Die Bayern haben ein komisches Verhältnis zur Obrigkeit. Ihre Nostalgie für die Monarchie hegen sie wohl nur, weil sie lieber gegen die Mächtigen granteln und behäbig agitieren – statt demokratisch fürs Schlamassel mitverantwortlich zu sein.
Dieser aufmüpfigen, gemütlich subversiven Tradition ist auch Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater verpflichtet. Die Qualitäten der Stücke und Hörspiele von Josef Parzefall und Richard Oehmann sind inzwischen bayernweit bekannt. Hier wird keine Autorität anerkannt außer den eigenen, hohen Ansprüchen ans Humorhandwerk. Und weil nie etwas von oben herab kommt, können sie sogar wie auf der neuen, nunmehr vierzehnten CD mit dem Landschaftspflegeverband Kehlheim kooperieren und Lieder übers gesunde Gemüse-Essen singen, ohne dass es grauslig pädagogisch nach Biosupermarkt röche.
Auch auf „Kasperl und der Wachtelkönig“ gibt’s Kinder-Kalauer und Witze über Nasenwuckerl ebenso wie Pointen übers astbedingte Dahinscheiden Ödön von Horváths und Erquickliches für Altphilologen. Die 90 Minuten der Doppel-CD werden zum üppigen Ideen-Stopfen genutzt: Internationale Verstecksti-Meisterschaften, ein „crex-crexender“ Fremdling, Majestäts-Coaching, ein Geräuschekundler (Max Uthoff), frittierter Camembert, Großmutters Tomaten… Doch noch der wucherndste Blödsinn wird letztlich kunstvollst gefügt und gut geführt.
Und wenn’s noch Zweifel gab, dass die Döblingers im Hochadel weiß-blauen Humors angekommen sind: Dann seien die endgültig ausgeräumt durch den Ritterschlag eines Gastauftritts des großen Gerhard Polt. Der gibt ganz wunderbar das Orakel vom Café D’Elphi, das im verschnarchten Spezi-Suri seine surrealen Prophezeiungen spricht.
Seit Richard Oehmann der Ruf vom Nockherberg ereilte (wir berichteten), wird freilich vielen die CD selbst zum Orakel gereichen in Sachen kommendes Singspiel. Wir weissagen: Aussichten rosig, auch ohne „Rosi“! Denn just ist „Kasperl und der Wachtelkönig“ eh eins der eindeutig politischen Werke Oehmanns & Parzefalls. 2017 nimmt selbst König Kurt von Bläh-Fröschl die Züge eines narzisstischen Autokraten an. Er wittert umstürzlerische Umtriebe allüberall, stellt den Seppl an den Pranger. Fürchtet Neuankömmlinge und hadert mit den Machtansprüchen anderer Möchtegern-Könige im kleinen Reich Hinterwieselharing. Wer diese holzkopferte Figur so klar und komisch porträtieren kann, sollte auf bayrische Politik bestens vorbereitet sein.
Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater:
„Kasperl und der Wachtelkönig“ (Rec Star).