Bayern, wie es sein will

von Redaktion

Zehn Museen aus dem Münchner Umland locken mit der gemeinsamen Ausstellungsreihe „Identitäten“

von katrin hildebrand

München besitzt über 70 Museen. Kein Wunder, dass die Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt zum Freizeitspaß gerne in die Region ausweichen, zum Kulturgenuss aber behäbig daheim bleiben und lieber die Ausstellungen bei sich besuchen, als einen Blick über den Stadtrand zu riskieren. Die Region hat jedoch Aufregendes zu bieten. Unter dem Namen „Landpartie“ sind mittlerweile zehn Museen aus dem Umland verbunden. Seit 1996 machen sie den Münchnern, aber auch den Bewohnern der Landkreise ihr Angebot schmackhaft. Zum sechsten Mal haben sich die Häuser aus Dachau, Erding, Fürstenfeldbruck, Ismaning, Starnberg und Schöngeising nun zu einer Ausstellungsreihe zusammengeschlossen. Einzig das Stadtmuseum Freising muss diesmal passen, da es umgebaut wird. Alle anderen laden zumeist bis weit in den Herbst hinein unter dem Motto „Identitäten“ zum Besuch ein.

So abstrakt der übergreifende Titel, so vielfältig sind die konkreten Themen an den jeweiligen Orten. Die meisten Häuser nähern sich dem Sujet von der kulturhistorischen Seite. Andreas Koll, Archivar und Kurator im Münchner Valentin-Karlstadt-Musäum, hat die Schau „Strizzis, Lackl’n, Goaßlschnalzer“ bereits 2013 für das Bauernhausmuseum Amerang entwickelt. Erweitert um einige lokale Aspekte, ist sie im Rahmen von „Identitäten“ nun im Schlossmuseum Ismaning zu sehen. Im Fokus steht das Klischee einer typisch bayerischen Lebensart. „Ich bin der Frage nachgegangen, woher dieses Bayernbild kommt“, erklärt Koll.

Anhand von Bildern, Postkarten, Videostationen und anderen Objekten erzählt er von der bürgerlichen Suche nach Natur und Natürlichkeit, wie sie im 19. Jahrhundert aufkam. Durch den Tourismus und die städtische Sehnsucht nach dem Gebirge entwickelten sich Typisierungen einer Volkstümlichkeit, die schließlich auf die Objekte ihrer Zuschreibung übergriff. Die Bayern wurden zum Teil so, wie sie sein sollten.

Der Bühne als einem Ort der Identifikation widmet sich das Bezirksmuseum Dachau. „Alles Theater!“ schildert die Geschichte des Laienschauspiels in der ehemaligen Marktgemeinde und heutigen Kreisstadt. Einen zum Teil historischen Abriss liefert auch das Museum Erding. Die Schau „Unser schöner Turm“ zeigt auf, wie ein Stadttor zum Wahrzeichen einer Siedlung und schließlich zur kommerziellen Marke werden konnte. Einem ganz anderen Aspekt wendet sich das Museum Starnberger See zu. Identität wird dort im Kontext des Hauses Wittelsbach diskutiert – einerseits als selbst auferlegter Familienmythos, andererseits als Blick des Volks auf die Herrscherfamilie. Als Beispiel haben sich die Kuratoren den bisher selten bedachten König Ludwig III. ausgesucht, der bis 1918 regierte. Das Bauernhofmuseum Jexhof dagegen geht zurück in die wilden 1970er-Jahre. Menschen aus dem Brucker Land, vom Künstler bis zur ehemaligen Discokönigin, erzählen aus heutiger Sicht, wie diese Zeit ihre ganz individuellen Biografien geprägt hat.

Zum Teil auch historisch, doch mit starkem Fokus auf die Kunst geht es in den übrigen vier Häusern zu. Einen zeitgenössischen Ansatz hat die Neue Galerie Dachau gefunden. „Wo mein Hut hängt“ illustriert anhand von Arbeiten verschiedener Künstler, wie Menschen zwischen den Kulturen ein wandelbares ideelles Zuhause entwickeln. Antworten auf Fragen der Identitätsbildung im 21. Jahrhundert gibt eine Gruppenschau im Kallmann-Museum Ismaning. In „Ein gemachter Mensch“ illustrieren Künstler, wie das menschliche Selbst von innen und außen gestaltet wird. In den Ausstellungen des Museums Fürstenfeldbruck – Wald-Bilder – und der Gemäldegalerie Dachau – Baum-Bilder – steht die Malerei im Fokus: Auch die Natur, der Lebensraum des Menschen, ist mit Mythen überfrachtet und wird zur Identitätsstiftung ge- und missbraucht. Gemälde aus dem 17., 18., 19. und 20. Jahrhundert sowie zeitgenössische Künstlerpositionen geben davon Kenntnis.

Informationen:

www.landpartie-museen-muenchen.de.

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