Ein Peter Turrini nach Jahrzehnten wieder in München. Und nicht am Residenztheater oder den Kammerspielen – dort war zuletzt 1989 Turrinis Drama „Die Minderleister“ (1988) zu sehen –, sondern, und das erstmals, in Thomas Peknys Komödie im Bayerischen Hof! Dazu ein zweites Komödien-Debüt: August Schmölzer (Jahrgang 1958), bekannt aus Schauspiel, Film und Fernsehen, ist Jutta Speidels Partner in Turrinis ganz spezieller Weihnachtsgeschichte „Josef und Maria“ (1980, Neufassung 1998), inszeniert von Peter M. Preissler. Wir sprachen mit dem österreichischen Schauspieler über seinen Werdegang und das Stück.
Wie zu erwarten nimmt Turrini auch in „Josef und Maria“ die Gesellschaft kritisch ins Visier, hier allerdings auf eher milde Weise. Maria Patzak, Gelegenheitsputzfrau, die früher im Varieté auftrat, und Alt-Kommunist und Freidenker Josef Pribil, Aushilfe bei der Wach- und Schließgesellschaft, sind zwar Verlierer in einer kapitalistisch orientierten Welt. Aber es hat doch etwas Versöhnliches, wie sich die beiden persönlich nahe kommen bei ihrer nach Ladenschluss beginnenden Arbeit im Kaufhaus. Und das, Turrini weiß, was er tut, am Abend vor Weihnachten, dem Fest der Liebe und des Friedens. Übrigens wurde „Josef und Maria“ 1983 als Inszenierung des Münchner Volkstheaters stückgerecht im großen Hertie-Kaufhaus gegenüber dem Hauptbahnhof aufgeführt.
Nun also dieses in das je eigene harte Leben eintauchende Nacht-Gespräch zweier einsamer Seelen auf einer Boulevardbühne. „Dieser Turrini ist Thomas Peknys mutiger Versuch, die Münchner Komödie etwas breiter aufzustellen. Mir ist es im Grunde egal, wo ein Stück stattfindet. Der Inhalt zählt, der Mensch“, meint August Schmölzer. „Hier treffen zwei Menschen aufeinander, die durch ihre Zeit verbogen wurden, durch eine lieblose Kindheit, die Kirche und den Kommunismus. Jeder der beiden redet zu Beginn für sich allein, beschäftigt mit dem eigenen Schicksal. Aber am Ende, wenn er sie im Tanz zärtlich an sich drückt, ist die Grenze Einsamkeit überwunden.“
So ganz leicht hat es August Schmölzer, Bauernsohn aus der Weststeiermark, zunächst auch nicht gehabt. Zuerst war da eine Lehre als Koch. Aber auch schon die Musik. „Ich war Oberkrainer Musikant, spielte Gitarre. Ein Bekannter, der Komponist Maximilian Kojetinsky, brachte mich auf die Idee, ins Schauspiel zu gehen“, erzählt er. „Damals haben mich neunundneunzig Prozent der Leute um mich herum für verrückt gehalten. Aber ich höre immer auf den inneren August Schmölzer. Und der hat mich noch nie falsch beraten.“ Wie seine Karriere bestätigt.
Nach dem Schauspielstudium an der Kunst Universität in Graz und dreieinhalb Jahren am Theater Heilbronn, holt ihn Boy Gobert ans Wiener Theater in der Josephstadt. Es folgen Zusammenarbeiten mit weiteren renommierten Regisseuren wie Otto Schenk, Rudolf Noelte, Martin Kušej, Peter Stein und Andrzej Wajda mit vielen Ortswechseln zwischen Wien, Salzburg, Stuttgart, Hamburg und München. „Ich war früh freischaffend“, erklärt er seinen nomadisierenden Beruf. „Dann kam ja auch das Fernsehen auf mich zu. Das war für mich eine andere, eine neue Art, Geschichten zu erzählen. Mit Rollen auch in Kinofilmen habe ich mich schließlich mehr und mehr vom Theater zurückgezogen.“ Er sei nicht so ein Ensemble-Mensch, verrät er. Und vertrage es auch nicht, wenn man ihm seine Rolle vorspiele, ihm Anweisungen gebe. „Ich lerne den Text nicht gleich auswendig, sondern lese ihn immer wieder. Lese ihn laut und leise, bis ich ihn verstehe. Dann geht es auf die Probe, wo sich die Rolle nach und nach entwickelt.“
Schmölzer, das hört man bei ihm durchgehend heraus, ist ein selbstbestimmter Mensch und Künstler. Regisseur Otto Schenk hat ihm da wohl besonders entsprochen. „Otto Schenk verehre ich deshalb sehr, weil er ein ungeheures spielerisches Potenzial hat“, zollt er dem berühmten Landsmann Anerkennung. Und es ist diese Lust am Spielerischen, die August Schmölzer beim Schreiben inspiriert. „Ich habe schon sehr früh Dialektgedichte geschrieben. Und so ein weißes leeres Blatt vor sich zu haben und aus dem Stand eine Geschichte zu erfinden, in der Art, wie Astrid Lindgren für ihre kranke Tochter Geschichten erfunden hat, genau das interessiert mich“, gibt der Schauspieler den inneren Schmölzer preis. So sind unter anderem Kurzgeschichten und Radio-Essays erschienen. Sein Roman „Der Totengräber im Buchsbaum“ (Merlin Verlag Hamburg) wird 2018/19 durch die Film27 mit Peter Keglevic als Regisseur verfilmt. Aber zunächst ist man gespannt, wie spielerisch er seinen Josef gestaltet.
Die Premiere
ist am 22. November in der Komödie im Bayerischen Hof; gespielt wird bis zum 7. Januar 2018; Karten unter Telefon 089/ 29 16 16 33.