Die Staatsoper Stuttgart, eines der wichtigsten Häuser der Republik, steht vor der schwierigsten Phase der vergangenen Jahrzehnte – das Stammhaus am Schlossgarten muss renoviert werden. Doch Opern- und Ballettfreunde sollen mindestens vier weitere Jahre den sanierungsbedürftigen Altbau besuchen dürfen, dies wurde jetzt bekannt. „Das sind noch vier Spielzeiten“, betonte der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks. Die Staatstheater befürchten, dass wegen der öffentlichen Debatte um die Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Bauwerks und um eine Ausweichspielstätte Theaterfreunde fern bleiben.
Der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater kommt am heutigen Montag in Stuttgart zusammen, um einen offiziellen Beschluss über die Ausweichspielstätte im früheren Paketpostamt zu fassen. „Ich bin froh darüber, dass es nach der einzig richtigen Entscheidung nun hoffentlich auch bald einen politischen Beschluss dazu gibt“, sagte Hendriks. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis des Landes und der Stadt.“ Beginnen könnte die auf sieben Jahre angelegte Generalsanierung demnach 2021. Die Kosten werden auf 400 Millionen Euro geschätzt.
Als nächstes dürfte der Verwaltungsrat eine Ermittlung der genauen Kosten für den Umbau des Paketpostamtes und im Laufe des nächsten Jahres wohl auch die internationale Ausschreibung für den Architektenwettbewerb auf den Weg bringen. Geplant ist der Wettbewerb bisher nur für die Sanierung. Ob es auch einen für die Ersatzspielstätte geben wird, ist offen. Nach Schätzungen geht es beim Ausweichspielort um Kosten von 50 Millionen Euro unter anderem für neue Haus- und Gerätetechnik und den Brandschutz. „Es werden aber auch rund 1000 Arbeitsplätze bewegt“, teilte Hendriks mit.
Ohnehin steht die Staatsoper vor einem großen Umbruch, und zwar in künstlerischer Hinsicht. Zum Ende der Spielzeit verlässt Intendant Jossi Wieler das Haus. Auf ihn folgt Viktor Schoner, bislang Künstlerischer Betriebsdirektor der Bayerischen Staatsoper. Er wird damit ein „Umbau-Intendant“, ein Los, das er mit Josef Köpplinger am Gärtnerplatz (der hat diese Phase allerdings gerade hinter sich) und Birgit Meyer in Köln teilt. Die Stuttgarter befürchten auch, dass sie durch die Sanierungsphase an künstlerischem Potenzial einbüßen. Nächste Premiere am Neckar ist übrigens am kommenden Sonntag Cherubinis „Medea“, Regie-Großmeister Peter Konwitschny inszeniert. dpa/ mm