Moshpit im Kolbermoorer Honigtopf

von Redaktion

Der Kolbermoorer Verein „Bienenhof MoorCulture“ hat am vergangenen Wochenende ein erfolgreiches Honigtopf-Festival veranstaltet. Musik, Kunst und viel Liebe zum Detail lockten knapp 500 Besucher an. Die Veranstalter zeigten sich hochzufrieden mit der friedlichen Stimmung auf dem fast ausverkauften Gelände.

Kolbermoor – Motivierte Festivalgänger radelten, geschmückt mit bunten Sonnenbrillen, Traumfänger-Ketten in den Haaren oder um den Hals, bunten Pluderhosen und gefransten Partytops, barfuß und mit klingelnden Fußkettchen – ready for the Rave – durch den Wald zum Theodor-Mayer-Weg nach Kolbermoor. Einige von ihnen tanzten schon auf dem Weg zum Honigtopf zwischen hohen Bäumen, bunten Lichtern und tiefen Bässen in Richtung Eingang.

Mit viel Liebe haben die fleißigen Bienchen vom „Bienenhof MoorCulture” e.V. ihren Vereinsgarten für das Festival dekoriert: vom Eingangstor bis in den verstecktesten Baumwipfel ihres Honigtopfs.

Ein buntes
Wimmelbild

Verantwortlich war dafür nicht zuletzt Michelle Walter. Für das Festival hat sie sich den Lichtinstallationen um den Techno-Dancefloor herum gewidmet. „Ob alles nach unseren Vorstellungen funktioniert, war bis zuletzt ein großes Fragezeichen“, erzählt Walter, „denn für eine Generalprobe war keine Zeit.“ Also lief die Perfektionistin von Installation zu Installation, um jeden Lichtstrahl auf den letzten Millimeter perfekt auszurichten. Da hatte der Rave längst begonnen. „Wahrscheinlich fällt niemandem auf, was ich hier sehe und in Ordnung bringen will“, lacht Lichtkünstlerin Walter.

Aber darum geht es auch nicht: Ihr Kunstwerk soll schließlich erst unberührt vor sich hinleuchten, wenn auch sie es für vollendet hält. Es ist diese Detailversessenheit, die die Besucher am Wochenende immer wieder Neues entdecken ließ: das hölzerne Abbild eines Bienenkopfes in einer Baumkrone, ein Busch, in den jemand ein Gesicht hineingeflochten hat, oder ein Fahrrad, das den Durchgang zum Techno-Dancefloor von oben schmückte – um hier einige wenige Eyecatcher aus dem großen bunten Wimmelbild zu nennen.

So fand am Wochenende jedes Mitglied des Kolbermoorer Bienenschwarms seine Aufgabe, die es mit nicht weniger Hingabe als Walter vollenden wollte: Wie die Arbeiter-Bienen, deren einzelne Handgriffe unglaublich wichtig für das große Ganze sind: den bunt tönenden Honigtopf – voll Kunst, Musik, lachender Menschen und schöner Begegnungen.

„Aus unserer Sicht ist am Wochenende alles gut gelaufen”, heißt es am Montagvormittag aus dem Kolbermoorer Rathaus. Bürgermeister Thomas Rothmayer und einige weitere Stadtmitarbeiter gesellten sich am Wochenende ebenfalls zum Bienenschwarm. So auch die Polizei, die dem Festival einen Routinebesuch abstattete, um dort ein friedlich feierndes Volk vorzufinden.

Beschwerden gingen bei der Stadt Kolbermoor nicht ein, auch wenn sich etwa Anwohner Gerhard Förster bei der OVB-Redaktion über den „gelinde gesagt schrecklichen Krach“ empörte, der von der Festival-Wiese herüberwehte. Grund zur Aufregung sieht Christian Poitsch, der Sprecher der Stadt Kolbermoor, jedoch nicht – es sei denn, in den kommenden Tagen trudeln noch Beschwerden ein. So mancher Festivalnachbar nahm die Einladung des Vereins wahr und schaute auf ein kühles Getränk im Grünen vorbei. Über ein diverses Publikum, sowohl bezüglich Musikgeschmack als auch Alter, freuten sich die Organisatoren.

Ein friedlich
feierndes Volk

Was Kunst betrifft, so sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden. Und auch Festival-Organisatorin Julia Fischbacher will das nicht leugnen: „Ich bin überhaupt keine Technomaus“, lacht sie. Dabei war das Honigtopf-Lineup teils doch recht techno-lastig. „Aber wenn mein kleiner Bruder am Mischpult steht, schaue ich trotzdem hin, tanze mit und bin unglaublich stolz.“

„Das ist unser Festival und wir machen hier die Musik und die Kunst, auf die wir selbst Bock haben“, erzählt Fischbacher weiter. Darum ergab sich aus den bunten Interessen des Bienenhof-Haufens ein vielfältiges Programm.

So stand der Freitag im Zeichen karibischer Reggae- und Dub-Musik aus den Soundsystem-Lautsprechern des Kollektivs Roots Iration, ergänzt um die Bad Aiblinger Dub-Kollegen von Mountain Riddim und Mista Wicked am Mikrofon. Währenddessen legten auf der anderen Seite des Festivalgeländes Cotrax Progressive Trance and Psytrance auf oder die Münchener „Garage Rock“-Band Thee Shirts forderte ihr Publikum zum Moshpit auf der hölzernen Honigwabe vor der Bühne auf. „Das ist echt das schönste Festival, auf dem wir je gespielt haben“, freut sich Thee Shirts Sänger Felix. Die Musik, die er und seine beiden Musikerkollegen Marcel und Leon in den Honigtopf hineinspielen, habe zwar tiefe und gesellschaftskritische Botschaften, „aber wir wollen die Menschen auch unterhalten und mit ihnen zusammen feiern und Spaß haben“, findet Bassist Leon. „Unser Ziel ist es, auf der Bühne eine gute Zeit zu haben und uns nicht den Druck zu machen, eine perfekte Show abzuliefern.“

Mit Blick auf die vergangenen Festivaltage bleibt Organisatorin Fischbacher nicht mehr viel zu sagen: „Es war uns ein Fest!“, freut sie sich, als allmählich Ruhe auf dem großen Bienenhof-Garten einkehrt. „Ich bin unendlich dankbar, Teil einer so herzlichen, vielfältigen und motivierten Gemeinschaft zu sein“, fasst Fischbacher zusammen.

„Das schönste Festival, auf
dem wir je gespielt haben“

Die Atmosphäre, die das insgesamt rund 160-köpfige Honigtopf-Team geschaffen hat, „war genau, was wir uns gewünscht haben“. So freuten sich die Organisatoren auch über einen fast ausverkauften Festivalsamstag: Knapp 500 Besucher fanden über das Wochenende verteilt den Weg in den Kolbermoorer Honigtopf, und es scheint, als dürften sich Liebhaber alternativer Kunst und Kultur auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr freuen.

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