Die Leipziger Buchmesse hat zum Auftakt bewusst die europäische Perspektive in den Mittelpunkt gestellt – gegen Nationalismus und Engstirnigkeit. Auf zahlreichen Veranstaltungen ging es gestern um die Zukunft in der Gemeinschaft, die Rolle der Literatur für die Demokratie und den Umgang mit Minderheiten. Insgesamt stellen bei der Buchmesse mehr als 2600 Verlage aus 46 Ländern ihre Neuerscheinungen vor. Bis zum Sonntag werden rund 300 000 Besucher erwartet. Zum Auftakt bildeten sich schon vor Beginn lange Schlangen vor der Messe. Am Mittwoch erhielt bei dem Festakt im Gewandhaus die norwegische Schriftstellerin Åsne Seierstad den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für ihr Buch „Einer von uns“ über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik. Nach den Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Aktivisten bei der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr sorgt auch in Leipzig der Auftritt rechter Verlage für Diskussionen.
Unter dem Motto „Zoom in Romania“ stellte sich Rumänien mit einer vielfältigen Literaturszene als offizieller Gast der Buchmesse vor. Für den Auftritt wurden 40 Bücher wichtiger Autoren neu ins Deutsche übersetzt. Bei der Vorstellung des Gastlandes standen große Autoren wie Varujan Vosganian („Buch des Flüsterns“), Norman Manea („Der schwarze Briefumschlag“) und Mircea Dinescu („Exil im Pfefferkorn“) für die Vielfalt der rumänischen Literatur. Der Außenminister Teodor Meleşcanu hatte schon bei der Eröffnungsfeier am Vorabend für einen „vorurteilsfreien Blick“ auf Rumänien geworben.
Bei Kinderbüchern liegen heuer Erzählungen über Mut und Entschlossenheit im Trend, wie Christine Kranz von der Jury des „Leipziger Lesekompasses“ sagte. dpa