Kultur in kürze

von Redaktion

Peter Stein wird am Sonntag 80

In Deutschland macht sich Peter Stein (Foto: Rainer Jensen/ dpa) ziemlich rar. Der Marathonmann des Theaters – bekannt unter anderem für seine 21-stündige Inszenierung von Goethes „Faust“ – brachte zuletzt zahlreiche Opern auf die Bühne. Er inszeniert an den großen Häusern von Mailand bis Wien. Im Sommer zeigte Stein im römischen Theater von Verona Shakespeares „Richard II.“. In Deutschland war der in Italien lebende Regisseur zuletzt 2013 mit Becketts „Das letzte Band“ zu sehen – in Neuhardenberg bei Berlin inszenierte  er das Solodrama mit Klaus Maria Brandauer.

Am Sonntag feiert der Theatermacher seinen 80. Geburtstag. Untrennbar wird der Name Stein immer mit der Berliner Schaubühne verbunden bleiben. Unter seiner Leitung wurde dort Theatergeschichte geschrieben. Steins in den Siebziger- und Achtzigerjahren entwickelter Stil war wegweisend: die vorsichtige, respektvolle Annäherung an Werke, die psychologisch genaue Deutung von Texten. An der Schaubühne am Halleschen Ufer (und später am Lehniner Platz) erspielten sich unter der Regie von Stein Schauspieler wie Bruno Ganz, Angela Winkler, Jutta Lampe, Otto Sander, Edith Clever, Corinna Kirchhoff und Peter Simonischek Weltruhm.

Stein gilt als leidenschaftlich, zäh und rebellisch. Der Regisseur hält sich meist im Hintergrund, verbeugt sich nicht gerne vor dem Publikum und gibt nur selten Interviews. Im Rückblick auf die Schaubühnen-Zeit zeigte er sich aber dennoch einmal öffentlich stolz: „Ich habe mit der Schaubühne das einzige selbstbestimmte Theater in der Geschichte des deutschen Theaters geleitet.“ Steins Inszenierungen bekamen Kultcharakter: darunter Ibsens „Peer Gynt“ (1971), Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ (1972), Gorkis „Sommergäste“ (1974) und Tschechows „Drei Schwestern“ (1984). Vor allem die Beschäftigung mit Tschechow prägte Stein. „Dort lernt der Schauspieler das Herz des Theaters kennen, es ist die höchste Prüfung für jeden Schauspieler.“

Die Theaterkarriere des gebürtigen Berliners begann 1964 an den Münchner Kammerspielen. Dort war er Regie- und Dramaturgieassistent von Hans Schweikart, August Everding und Fritz Kortner. Gleich mit seiner ersten Inszenierung „Gerettet“ (1967) von Edward Bond sorgte Stein für Aufsehen. 1968 wurde er gekündigt, als er im Anschluss an Peter Weiss’ „Vietnam-Diskurs“ unter den Zuschauern für die vietnamesische Befreiungsfront sammeln wollte. Über Zürich und Bremen kam Stein 1970 zur Schaubühne. An Ruhestand denkt Peter Stein nicht. Am 15. September 2018 werde in Paris eine „Tartuffe“-Inszenierung von ihm Premiere haben, kündigte Stein an. Elke Vogel

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