Wie viele Generationen passen in 25 Jahre? Eine Menge, scheinen Ingvild Goetz und ihre Mitarbeiter zu antworten. Die dreiteilige Ausstellung nämlich, welche die Sammlung Goetz 2018 anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens zeigt, lässt Künstlerinnen mit Werken aus acht Jahrzehnten in Dialog treten, die sich sowohl medial, formal als auch ästhetisch als auch politisch als auch in Popularität und Lebensjahren unterscheiden und sich darin letztlich im Mehrgenerationenhaus der Sammlung doch wunderbar, auch weiblich, ergänzen.
Der erste Themenblock von „Generations. Künstlerinnen im Dialog“ spiegelt sich bereits im Treppenhaus zum Obergeschoss, wo eine von Pae Whites (Jahrgang 1963) großformatigen Tapisserien hängt: Alltag trifft Design, altes Kunsthandwerk spiegelt fotorealistisch moderne Vanitas-Stillleben aus zerknülltem Papier, Rauch, Zeitungsausschnitten und leitet so über in den ersten Saal, der den Schwerpunkt Werbung medienkritisch in sich vereint. Etwa in den digitalen Zitaten, die Jenny Holzer (1950) als Slogans inszeniert, in den 60 Radierungen von Ellen Gallagher (1965), welche die Vermarktung eines Haarfärbemittels ad absurdum führen, oder in den bunten Siebdruck-Friedensbotschaften von Sister Mary Corita (1918–1986), die sich in den Sechzigerjahren auch Günter Grass’ Liebesgedicht „Kirschen“ zu eigen machte.
Im Kontext von Jessica Stockholders (1959) grellen Plastikcollagen und einer von Haegue Yangs (1971) Kleiderständer-Installationen zwischen koreanischer Tradition und europäischer Kaufkraft gewinnt eine weitere gewebte Arbeit Whites noch an Symbolhaftigkeit. Der zarte Gedächtnisteppich aus gefärbtem Papier indes, den 2015 die rumänische Konzeptkünstlerin Geta Bratescu (1926) mit der Schere und mit geschlossenen Augen „gezeichnet“ hat – seine introvertierte Botschaft können in diesem Umfeld allenfalls Barbara Kastens (1936) illusionistische Modellraum-Fotografien auffangen. Eher scheint er mit dem Nebensaal zu korrespondieren, wo Rosemarie Trockel (1952), Andrea Zittel (1965) und N. Dash (1980) eine auffällig starke, ruhige textile Allianz aus Sinn und Bild eingehen.
Das Untergeschoss gehört Katharina Grosse (1961), die nicht die einzige, aber eine besonders schöne, raumgreifende Verbindung mit Lucy Dodd (1981) eingeht. Die erdigen Verkrustungen auf Grosses farbexplosiven Acrylgemälden finden sich in einer archaischeren Form wieder in den 2017 entstandenen abstrakten Großformaten Dodds, deren lebendige Materialienliste zwischen Tintenfischtinte, Hämatit und Kombuchapilz sich liest wie die Anleitung zu einem komplizierten mikrobiologischen Experiment.
Mit allen 16 Arbeiten aus Ingvild Goetz’ Bestand erhält Yayoi Kusama (1929) eine kleine Werkschau für sich: von fantastischen Papierarbeiten zum surrealistisch anmutenden Film „Kusama’s Self-Obliteration“ zu ihren Skulpturen aus Stoffwülsten. Am bekanntesten aber, nicht erst durch Louis Vuitton: ihre unendlichen „Polka dots“. Es ist ein Höhepunkt der ausgestellten Dialoge, wie im pechschwarzen Raum Kusamas gepunktete „Pumpkin-Boxes“ im Spotlicht zwischen Jennifer Guidis (1972) magisch meditativen Mandala-Bildern, gekerbt in eine dicke Schicht aus Sand, Acryl und Öl, leuchten – gerahmt von den akustischen Wassertropfen in Pipilotti Rists (1962) optischer Spurensuche über den weiblichen Körper. Rist ist es, die überleitet zum nächsten Drittel der Jubiläumsreihe mit dem Schwerpunkt Video als Selbstreflexion: zu sehen ab 29. Juni im Haus der Kunst.
Bis 13. Juli,
Do.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr; Oberföhringer Straße 103; Eintritt frei; Anmeldung unter der Telefonnummer 089/ 95 93 96 9-0.