Der Geist der Weihnacht

von Redaktion

Vicky Leandros in der Münchner Matthäuskirche

von Zoran gojic

Im Dezember kann man sich nicht umdrehen, ohne in einem Weihnachtskonzert zu landen. Nicht immer ist das allerdings inspiriert oder gar wirklich besinnlich. Bei Vicky Leandros (Foto: Carsten Rehder/ dpa) freilich spürt man echte Leidenschaft, wenn sie in München mit dieser immer noch erstaunlichen Stimme beim Abschluss ihrer Weihnachtstournee in saisonübliche Lieder eintaucht. Man darf ihr glauben, dass es ihr wirklich Freude macht, in der Mathäuskirche zu stehen und die Menschen in festliche Stimmung zu singen, bis tatsächlich auch skeptische Agnostiker einstimmen in die Hymnen der frohen Kunde. Am stärksten ist Vicky Leandros, wenn sie sich auf traditionelle Werke konzentriert und mit so viel Hingabe interpretiert, dass man regelrecht in seine Kindheit katapultiert wird. Damals, als man mit diesen Liedern noch echte Freude verbunden hat und nicht mit Grusel an überfüllte Kaufhäuser, groteske Weihnachtsmarkt-Bretterverschläge und genervte Konsumzombies denken muss – so wie es einem heute halt geht, wenn man „O du fröhliche“ in verkitschten Zuckerversionen im Aufzug hört. Es gibt eine frohe Botschaft, und sie hat nichts mit Engstirnigkeit, Gier, Übellaunigkeit oder Ignoranz zu tun. An all das wird man in diesem schönen Konzert erinnert, auch wenn die Leandros keinen explizit politischen Ansatz hat. Sie singt einfach mit Seele diese betörenden Lieder, die eben von all diesen Dingen handeln: Liebe, Güte, Gemeinschaft, solche Sachen. Und wenn die 65-Jährige am Ende triumphierend „Hallelujah“ von Leonard Cohen anstimmt, weiß man, dass man nächstes Jahr wieder gerne mit dabei ist, wenn Vicky Leandros den Geist der Weihnacht beschwört.

Artikel 4 von 5