Musik im digitalen Spiegel

von Redaktion

Musica Viva, Herkulessaal

Mit einem „Happy Birthday“ in Moll beginnt die dritte Symphonie von Wilhelm Killmayer, was dem Orchesterkonzert der Musica Viva eine besondere Note gibt. Am 20. August, einen Tag vor seinem 90. Geburtstag, starb der Münchner Komponist, sein mit „Menschen-Los“ untertiteltes Werk rollt nun mit fast programmmusikalischer Ausdruckskraft ein Leben auf: von tastend spielerischer Jugend über eine kraftvolle Steigerung des Ausdrucks bis ins Verlöschen. Beim warm aufbrandenden Applaus weist Dirigent und Komponisten-Kollege Jörg Widmann auf die Partitur und schickt Killmayer einen Gruß nach oben.

Nach der kraftvollen, energischen Deutung mit dem BR-Symphonieorchester kehrt der Multimusiker mit seiner Klarinette auf die Bühne des Herkulessaals zurück, um das für ihn geschriebene „Phantasiestück“ von Gerhard E. Winkler aufzuführen. „Black Mirrors III“ spielt mit dem Verwischen von Realität und Virtualität. Die von Widmann mit unglaublich physischer Präsenz und Musikalität erzeugten Klänge manipuliert der österreichische Komponist elektronisch in Echtzeit zu digitalen Spiegeln des realen Klangs. Nach der Pause dirigiert Widmann mit dem „Dritten Labyrinth“ für Sopran (Sarah Wagner) und Orchestergruppen eine Eigenkomposition. Diffuse Klangflächen ohne Ausgang werden ausgekundschaftet, Richtungen eingeschlagen und abgebrochen. Kein roter Faden weist dem Hörer den Weg aus dem geräuschhaften Irrgarten. Am Ende Buhs und Bravi. anna schürmer

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