Mozarts „Jupiter-Symphonie“ einmal mit allen Wiederholungen zu hören, war ein pures Vergnügen – vor allem, weil ein wunderbarer Dirigent auf ein ebensolches Orchester traf: Herbert Blomstedt feierte seinen 90. Geburtstag mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Herkulessaal nach.
Basierend auf beiderseitiger Wertschätzung gelang schon bei der eröffnenden C-Dur-Symphonie KV 551 ein höchst entspanntes, aber keineswegs spannungsloses Miteinander. Blomstedt überraschte mit enormer Frische und Vitalität, obwohl er sich auf kleine Gesten beschränkte – ohne Stock und ohne Partitur. Die BR-Symphoniker schienen genau zu wissen, was der Maestro wollte, und musizierten mit blitzsauberer Spieltechnik, sprühend noch in der x-ten Wiederholung. Die Streicher sorgten für viel Brillanz in den hurtigen Läufen der Ecksätze und das Holz hielt keck stand. Im weich phrasierten Andante fehlte es ebenso wenig an lebendiger Gestaltung wie im detailgenau ausformulierten Menuett. Blomstedt war der wache Impulsgeber bis hinein in die Fugen des Finales. So gelang eine in den einzelnen Stimmen wunderbar transparente und zugleich mitreißende Aufführung.
Auf Mozart folgte die zweite Symphonie in g-Moll des hierzulande unbekannten Wilhelm Stenhammar. Der Schwede lebte von 1871 bis 1927, war Pianist und Dirigent und hinterließ 45 Werke, darunter Lieder und Kammermusik. Blomstedt, der den Landsmann sehr schätzt, setzt sich seit einigen Jahren vermehrt für die Aufführung von Stenhammars Werken ein. Was in dem groß besetzten, auf üppigen Klang bauenden Opus sofort beeindruckte, war die kompositorische Souveränität, mit der der Leiter der Göteborger Symphoniker ans Werk ging. Formal bleibt er dem klassischen Aufbau mit vier Sätzen treu und beweist auch, dass er sich in Kontrapunkt-Verstrickungen sicher bewegen kann. Das Finale, mit pompösem Bläserklang bestückt, steigert er fast ins Apotheotische. Insgesamt meidet er spätromantische Chromatik ebenso wie dissonante Kühnheiten. Dirigent und Musiker brachten mit einer von Elan und Stimmung beflügelten Interpretation das Publikum zum Jubeln.