Als Kind wollte er immer sein wie Bud Spencer und wünschte sich einen Terence Hill an seiner Seite – in Diane Kruger hat Fatih Akin diesen Kumpel für alle Lebenslagen gefunden: „Du und ich, wir sind wie Bud Spencer und Terence Hill“, ruft der Regisseur der Schauspielerin am Freitagabend von der Bühne des Münchner Prinzregententheaters aus zu. Gerade hat ihm Hark Bohm, Co-Autor von Akins vorletztem Film „Tschick“, den Bayerischen Filmpreis für die Regie von „Aus dem Nichts“, Akins jüngstem Film überreicht. Und zuvor in warmen Worten erklärt, warum der 44-Jährige völlig zu Recht zurzeit einen Preis nach dem anderen abräumt. „Fatih gewinnt sofort das Vertrauen und enttäuscht es nie.“ In Reihe eins des Theaters nickt „Aus dem Nichts“-Hauptdarstellerin Diane Kruger gerührt. Das atemberaubende Spiel von ihr sei das beste Beispiel für Akins sensible Art als Regisseur. „Was Diane Kruger in ,Aus dem Nichts“ zeigt, ist Höchstleistung“, betont Bohm. „Und Höchstleistung bringt nur, wer absolutes Vertrauen hat, dass da einer ist, der jeden Schritt voraussieht und warnt, wenn es schiefgehen könnte.“ Im Mai war Kruger in Cannes als beste Schauspielerin geehrt worden, an diesem festlichen Abend in Bayern gewinnt sie erneut in derselben Kategorie. Sie spielt Katja, die bei einem neonazistischen Anschlag ihren deutsch-türkischen Mann und den gemeinsamen Sohn verliert. „Das ist großes Kino, weil wir mit Kruger erleben können, welche Verwüstungen politischer Terror in der Seele eines Menschen anrichtet“, verkündet Moderator Christoph Süß die Begründung der Jury. Wie berichtet, hat „Aus dem Nichts“ bereits bei den Golden Globes als bester nicht-englischsprachiger Film triumphiert – nun gibt auch der Bayerische Filmpreis noch eine Extraprise Rückenwind für die Oscar-Verleihung am 4. März, bei dem das Drama als Kandidat für den besten ausländischen Film gehandelt wird.
Mit verwuschelten Haaren kommt Jonas Dassler auf die Bühne – und löst kurzerhand eine Welle der Rührung im Publikum aus. Der 21-Jährige wird mit dem Preis als bester Nachwuchsdarsteller geehrt – überreicht von seiner Theater-AG-Leiterin Beate Rüter aus Schulzeiten, von der er zuvor im Einspielfilm geschwärmt hatte. Sichtlich überrascht fällt er ihr mit Tränen in den Augen in die Arme. „Vor achteinhalb Jahren kam er bei mir in den Theater-Kurs und da hab ich gedacht: Mein Gott, der Junge ist so gut!“, schwärmt Rüter – und vergisst fast, ihm den Preis zu geben. Dassler kann zunächst nur stammeln. Verkündet aber dann: „Das ist die Frau des Abends, wirklich!“ Er hatte ihr ohnehin danken wollen – „insofern trifft sich das ganz gut“, sagt er und beweist Entertainerqualitäten, als er sich unter anderem beim „Ministerium für Technologie und Wissenschaft und was Sie da sonst alles noch machen“ bedankt.
In der Kategorie „Bester Schauspieler“ gewinnen gleich zwei – weil Frederick Lau und David Kross „Simpel“ zu einem unvergesslichen Kinoerlebnis machten. Lau ist derzeit in Thailand, deshalb nimmt Kross den Preis allein entgegen – aus der Hand von Detlev Buck. Als der den Trailer des Films gesehen hatte, dachte er: „Ach, das wird nix“, gesteht er. Doch er ließ sich darauf ein – und saß begeistert im Kino. Seine Bitte an Kross, der einen Geistig-Behinderten spielt: „Lass dich nicht von dieser kalten Branche abschrecken! Sondern bleib weiter mutig in der Rollenwahl!“