ist.
Bleibt dem Kolbermoorer Publikum also nur noch eines, worin es seinerseits aber ebenfalls Meister ist: zahlreich und voll freudiger Stimmung zu erscheinen. Die vier Jungen Hinterberger am Freitag und die Partygang am Samstag dazu tun.Johannes Thomae