Zum Sterben schön

von Redaktion

Fado-Königin Mariza im Münchner Gasteig

Der Schmerz hat hierzulande einen eher schlechten Leumund. Sehr zu Unrecht, denn nur wer den Schmerz kennt, ist in der Lage, das Glück zu genießen. In Portugal weiß man das schon lange und hat das Besingen des Leids in Form des Fado kultiviert. Amtierende Königin des Fado ist Marisa dos Reis Nunes, die als Mariza die Welt mit dem Fado vertraut macht und auf ihrer Missionierungsreise in der sehr gut gefüllten Münchner Philharmonie Halt machte.

Wie eine herzliche, aber durchsetzungsfähige Lehrerin in einer Problemklasse schafft sie es, das Publikum ein wenig zu erziehen. Sogar auf Portugiesisch singt der Saal am Schluss und feiert enthusiastisch die melancholischen Weisen. „Ein zurückhaltendes Publikum bekommt ein zurückhaltendes Konzert“, ermahnt Mariza gleich zu Beginn die zunächst zaudernden Besucher. Sie könne nur das in den Saal zurückgeben, was sie zuvor von den Menschen an Begeisterung spüre.

Und die 43-Jährige hält Wort. Sie füllt den Raum mit einer Leidenschaft, die man nicht oft erlebt. Wie passt so viel Können, Schönheit, Energie und Freundlichkeit in eine einzige Person? Mariza überwältigt mit dieser sauberen und dabei kraftvoll brodelnden Stimme, die sie unverwechselbar macht. In der Zugabe schmettert sie sogar ohne Mikrofon einen traditionellen Fado, dass einem die Ohren wackeln. Souverän begleitet wird sie von vier unaufdringlichen Könnern, denen es gelingt, mit einem Schlagzeug und drei akustischen Gitarren ein ganz erstaunlich sattes Klangbild zu zaubern.

Mariza gleitet mit einer Anmut durch diese Musik, die gelegentlich überirdisch wirkt. Zum Sterben schön ist das, und als sie am Ende durch die Reihen geht und sich per Handschlag beim Publikum für den schönen Abend bedankt, ist ihr der Saal endgültig ergeben. Eine sanfte Herrscherin, die ihre Untertanen im Griff hat. Wenn in Portugal eine Sängerin mit einem Fado alles in Grund und Boden singt und einem das Herz zerreißt, ist ein laut gerufenes „Eh Fadista“ das größtmögliche Kompliment. Und nach diesem Abend mit Mariza bleibt einem nichts anderes als genau das zu tun. „Eh Fadista!“ zoran gojic

Artikel 3 von 9