Nur kein Stillstand!

von Redaktion

Gianna Nannini elektrisiert in der Philharmonie

Von Zoran Gojic

Braucht niemand zu glauben, er könne einfach so zu einem Konzert von Gianna Nannini kommen und dann dumm rumsitzen. Mit weniger als total enthemmter Ekstase gibt sich Signora Nannini nicht zufrieden, das macht sie unmissverständlich klar. Wobei: Zum Jagen tragen muss sie kaum einen in der ausverkauften Münchner Philharmonie. Schon nach den ersten zehn Sekunden des Auftaktsongs „Latin Lover“ wird auf den Rängen getanzt und erste Fans pilgern in einer Art Völkerwanderung an den Bühnenrand – bis am Ende des Konzerts kein Durchkommen mehr ist. Genauso gefällt das Nannini, die jedes Nachlassen im Saal sofort mit wildem Aktionismus angeht.

Stillstand geht nicht bei der 61-Jährigen, die mit einer Maßlosigkeit und manischen Kraft über die Bühne tobt, die man fast schon unheimlich nennen kann. Seit über 40 Jahren schleudert die Italienerin ihre Energie schon verschwenderisch in die Konzertsäle Europas, und man kann beim besten Willen nicht den Hauch von Routine oder nachlassender Leidenschaft erkennen. Die Frau brennt lichterloh, immer noch. Mikrofonständer fliegen durch die Luft, Handys von Fans aus Reihe eins werden gemopst und ständig wird lautes Mitsingen eingefordert. Aber was heißt schon einfordern, es ist eher eine Art Naturgesetz, gegen das man sich nicht stemmen kann. Wem es gelingt, bei „Bello e impossibile“ nicht einzusteigen, der muss übermenschliche Kräfte haben.

Die Arrangements sind solide, Nannini verzichtet auf Experimente und setzt auf Rockgitarren und donnernden Schlagzeughall, garniert mit süffigen Keyboard-Riffs. Kurzum: Sie gibt dem Affen fröhlich Zucker. Wie es ihr gelingt, in ihrem Alter so mädchenhaft über die Bühne zu schweben, bleibt ihr Geheimnis, aber wie eine Dame im Vorruhestandsalter wirkt sie keine Sekunde. Am Ende wird das Toben des Saals mit ein paar Brocken Deutsch bei der Zugabe „Aria“ belohnt. Hat Spaß gemacht mit Gianna. Wie immer.

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