Das „Konzert für Orchester“ von Zoltán Kodály ist voller schillernder Farben, mit Anleihen aus dem Barock und, wenn auch weniger als bei anderen seiner Werke, aus der ungarischen Volksmusik. Dem Leben einzuhauchen und Spannung zu verleihen, ist die große Kunst bei dieser Musik. Cristian Macelaru gelingt das am Pult des Bayerischen Staatsorchesters im Münchner Nationaltheater nur bedingt. Vor allem zu Beginn offenbaren sich Unebenheiten im Zusammenspiel, die sich erst später glätten. Vieles plätschert dahin, gerät dynamisch undifferenziert. So verpuffen selbst effektvolle Stellen wie das Finale.
Solche weiß Francesco Piemontesi im zweiten Klavierkonzert von Franz Liszt meisterhaft herauszuarbeiten. Er macht sich zur erzählenden Hauptfigur einer Geschichte mit allem, was dazugehört: drastische Brüche, schillernde Intimität, pochende Vehemenz. Bei all dem horcht er in das Orchester hinein, wird auch zur Einheit mit ihm. Herrlich, wenn das Zusammenspiel so gelingt wie beispielsweise im Allegro moderato mit dem Solocellisten Jakob Spahn. Piemontesi stellt seine Virtuosität in den Dienst der Dramatik. Er macht sie zur substanziellen Gefühlsäußerung. So wird Liszts Klavierkonzert zum Ereignis.
„Der holzgeschnitzte Prinz“ ist ein Ballett von Bela Bartók. Raffiniert illustriert er Szenen, süß-zauberhaft, wenn der sich bewegende Wald von einer tiefen Streichermelodie porträtiert oder der Tanz der Holzpuppe durch „Col legno“-Spiel („mit dem Holz“) verdeutlicht wird. Aber Bartók macht auch die seelischen Brüche und Verzweiflungen der Figuren erlebbar, gibt der Natur in Debussy-hafter Weise Raum. Macelaru arbeitet diese Details mit dem Staatsorchester eindrucksvoll heraus und macht klar, dass das Werk zu Unrecht so viel seltener als „Der wunderbare Mandarin“ oder „Herzog Blaubarts Burg“ zu hören ist.