Die Menschen im Münchner Prinzregententheater wollen die Franui Musicbanda gar nicht mehr gehen lassen. Aber nach zwei Zugaben lassen die Tiroler schließlich wissen: „Je länger der Abend, desto weniger CDs verkaufen wir hinterher.“ Ein Stück wird dann trotzdem noch drangehängt, weil es gar so herrlich ist mit den Trauermärschen. Das Programm „Frische Ware“ ist umschrieben als „93 Minuten Trauermusik, zwischen Schubert, Mahler und der Tradition ländlicher Blaskapellen“. Und zwar gespielt von einem Ensemble, in dem Tuba, Klarinette, Harfe, Hackbrett, Geige, Akkordeon und andere Instrumente vogelwild zusammengewürfelt sind.
Das klingt nach einer völlig unmöglichen Aufgabe. Die österreichischen Klangfetischisten freilich lösen das so unangestrengt wie originell. Es funktioniert, und zwar so berückend schön, dass man tatsächlich nicht mehr genug bekommt von den Weisen über den Tod. Das Erfolgsgeheimnis verrät der musikalische Leiter Andreas Schett dann zwischendrin: „Früher haben wir uns Gedanken gemacht. Jetzt nicht mehr.“ Denn der griechische Philosoph Heraklit habe Recht gehabt: Es ist alles eins. Wenn man eine Polka sehr langsam spiele, höre man plötzlich einen Trauermarsch, obwohl es sich doch um dieselbe Musik handele.
Und so fertigt Franui Musicbanda „nachträgliche Originale“ an, die in Wahrheit sehr raffinierte Variationen sind und bei denen unmöglich zu bestimmen ist, wo genau externe Inspiration und eigene Ideen ineinanderfließen. Seit bald 25 Jahren widmet sich das Ensemble mit Hingabe dieser Herausforderung, und längst haben die Musiker eine Meisterschaft entwickelt, die einen sprachlos zurücklässt. Wie magisch ein Hackbrett und gezupfter Kontrabass klingen können, ganz ohne andere Begleitung, ist ebenso faszinierend wie das erstaunliche Volumen, das eine einzige Geige zu entwickeln vermag. Sagenhaft gut, diese Totenlieder. Zoran Gojic