Das Modell des Konzerthaus-Siegerentwurfs haben noch gar nicht alle Abgeordneten gesehen, da kommt schon Furcht auf vor diesem Mammutprojekt. Maximal 370 Millionen Euro soll der Prestigebau des Freistaats im Münchner Werksviertel kosten. Schon jetzt, nach dem Architektenwettbewerb, gibt es aber Zweifel, ob es am Ende dabei bleibt. Die Kostenexplosion bei der Hamburger Elbphilharmonie wird genannt, ebenso Verzögerungen und Mehrkosten bei der Sanierung des Münchner Gärtnerplatztheaters. Die Mahnung im Landtag ist klar: Gebt Obacht, dass aus dem Projekt kein bayerisches Milliardengrab wird – sonst ist der Geldhahn sofort zu.
Dass die Minister Joachim Herrmann und Ludwig Spaenle (beide CSU) keine zwei Wochen nach Ende des Wettbewerbs dem Finanz- und dem Kunstausschuss Rede und Antwort stehen, kommt gut an. Kritische Fragen, wann Aussagen zu den tatsächlichen Kosten des Siegermodells vom Bregenzer Büro Cukrowicz Nachbaur möglich sind, gibt’s trotzdem – auch aus den eigenen Reihen.
Für Ernst Weidenbusch, CSU-Haushaltspolitiker, sind maximal 370 Millionen Euro „festgesetzt“. Mit Blick auf das Jury-Urteil sagt er, er nehme „die Entscheidung eines Gremiums zur Kenntnis, das die Rechnung nicht bezahlen muss“. Er sei aber nicht bereit, Kostensteigerungen hinzunehmen, „falls unprofessionell gearbeitet wird“ – deutliche Worte. CSU-Kollege Karl Freller empfiehlt dagegen, die 370 Millionen „wieder verschwinden zu lassen“, daran könne man sich noch nicht messen.
Weidenbusch bleibt dabei: Die Haushälter würden nicht danach entscheiden, „wie das Ding von außen ausschaut“, sondern denjenigen Entwurf wählen, „der die Vorgaben einhält“. Das ist den Wettbewerbsteilnehmern kaum geglückt: Viele der 31 Vorschläge ignorierten (wie bei Wettbewerben üblich) die Vorgaben, was Flächengröße, Höhe und Geld angeht, kritisiert Harald Güller (SPD).
Laut einer ersten Analyse von Fassade und Tragwerk ist der Siegerentwurf der neuntbilligste. Die Kosten wären nach dem Plausibilitätscheck wohl haltbar, sagt Projektbeauftragter Daniel Oden. Aber ohne Gewähr: Ausgerechnet das Herzstück, der Konzertsaal mit seiner komplizierten Akustik, konnte nicht untersucht werden, weil die Pläne in dem frühen Stadium dazu nicht taugen. „Es gibt eine gewisse Unwägbarkeit.“ Das war auch ein Problemgrund bei der Elbphilharmonie.
Thema auch ist die Anbindung an den Nahverkehr. Die müsse „in den Vordergrund gerückt werden“, sagt Thomas Mütze (Grüne). Freller mahnt Stadt und Bahn zu einer Aufwertung des gesamten Ostbahnhofsviertels. „So schäbig“ dürfe das Entree nicht bleiben, wenn der Konzertsaal zu einem Aushängeschild werden soll. Denkbar ist ein Verbindungsgang oder eine Brücke über die Gleise. Auch die Kosten dafür sind unklar.
Ebenso gibt es Debatten zur Größe des Konzerthauses – es bräuchte momentan Ausnahmegenehmigungen. Sollte es Spielraum geben, müssten für die Hochschule für Musik mehr Räume geplant werden, schlägt Oliver Jörg (CSU) vor.
Eine Intendanz wird das Konzerthaus wohl nicht bekommen. Die sei unpassend, sagt Spaenle, da der Nutzerkreis mit dem Symphonieorchester des BR, der Musikhochschule und Privatanbietern sehr breit sei. Es laufe auf ein „Mischmodell“ hinaus – auch das eine Kostenfrage.