KONZERTKRITIKEN

Im Hipster-Schlagerrausch

von Redaktion

Max Richard Leßmann,

Milla-Club

Um ehrlich zu sein: Bisher kennen die wenigsten Menschen in Deutschland Max Richard Leßmann. Dass das ein schweres Versäumnis ist, bewies der Sänger aus Husum bei seinem kleinen großen Konzert im Münchner Milla-Club. Eleganter, charmanter, witziger als bei Leßmann kann deutscher Pop nicht sein.

25 ist das Riesentalent erst, auch wenn er mit sparsamer Restfrisur reifer aussieht. Und die Kollegen, mit denen er (zumindest gedanklich) auf der Bühne steht, sind um Generationen älter. Wer Leßmann hört, denkt an Heinz Rühmann, Manfred Krug oder Udo Jürgens – aber alles in zackiger Indiepop-Version mit maximaler Ekstase. Manne Krug mit E-Gitarren, ein überragender Mix!

Schon mit 15 hat er die Indierock-Kapelle Vierkanttretlager gegründet, die es im Norden zu lokaler Berühmtheit brachte. Dann entdeckte er den Schlager der Zwanzigerjahre, und es war um ihn geschehen. Nur: Max Raabe gibt’s ja schon, und deshalb verfrachtet der junge Max den Schmäh von einst auf seinem grandiosen Debütalbum „Liebe in Zeiten der Follower“ ins Facebook-Zeitalter. Nun liefert er in seinen Hipster-Schlagern „Hinweise zur romantischen Bedienung des Internet“. Er singt über die Frau, die sein Herz „administriert“, und schwärmt von einer anderen Holden, die Ähnlichkeiten mit Brigitte Bardot aufweist: „Sie trinkt, sie raucht, sie riecht gut.“ Kummer macht dagegen eine Fernbeziehung: „Du trägst nur Lippenstift, wenn du nicht bei mir bist.“

Live lässt es Leßmann mehr krachen als auf Platte, er hopst wie ein Gummiball über die Bühne. Ein Fan brüllt begeistert: „Max, dein Vater war mein Kunstlehrer!“ Riesenparty, die mit dem Trinklied „Einen im Tee“ rauschig endet. Das passt, die Musik von Max Richard Leßmann macht beschwipst. jörg heinrich

Artikel 6 von 7