Neues 3D-Wappen schmückt Kreisverkehr

von Redaktion

Ein neues Wahrzeichen hat den Kreisverkehr nahe dem Bahnhof in Kolbermoor bezogen. Das Stadtwappen ist dort nun als dreidimensionale Skulptur zu sehen. Das Gemeinschaftswerk entstand während der Schmiedebiennale und wurde am Freitag, 31. Juli, feierlich eingeweiht.

Immer schon ein Kerngedanke der Schmiedebiennale war es, dass der Nachwuchs hier in unmittelbaren Kontakt mit den Altmeistern des Faches kommen kann, wie hier mit dem Kolbermoorer Schmied Josef Still (rechts).

Kolbermoor – Was haben die Jahre 1913, 1934 und 2026 miteinander zu tun? Sie sind durch das Kolbermoorer Stadtwappen miteinander verbunden. 1913 wurde ein erstes Wappenrelief am alten Rathaus angebracht, 1934 legte das damalige bayerische Innenministerium die heute noch gültige Gestalt fest: drei Moorkolben, die aus schwarzem Untergrund hervorwachsen – beides Verweise auf die torfreiche und von Schilf bestandene Ursprungslandschaft. Im schwarzen Untergrund sind zudem zwei silberne Wellenbalken zu sehen, die für die Mangfall stehen. Seit einer guten Woche gibt es dieses Wappen nun auch in „3D“ zu sehen, als Skulptur inmitten des Kreisels bei der Tonwerksunterführung am Bahnhof.

Treffpunkt für
Europas Schmiede

Und auch diese Skulptur an sich hat eine Verbindung zur Kolbermoorer Stadtgeschichte, denn sie wurde im Rahmen der 15. Kolbermoorer Schmiedebiennale, deren Geschichte 1996, also vor 30 Jahren begann, fertiggestellt und eingeweiht. Gedacht war sie damals, so erzählt es der ehemalige Bürgermeister Peter Kloo, durchaus auch als neues identitätsstiftendes Element für die Stadt, denn die Spinnerei, die gut 130 Jahre lang das Selbstbild und Selbstverständnis Kolbermoors mitbestimmt hatte, ist seit 1993 Geschichte.

Die Biennale ist nun in der Tat längst dabei, die Rolle einer sinnstiftenden Größe in der Stadt zu übernehmen: Alle zwei Jahre wird Kolbermoor zu einem festen Anlaufpunkt für Schmiede aus ganz Europa, nicht zuletzt für den Nachwuchs im Schmiedehandwerk. Die jungen Schmiede werden in hochkarätigen Vorträgen mit der Zukunft ihres Handwerks vertraut gemacht, kommen beim gemeinsamen Arbeiten im Schmiedezelt nicht nur mit den Altmeistern ihres Gewerks, sondern auch untereinander in Kontakt. Und natürlich ist auch die Skulptur am Tonwerkskreisverkehr ein Ergebnis gemeinschaftlicher Arbeit, für die Michael Ertlmeier aus Dietramszell die Federführung übernommen hatte. Die Tatsache, dass bei ihrer Einweihung am Freitag (31. Juli) nicht nur die ganze Schmiedefamilie zugegen war, sondern auch zahlreiche Stadtratsmitglieder, spricht für ihre Bedeutung.

Überhaupt gilt: Die Schmiedebiennale, man kann es ohne Übertreibung sagen, ist ein Event, bei dem der europäische Gedanke so richtig spürbar wird. Und gerade die vergangene hat das wieder besonders deutlich gemacht. Die Schweizer Delegation, die seit Jahren schon während der Biennale-Tage ein besonderes Kunstwerk erstellt, das dann der Stadt Kolbermoor zum Geschenk gemacht wird, hat in diesem Jahr ein schmiedeeisernes Modell eines Donaufloßes erstellt: Als Reverenz gegenüber Österreich, das diesmal das Gastland der Biennale war, und auch, weil die Donau samt all ihrer Zuflüsse ein wahrhaft europäischer Strom ist, mit seit jeher völkerverbindendem Warenverkehr. Im und vor dem Rathaus ist übrigens noch bis Ende September eine Ausstellung mit Schmiedekunstwerken aus dem Gastland Österreich zu sehen, ergänzt jetzt durch das „schweizerische“ Donaufloß.

Auch sonst war auch diesmal in den Biennale-Tagen immer viel Symbolkraft enthalten. Etwa die Tatsache, dass beim Abschlusshöhepunkt, der Versteigerung von kleinen Kunstwerken, die während der Biennale entstanden, ein besonderes Werkstück von der jüngsten Teilnehmerin an dieser
Biennale stammte, der erst 14-jährigen Lena aus der Kupferschmiedefamilie Wirth aus Moosburg.

Nachwuchs
und Symbolkraft

Ihr Regal, das von einer Lampe gekrönt wird und dessen Zwischenböden aus Schallplatten bestehen, hat Bürgermeister Thomas Rothmayer ersteigert und der Musikschule zum Geschenk gemacht: Das Werkstück einer jungen Nachwuchsschmiedin zeigt, dass eines der ältesten Gewerke der Welt auch heute noch für junge Menschen reizvoll ist. Und es steht nun dort, wo junge Menschen mit einem Medium in Kontakt kommen, das ebenfalls über Einzelpersonen hinausgreift: der Musik.

Und was sich für die musikalische Erziehung in Kolbermoor fast von selbst versteht, ergänzte Thomas Rothmayer hinsichtlich der Schmiede durch ein ausdrückliches Bekenntnis: Solange er die Ehre habe, der Stadtgemeinschaft vorzustehen, so versicherte er, bleibe auch die Schmiedebiennale ein fester Bestandteil des Kolbermoorer Kulturlebens.

Artikel 4 von 5