Konzertkritiken

Zug und Zunder

von Redaktion

Yello,

Olympiahalle

Hopp, Schwyz! Zwei Herren der Generation 50 plus sind seit bald 40 Jahren das Duo Yello und erklommen mit ihrem faszinierenden Elektro-Sound einst die Charts, die Sound-Matterhörner. Sänger Dieter Meier (72), Frontmann mit sympathischem Snob-Faktor, und Klangtüftler Boris Blank (65) gastierten in der spärlich besuchten Olympiahalle. Doch wer kam, brauchte den Abend nicht zu bereuen. Was erstens daran liegt, dass der filigranste Bumm-Bumm-Boris der Elektro-Geschichte die Hütte gut im Griff hat, für reizvolle Surround-Effekte sorgt und mit Stolz und Charme seine Technikkompetenz in die Fankörper pumpt. Weil zweitens auch die Songs der aktuellen CD „Toy“, wie etwa „Limbo“, Zug und Zunder haben, und klar kommen die Klassiker „Bostich“ und als Rauswerfer „The Race“. Und weil drittens Meier mit rudimentärer Sangeskunst und minimalem Hüftkreis-Radius für entwaffnend ironische Brechungen sorgt.

So richtig sicher kann man sich bei Yello nie sein: Ist das jetzt einfach nur schön, oder kann man kichern? Aber ach, die Lichtshow wird den Klang-Eruptionen nicht gerecht. Dazu gibt’s viele Achtziger-Clipeinspielungen auf der Leinwand, die wenig nahrhaft Neues bieten. Und dass Yello gleich mit einen guten Dutzend Live-Musikern auftritt – darunter ein atemberaubendes Bläserquintett, das beängstigend perfekte Synkopen schleudert –, ist schon fast zu viel des Guten. Matthias Bieber

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