Es ist die älteste Geschichte der Welt. Zumindest, wenn wir von der Operngeschichte reden. Seit Monteverdi hat die Sage von Sänger Orpheus und seiner verlorenen Geliebten immer wieder Komponisten inspiriert – und nun die kreativen Köpfe im Verein „Zuflucht Kultur“. Sie präsentieren im Münchner Hofspielhaus ihre Variante des griechischen Mythos: Ihre „Transkulturelle Oper“ bedient sich bei den Vertonungen von Gluck, Graun sowie Haydn und schöpft zudem aus den musikalischen Traditionen der Heimat ihrer Mitwirkenden, die etwa aus dem Irak und Syrien stammen.
Eben dort startet die spartanisch gehaltene Inszenierung von Annette Lubosch, die das Geschehen im Kriegsgebiet ansiedelt, wo nicht der Biss einer Schlange, sondern IS-Fanatiker das junge Glück von Orpheus und Eurydike zerstören. Zwischen Monteverdis Toccata und Finale, die den Abend in einem stimmigen Arrangement für Geige und Akkordeon rahmen, mischen sich schon bald die ersten Ethno-Elemente, die vom siebenköpfigen Ensemble mit viel Herzblut dargeboten werden und auch das Publikum einbinden. Im Kontrast hierzu wirken die Arien des Protagonisten-Paares fast schon ein wenig brav – obwohl vor allem Sela Bieri als Eurydike mit glockenreinem Sopran eine ebenso stilsichere wie anrührende Leistung abliefert. Würde dazu nur die szenische Aktion nicht immer wieder in typische Operngesten und bedeutsames Schreiten abrutschen. Da mag sich Titelheld(in) Cornelia Lanz noch so aufopfernd auf Glucks „Ach ich habe sie verloren“ stürzen – Gänsehaut bekommt man vor allem bei den druckvollen Rap-Einlagen von Maher Hamida und den Gesängen, mit denen Wissam und Walaa Kanaieh Orpheus auf seine Suche schicken.
So findet man sich vor allem im zweiten Teil des kurzweiligen Abends in der beinahe absurden Situation, dass plötzlich Gluck und Haydn als die eigentlichen Fremdkörper wirken. Aber womöglich ist gerade dies letzten Endes das größte Kompliment, das man diesem etwas anderen „Orfeo“ machen kann.
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heute sowie am 16., 20., 21., 27. und 28. März;
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