Es war ein Gipfeltreffen, wie es so wohl nur selten zustande kommt. Kein Wunder, ist Daniel Barenboim doch heutzutage meist eher am Dirigentenpult zu erleben. In eben jener Saison, in der sie beide ihren 75. feiern, fanden er und Mariss Jansons jedoch im Münchner Gasteig zusammen, um gemeinsam Beethovens fünftes Klavierkonzert zu interpretieren. Oder besser: zu zelebrieren. Wollte man ein Motto für diesen Abend finden, es wäre wohl in erster Linie das Gütesiegel des gegenseitigen Respekts, der hier von der ersten Note an spürbar wurde. Denn selbst, wenn die beiden vom Temperament her verschieden geartet sein mögen, erlebte man keineswegs das Aufeinanderprallen zweier Egos, sondern beinahe durchweg ein homogenes Miteinander, bei dem nicht erst zum verdienten Schlussapplaus immer wieder anerkennende Blicke zwischen Flügel und Pult gewechselt wurden.
Vor allem Jansons präsentierte sich dabei als der große Ermöglicher, der das dynamisch überaus fein schattierte Spiel Barenboims mit den in Höchstform agierenden Streichern des BR-Symphonieorchesters flexibel stützte und seinem Solisten die Chance bot, Pianissimi bis an die Grenze des Wahrnehmbaren auszuloten. Eine Tugend, die besonders im Adagio zum Tragen kam. Mochten sich in den schnellen Läufen auch immer wieder einmal kleine technische Unsauberkeiten einschleichen, dominierte am Ende dennoch die Autorität, mit der Barenboim diese über Jahrzehnte aus zwei Perspektiven geschulte Interpretation formte.
Ganz seinen eigenen Gedanken folgen konnte Mariss Jansons schließlich im zweiten Teil des Abends, welcher Sergei Prokofjews Fünfter gewidmet war. Wobei es dem Dirigenten gelang, die patriotisch gefärbte Sinfonie aus Kriegstagen wohltuend zu erden. Spürte er bei diesem oft alles andere als subtil instrumentierten Werk neben den heiter optimistischen Einwürfen doch mit ähnlich scharfem Blick ebenso den düster bedrohlichen Momenten nach, die dann das über der Partitur schwebende Pathos in einen neuen Kontext setzten. Tobias Hell