Serge Dorny als künftiger Intendant der Bayerischen Staatsoper und Vladimir Jurowski als Generalmusikdirektor, diese Personenkonstellation scheint so gut wie sicher. Das Bayerische Kunstministerium hat eingeräumt, dass mit beiden Verhandlungen geführt würden und damit einen Bericht unserer Zeitung bestätigt. Es sei beileibe noch nichts in trockenen Tüchern, sagte Toni Schmid, ehemaliger Ministerialdirigent und inzwischen Minister-Berater, der „AZ“. Diverse Formalien seien noch zu erledigen. Da außerdem das Kabinett zustimmen müsse, sei mit einer definitiven Bekanntgabe erst im kommenden Jahr zu rechnen.
Derzeit, das schwingt bei diesen Äußerungen mit, muss sich Bayerns Ministerrat mit ganz anderen Problemen herumschlagen – vor allem mit den Diadochenkämpfen um die Thronfolge im Freistaat. Debatten über die Zukunft der Bayerischen Staatsoper sind da eher nachrangig. Und doch stehen diese Gespräche offenkundig kurz vor dem Abschluss. Außerdem muss Schmid, der aus Altersgründen offiziell nur noch als Ratgeber des Kunstministeriums fungiert und dennoch alle Fäden in der Hand behalten hat, eine weitere wichtige Sache vom Tisch bekommen: Auch am Residenztheater gilt es, einen neuen Intendanten zu finden, Martin Kušej wechselt bekanntlich 2019 ans Wiener Burgtheater.
Mit der Favorisierung von Vladimir Jurowski als künftigen Chefdirigenten der Münchner Staatsoper setzt man auf einen Künstler, der dem Haus gut bekannt ist – anders als Franz Welser-Möst etwa, der als Einspringer nur ein Konzert geleitet hat, oder als Antonio Pappano, der im Nationaltheater noch nie am Pult stand. Jurowski brachte im November 2015 dort Prokowjews „Feurigen Engel“ heraus und wurde für sein Dirigat hochgelobt. Regisseur war damals Barrie Kosky, aus dieser Zeit stammt offenbar die Idee, beide als Leitungsdoppel nach München zu holen. Ein Plan, der sich mit der Absage Koskys zerschlagen hat: Der gebürtige Australier möchte nach seinem Abschied von der Komischen Oper Berlin vorerst als freier Regisseur durch die Opernszene tingeln und sich nicht mit administrativen Aufgaben belasten.
Für Serge Dorny bedeutet der mutmaßliche Wechsel nach München auch eine persönliche Klärung seiner beruflichen Situation. Nachdem sein Vertrag als künftiger Intendant der Dresdner Semperoper im Februar 2014 vom Freistaat Sachen fristlos und unter dubiosen, öffentlich nie geklärten Umständen gekündigt wurde, blieb Dorny in Lyon. Eine Entwicklung, die von einigen Mitgliedern der dortigen Opéra National kritisiert wurde. Beschwerden über das Klima und die Arbeitsbelastung wurden laut – verstummten aber wieder, als das Opernhaus international immer mehr Erfolge vorzuweisen hatte.