Ungewohntes

von Redaktion

Thea Djordjadze mischt die Graphische Sammlung auf

Von Alexander Altmann

Am liebsten möchte man sich sofort hinlegen, so flauschig-weich wirken die marokkanischen „Stammesteppiche“, die über Boden und Sitzbänke ausgebreitet sind. Aber auch wenn liegen vielleicht nicht so gerne gesehen wäre – Platz nehmen darf man zumindest auf den mit dickem Flor bedeckten Bänken. Und das ist auch ratsam. Denn in Thea Djordjadzes Ausstellung „Inventur SGSM“, die von der Staatlichen Graphischen Sammlung in der Pinakothek der Moderne gezeigt wird, hängen die Exponate nicht wie gewohnt auf Augenhöhe, sondern sind quasi tiefergelegt, sodass man sie erst sitzend richtig im Blick hat.

Damit wird klar: Eine „reguläre“ Schau ist das nicht. Denn die Grafiken prominenter Künstler der jüngeren Zeit, die Djordjadze nach persönlicher Vorliebe aus den reichen Beständen der Graphischen Sammlung München (SGSM) ausgewählt hat, all diese Blätter von Blinky Palermo, Isa Genzken, Fred Sandback und vielen anderen, sind hier nur Teil eines Environments. Die Georgierin Djordjadze, Jahrgang 1971, ist eine bekannte Installationskünstlerin, die 2012 an der Documenta teilnahm. Und diesmal hat sie Werke von Kollegen in ein Arrangement mit eingebaut, in der eigentlich die körperliche, materielle Dimension unserer Begegnung mit Kunst erfahrbar werden soll.

Muss man sich im Museum immer die Beine in den Bauch stehen, oder sollte man sich dort auch mal bequem auf den Flokati fläzen dürfen? Nehmen wir Kunstwerke anders wahr, wenn wir, statt warm und weich auf dem Stammesteppich zu sitzen, auf einer kalten Eisenbank hocken wie arme Sünder? Solche Fragen gehen einem in dieser Installation durch den Kopf, für die Thea Djordjadze tatsächlich harte Eisenbänke hat anfertigen lassen, die eben nur teilweise mit Teppichen belegt sind. Und nicht auf weißem Putz, sondern in flachen, verglasten Eisenkästen, die schräg an der Wand stehen, werden hier auch die Grafiken präsentiert – sozusagen als eiserne Kunstreserve im Sicherheitsregal.

Als eiserne Lady sollte man die Künstlerin dennoch nicht apostrophieren, weil sie das harte Metall eben in bewussten Gegensatz zu weichen Materialien bringt. Das geht schon im Vitrinen-Gang los, durch den man in die Ausstellungsräume gelangt. Hier hat Djordjadze alle Schaukästen mit Stoff ausgekleidet und die Glasscheiben davor stellenweise mit lasierendem Weiß zart angepinselt, wodurch die gepolsterte Leere in den Vitrinen mit dem Reiz des Geheimnisvoll-Unscharfen aufgeladen scheint. So wird der Besucher in eine Stimmung seltsam wattierter Neugier versetzt. Aber weil derart ungewöhnliche Empfindungen nicht nur interessant, sondern immer auch anstrengend sind, würde man eben nur allzu gern der Verlockung folgen, sich auf den Teppichen behaglich auszustrecken.

Bis 14. Januar,

Di.-So. 10-18, Do. bis 20 Uhr; Telefon 089/ 23 80 53 60.

Artikel 7 von 7