Es gibt sie, diese Typen, die jeder mag. Johnny Hallyday war so einer. In Frankreich haben sie ihn seit seinem ersten Hit „Itsy bitsy petit bikini“ mit einer Inbrunst verehrt, die man sich hierzulande kaum vorstellen kann. 1960 war das, und bis zuletzt hat Hallyday vor begeisterten Massen zahllose Konzerte gegeben und laufend neue Platten produziert, oft zwei pro Jahr. Er hatte den Rock nach Frankreich gebracht. Im Land des Chansons waren die Vorbehalte gegen den neumodischen Krach groß. In der feinen Bel Etage jedenfalls. Die Arbeiterkinder freilich sprangen sofort an auf diesen himmlischen Lärm. Hallyday löste Tumulte aus. Eine latente Unzufriedenheit unter den Jugendlichen entlud sich. Ganze Säle wurden lustvoll auseinandergenommen: Hallyday-Konzerte waren das Morgenrot der massiven Unruhen von 1968, die Frankreich an den Rand einer Staatskrise brachten – ohne dass Hallyday viel dazu beitrug. Er war zur Projektionsfläche geworden, die zum Nationalheiligtum avancierte.
Die Todesnachricht wurde umgehend von Präsident Macron kommentiert, der davon sprach, dass in jedem Franzosen ein wenig Hallyday stecke. Hallyday war ein Held der Massen und erlag so ziemlich allen Versuchungen, die das mit sich bringt: fünf Ehen, vier Kinder, Affären, Alkohol, Drogen. Zwischendrin fand er noch die Zeit, Filme zu drehen und erwies sich als begabter Schauspieler, der bis zuletzt vor der Kamera stand. Und das obwohl er vor sieben Jahren nach einer Operation ins künstliche Koma versetzt worden war und Schwierigkeiten mit dem Sprechen hatte. Er war ein zuverlässiger Kassenmagnet.
Beinahe 200 Tourneen hat Hallyday absolviert, über 80 Millionen Platten verkauft und sogar die Rolling Stones in die Knie gezwungen. „In Frankreich ist Hallyday unbezwingbar“, musste Mick Jagger einräumen. Nun ist Hallyday, der Franzosen liebster Entertainer, mit 74 Jahren gestorben. Der Mann hat gelebt.