KONZERTKRITIKEN

Nicht von dieser Welt

von Redaktion

Tori Amos, Philharmonie Vorbands kommen in Kritiken selten vor, oft aus gutem Grund. Das Konzert von Tori Amos am Samstag in der Münchner Philharmonie aber ist kein normaler Abend gewesen. Die Vorband Bell X1 ist die Trägerrakete des Raumschiffs namens Tori Amos: Paul Noonan, Dave Geraghty und Dominic Philips aus Dublin sorgen mit wunderschönen Akustikversionen einiger ihrer Songs für die ersten Gänsehautmomente bei den 1500 Zuhörern. Wow, damit hat hier niemand gerechnet!

Nach kurzer Umbaupause stakst Tori Amos in High Heels, mit wehendem Haar und Kleid auf die Bühne, eine riesige Katja Ebstein-Gedächtnisbrille auf der Nase. Allein ihr Gang zum Hocker zwischen Klavierflügel und Elektropiano veranlasst das Publikum in den ersten Reihen aufzuspringen und zu jubeln. Tori Amos ist eine Erscheinung aus einer anderen Welt. „Native Invader“ heißt ihr neues Album samt Tour, die in Cornwall lebende Amerikanerin ist seit jeher ein „geborener Eindringling“: Sie kommt in unsere normale Welt und nimmt uns mit in andere wundervolle und unendliche Sphären. Zwischen den Klavieren sitzend, singt sich die 54-Jährige glasklar durch ihre Karriere, spielt mit einer Hingabe, als wäre sie eins mit den Tasten, sortiert nach jedem Song ihre Zettel und Noten neu, als sei sie getrieben von der Aufgabe, die Welt zu retten. Das schafft zwar selbst eine Ikone wie Tori Amos nicht – stattdessen macht sie die Passagiere ihres Raumschiffs für 100 Minuten restlos glücklich. armin rösl

Artikel 7 von 11