Orffs Hip-Hop

von Redaktion

„Dancin‘ Carmina“ kommt Ende Februar ins Prinzregententheater

Von Aglaja Adam

Was haben Carl Orff und seine „Carmina Burana“ (1937) mit Karate oder Streetdance zu tun? Eigentlich nichts und doch alles. Zumindest, wenn es nach Christoph Hagel geht. Der Dirigent und Regisseur ist bekannt dafür, klassische Komponisten in einen neuen Kontext zu bringen. Breakdance und Klassik fusionierte er bereits in seinen Produktionen „Flying Bach“, „Breakin‘ Mozart“ oder „Fuck you Wagner!“. Jetzt hat er sich an die erfolgreichste Komposition Orffs gewagt. Eine Idee, die ihn lange verfolgte. „Ich habe mich schon vor acht Jahren mit Orffs Rhythmik beschäftigt“, sagt der 59-Jährige. Schnell sei klar gewesen: „Hip-Hop passt dazu.“ Doch so mächtig, wie die ersten Takte von „Carmina Burana“ klingen, so wenig reichte ihm nur Hip-Hop.

Was er bei der Uraufführung von „Dancin‘ Carmina“ am 27. Februar im Münchner Prinzregententheater auf die Bühne bringen will, ist eine wilde Mischung: Breakdance und klassischer Tanz, Karatekämpfer, Artisten, Bodypainter und Pantomimen. Das Orchester der Berliner Symphoniker und der Ernst-Senff-Chor Berlin treffen auf urbane Jugendkultur von heute – und auf eine mittelalterliche Jugendkultur. „Der Bogen lässt sich spannen“, sagt Hagel. Denn die Texte der „Carmina Burana“ auf Lateinisch, gemischt mit Altfranzösisch und Mittelhochdeutsch, sind alles andere als verstaubt. Als „Porno-Latein“ bezeichnet der Regisseur Passagen daraus.

Die Sammlung weltlicher Lieder und Gedichte wurde 1813 im Kloster Benediktbeuern aufgefunden. Sie sollen von Klosterschülern stammen. „Von 14- bis 17-Jährigen, geschrieben im Wald oder im Schlafsaal, wenn sie unbeaufsichtigt waren“, so stellt es sich Hagel vor. Er lässt neben dem Chor die „Weltlichen Gesänge für Sänger und Chöre“, wie Orff sein Stück selbst betitelte, von vier Solisten in Szene setzen. Und da es in Orffs Werk keine stringente Handlung gibt, hat Hagel seiner Fantasie freien Lauf gelassen.

Die Hip-Hop-Tänzer Safiyah Galvani und Devin Ash-Quaynor werden von zwei Ballettkindern, einem Engel und einem Teufel, ins Mittelalter gezaubert. Dort verlieben sie sich jeweils in einen Ritter (Jaka Mikelac) und ein Burgfräulein (Christina Rotterberg). „Es hat was von Musical“, sagt Ash-Quaynor, der aus der Berliner Streetdance-Szene stammt. Auf ihrer Reise ins Mittelalter treffen die beiden Hip-Hopper auch auf tanzende Karateka. „Für uns war das eine völlig neue Welt“, erzählt Jörg Auffarth, der aus dem Leistungssport kommt und die Karate-Show Gruppe Black Belt Artists gegründet hat. Noch ist Hagels Inszenierung im Entstehen; in Berlin wird geprobt, in München hat die Produktion Premiere.

Prinzregententheater,

27. Februar; Karten: 089/ 21 85 19 70.

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