Traunstein – Die gesamten 46. Traunsteiner Sommerkonzerte sind geprägt durch einen Fokus auf das Violoncello. Das Instrument besticht durch seine unglaubliche Variabilität des Klangs, seine Ursprünglichkeit und seine Nähe zur menschlichen Stimme.
Wer braucht
schon Bläser?
Beim fünften Sommerkonzert spielten ausschließlich fünf, später sechs Cellisten zwei berühmte Orchesterwerke des tschechischen Komponisten Antonín Dvořák (1841 bis 1904), denen es scheinbar mühelos gelang, ein ganzes Orchester einschließlich der Bläserstimmen zu spielen.
Das Cellokonzert h-Moll Opus 104 von Dvořák gehört zu den bekanntesten Cellowerken überhaupt. Es entstand Ende 1894 bis Februar 1895 in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Die in der Klosterkirche gespielte Fassung schrieb der Cellist Paul Handschke während der Corona-Pandemie für fünf Celli um, weil nur Kleingruppen von Musikern damals proben durften. Dieses Kammermusikensemble bedeutete eine Veränderung der Klangfarben des Stücks und einen intimeren Charakter.
Bei der Aufführung in der Klosterkirche spielte Maximilian Hornung das Solo-Cello, und vier weitere kongeniale Cellisten von Weltrang ersetzten die Stimmen des Orchesters, nämlich Paul Handschke selbst, Anna Tyka Nyffenegger, Benjamin Nyffenegger und Thomas Grossenbacher, der über 26 Jahre Erster Solocellist im Tonhalle-Orchester in Zürich war und viele internationale Wettbewerbe gewann. Wenn man die Augen schloss, konnte man ohne Weiteres ein ganzes Orchester spielen hören – unfassbar, wie variabel, kraftvoll, einfühlsam und mit einem unerschöpflichen Spektrum an Klangfarben die Celli spielten. Dvořáks komplexe Gefühlswelt kommt zum Beispiel durch sein hier zitiertes Lied „Lasst mich allein“ zum Ausdruck, das er 1888 seiner kürzlich verstorbenen Schwägerin gewidmet hatte.
Nach der Pause stand Antonín Dvořáks wohl berühmtestes Werk „Aus der neuen Welt“, die Sinfonie Nr. 9 e-Moll, Opus 95, auf dem Programm, hier in der Fassung für sechs Celli, umgeschrieben von Paul Handschke. Verarbeitet werden die für den Komponisten gänzlich neuen Eindrücke aus Amerika, „der neuen Welt“. Auch dieses Werk entstand 1894 in Amerika. Ein fremdartiger Reiz geht von ihrer blühenden Melodik aus, angeregt von den Spirituals der schwarzen Bevölkerung und den Weisen der nordamerikanischen Ureinwohner.
Allerdings verwehrte sich Dvořák ausdrücklich dagegen, amerikanische Volksweisen und Tänze direkt verwendet zu haben: „Ich habe nur im Geist dieser Nationalmelodien komponiert“, schrieb er. Die besondere Wirkung der Musik ergibt sich aus der gelungenen Verschmelzung von Elementen tschechischer und amerikanischer Volksmusik in der Form einer europäischen Sinfonie. Im freudigen Ausklang, dem Allegro con fuoco, geht es mit dem dominierenden Hauptthema des ersten Satzes zurück in die Heimat: Der Reisende kehrt mit Impressionen „Aus der neuen Welt“ zurück nach Hause.
Minutenlanger
Applaus
Nach dem letzten Ton herrschte sekundenlange Stille im ausverkauften Saal, bevor der Jubel losbrach mit Bravorufen, stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus.