Erfolg für „Ubald von Sternenburg“

von Redaktion

2.600 Besucher sehen das diesjährige Stück der Ritterschauspiele Kiefersfelden

Kiefersfelden – Mit der letzten Aufführung vor nahezu ausverkauftem Haus zeigten die Ritterschauspiele Kiefersfelden erneut, wie lebendig und kraftvoll diese jahrhundertealte Theaterform bis heute wirkt. Unter der Spielleitung von Sebastian Bleier entstanden Theaterabende, die die besondere Wirkung des historischen Hauses eindrucksvoll sichtbar machten.

Tief im Dorf
verwurzelt

Eine Besonderheit der Kiedersfeldner Ritterschauspiele: In den Programmen werden traditionell nicht die bürgerlichen Namen der Darsteller genannt, sondern ausschließlich die Rollenfiguren. Diese Praxis betont den Gemeinschaftscharakter des Spiels und die Verwurzelung der Theatertradition im Dorf.

Das Stück geht auf Sylvester Greiderer (1852 bis 1924) zurück, der das Kiefersfeldener Ritterschauspiel über Jahrzehnte prägte. Heuer wurde seine Fassung behutsam gekürzt und in drei Akten neu arrangiert. Die Straffung bündelt die Konflikte und verleiht dem Stück ein konzentriertes Tempo.

Bleier führte sein Ensemble mit ruhiger Hand. Klare Figurenführung, straffe Tempi und fein gesetzte Pausen prägen den Abend. Die musikalischen Übergänge spielte ein kleines Ensemble der Musikkapelle.

Die Entscheidung, die Hauptrollen neu zu besetzen, erwies sich als klug. Neue Gesichter trugen die emotionalen Wendungen mit Klarheit und Präsenz. Die Intrigenszenen wirkten konzentriert, die Begegnungen zwischen Ubald und Rosa sensibel geführt. Eine besondere Farbe erhielt der Abend durch Ciprian, den Diener auf Altenburg, die traditionsreiche Kasperl-Figur des Hauses. Während das übrige Ensemble hochdeutsch spielte, sprach Ciprian im kräftigen bairisch-tirolerischen Dialekt. Diese Brechung schuf eine direkte Verbindung zum Publikum und lockerte die ernsten Szenen auf.

Die Sprache folgt einer stilisierten hochdeutschen Bühnenaussprache aus der romantischen Theatertradition des 19. Jahrhunderts. Das kräftig artikulierte, oft gerollte „R“ verleiht den Dialogen eine besondere Klangfülle. Ein eindrucksvolles Bild bot die große Szene der Zigeuner, die mit zahlreichen Statisten – darunter viele Kinder – die gesamte Bühne füllten. Die lebendige Gruppenszene brachte Bewegung und Farbe in den Abend und zeigte, wie stark das Ritterschauspiel von der Mitwirkung aller Generationen lebt.

Die Aufführung profitierte erneut von der historischen Drehkulissenbühne, deren handbetriebene Mechanik seit Jahrhunderten das Zentrum des Kiefersfeldener Ritterschauspiels bildet. Präzise Kulissenwechsel, Kostüme im Geist des 19. Jahrhunderts und eine zurückhaltende Lichtführung verliehen dem Abend eine authentische Patina.

Die Atmosphäre im Theaterstadl entsteht aus der unmittelbaren Nähe zwischen Darstellern und Publikum. Die Enge des Raumes, die handbetriebene Bühne und die sichtbare Gemeinschaftsleistung verliehen den Aufführungen eine Intensität, die moderne Häuser kaum erreichen. Das Publikum reagierte mit hörbarer Anteilnahme und wiederholtem Szenenapplaus.

Insgesamt neun Aufführungen standen heuer auf dem Spielplan. Rund 2.600 Eintrittskarten konnten verkauft werden – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als gut 2.500 Besucher gezählt wurden. Vereinsvorsitzender Michael Dünkel zog nicht nur aufgrund der Zahlen ein positives Fazit: „Wir sind sehr zufrieden mit den Aufführungen.“ Besonders erfreulich sei, dass der Zuspruch vor allem der Mundpropaganda zu verdanken sei: „Die Menschen reden über das Theater – und sie kommen.“ Am Ende bedankte sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus.

Auszug aus
dem Theater

Traditionell schloss sich nach dem letzten Vorhang ein kurzer Auszug des gesamten Teams unter musikalischer Begleitung an – ein Ritual des Hauses, das die besondere Gemeinschaft sichtbar macht. So endete ein Abend, der die historische Form des Ritterschauspiels nicht nur bewahrte, sondern mit Sorgfalt neu belebt hat.

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