KONZERTKRITIKEN

Keine Kompromisse

von Redaktion

Igor Levit,

Prinzregententheater

Ihren Untertitel „Der Sturm“ verdankt Beethovens Klaviersonate Nr. 17 einer Anekdote, laut derer sich der Komponist die Inspiration bei Shakespeares gleichnamigem Stück holte. Dass es ihm jedoch weniger um programmatisches Bebildern ging, sondern um eine emotionale Grundhaltung, das machte nun Igor Levit wieder einmal deutlich. Für die vierte Runde seines Beethoven-Zyklus im Prinzregententheater etablierte er bereits mit dem Klassiker einen klaren, transparenten Tonfall, der bewies, dass scheinbare Leichtigkeit des Spiels keineswegs im Widerspruch zur Tiefe der Interpretation stehen muss.

Wie von ihm fast schon erwartet, präsentierte Levit mit viel Selbstbewusstsein einen alles andere als konventionellen Beethoven. Eine sehr persönlich gefärbte und in ihrer Konsequenz kompromisslose Deutung, die man – um bei Shakespeare zu bleiben – im Dunstkreis des in seinen Gedanken versunkenen Hamlet verorten könnte: sanft im Anschlag und vor allem den leisen Tönen Raum gebend.

Nach dem Wechsel von Moll nach Dur mit den nie beiläufig aus dem Ärmel geschüttelten Sonaten elf und drei schlug das Opus 13 den Bogen zum Anfang. Levit gelang es auch, der „Pathétique“ seinen Stempel aufzudrücken. Wobei besonders das traumverlorene Adagio mit seinem raffinierten Balanceakt zwischen kühlem Verstand und innerem Feuer lange nachklang. So wird es nicht nur das heftig  applaudierende Publikum freuen, dass Levits Zyklus in der kommenden Saison fortgesetzt wird. Oder, um wieder den Barden aus Stratford-upon-Avon zu bemühen: „Wenn Musik der Liebe Nahrung ist, so spielt weiter!“ tobias hell

Artikel 6 von 7